Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg IHK betont: Wirtschaft braucht Fläche
Marburg IHK betont: Wirtschaft braucht Fläche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:53 24.12.2018
Die Gewerbeflächen im Stadtwald waren die letzten zusammenhängenden und entwickelten frei verfügbaren Gewerbegrundstücke in Marburg – Neuansiedlungen werden so in der Universitätsstadt erschwert. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Oskar Edelmann, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK, sieht ein Problem darin, dass in Marburg nur sehr wenige Gewerbeflächen kurzfristig verfügbar seien. Das Angebot mittelfristig verfügbarer Flächen sei deutlich besser, insbesondere was größere Parzellen beträfe. Allerdings könnten diese erst innerhalb von drei bis fünf Jahren zur Verfügung stehen. „Eine prosperierende Wirtschaft braucht hingegen schnell verfügbare Industrie- und Gewerbeflächen. Hieran mangelt es in Marburg.

Um den Wirtschaftsstandort zu stärken beziehungsweise zukunftsfest für den Wettbewerb der Regionen zu machen, müssen mehr kurzfristig verfügbare Flächen geschaffen werden“, verdeutlicht Edelmann. Gießen und Wetzlar hätten im Vergleich zu Marburg deutlich mehr Gewerbeflächen mit perspektivisch ungleich größeren Potenzialflächen.

Dabei sei die kurzfristige Verfügbarkeit von Gewerbeflächen­ „ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Standortwahl“, meint Edelmann. ­Investitionsbereite Unternehmen könnten häufig nicht warten, bis neue Gewerbeflächen entwickelt worden seien, denn dies dauere meist mehrere Jahre. „Gerade internationale Konzerne weichen in diesen Fällen oft auf ­Alternativstandorte aus. Um die Möglichkeit zur schnellen Reaktion auf betriebliche Anforderungen zu haben, sollte daher eine aktive Flächenvorratspolitik betrieben werden“, fordert Edelmann. Damit Marburg im Wettbewerb mit anderen Regionen standhalten könne, müssten kurzfristig sowohl Neuansiedlungen als auch ­Erweiterungsoptionen möglich sein.

IHK-Position: "Wirtschaft braucht Fläche"

Doch dafür benötige die Stadt eine weitsichtige Vorratsplanung auch im Hinblick auf kurzfristig verfügbare Gewerbe­flächen. „Gerade in stark verdichteten Kommunen wie Marburg sind zukunftsorientierte Gewerbeflächenkonzepte unerlässlich, um Neuansiedlungen von Unternehmen ausreichend Raum zu bieten“, sagt Edelmann. Zudem sei dies auch wichtig, „um bereits ansässigen Unternehmen entsprechende Möglichkeiten zur Erweiterung zu gewähren, um Abwanderungen zu verhindern“.

Edelmann verweist in diesem Zusammenhang auf das von allen hessischen IHKs verabschiedete Positionspapier „Wirtschaft braucht Fläche“. Dieses benenne die Grundsätze und Kernanforderungen, die für die Bereitstellung wirtschaftlich genutzter Flächen zu berücksichtigen seien. Er verdeutlicht: ­„Eine prosperierende Wirtschaft braucht schnell verfügbare und bezahlbare Industrie- und ­Gewerbeflächen. Diese sollten durch eine optimale Lage genügend Entwicklungspotenzial für ansässige und ansiedlungswillige Unternehmen bieten.“

Doch für Unternehmen gebe­ es unterschiedliche Standortanforderungen – so spielten auch eine gute Breitband- oder Verkehrsanbindung und auch genügend Fachkräfte eine Rolle.

"Komfortable Situation" bei Fachkräftesicherung

„Hier ist Marburg als starker und attraktiver Wirtschaftsstandort gut aufgestellt. Vorhanden sind eine gute Digitalinfrastruktur sowie eine gute Anbindung an das überregionale Straßen- und Schienennetz und den Frankfurter Flughafen“, sagt Edelmann.

Auch hinsichtlich der Fachkräftesicherung sei Marburg als traditionsreicher Universitätsstandort, aber auch aufgrund der räumlichen Nähe zu den beiden anderen mittelhessischen Hochschulen in einer komfortablen Situation. Archivschule, Evangelische Hochschule Tabor und die Fachhochschule der Wirtschaft rundeten das Angebot ab. „Hinzu kommt eine gute Bildungsinfrastruktur mit demnächst bilingualer Grundschule, eine gute ärztliche Versorgung, ein überdurchschnittliches kulturelles Angebot sowie Wohn- und Freizeitwert“, zählt Edelmann weitere positive ­Aspekte auf.

Die IHK werde im Rahmen der Bauleitplanung als Träger öffentlicher Belange an entscheidenden Planungsprozessen beteiligt. „Mit der Abgabe von Stellungnahmen setzen wir uns dabei für die Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie ein und bemühen uns darum, Beeinträchtigungen gewerblicher Nutzungen durch konkurrierende Ansprüche auszuschließen“, sagt Oskar Edelmann. Darüber hinaus bemühe man sich darum, dass genügend Flächen für Neuansiedlungen und Erweiterungen bestehender Unternehmen vorhanden seien.

von Andreas Schmidt und Björn Wisker

Hier lesen Sie mehr zum Thema:

Neues Gutachten wirft Fragen auf

Sälzer weiter an Grundstück interessiert

"Kommunikatör" schließen Klage nicht aus

Eigentümer könnte den Kaufpreis verdoppeln.

Die Marburger SEG muss Ausgleichszahlung leisten.

SEG-Grundstücksdeal: Das ist bisher passiert