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Marburg Rückkehr mit ganz viel Kunst
Marburg Rückkehr mit ganz viel Kunst
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20:16 27.10.2010
Ein Spielzeug aus der Wunderkammer der Kunst: Eine Besucherin betrachtet die Installation "Canadian Child" von Ydessa Hendeles. Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Im Beisein von Katharina Fichtner von der kanadischen Botschaft hieß Oberbürgermeister Egon Vaupel die Künstlerin und Kuratorin Ydessa Hendeles willkommen. Und mit einem herzlichen „Welcome back in Marburg!“ begrüßte Dr. Gerhard Pätzold, Leiter des Marburger Kunstvereins, die kanadische Künstlerin.

Oberbürgermeister Egon Vaupel erinnerte in einer bewegenden Ansprache daran, dass Marburg in den Nachkriegsjahren ein Zufluchtsort für viele Menschen aus den Konzentrationslagern war. Auch die Eltern von Ydessa Hendeles, polnische Juden, die den Holocaust überlebt hatten, kamen nach dem Krieg nach Marburg. Hier wurde die Künstlerin 1948 geboren. „Es ist eine Auszeichnung für Marburg, dass Sie ihre Geburtsstadt nicht vergessen haben“, rief Vaupel der Künstlerin zu.

Chris Dercon, Direktor vom Haus der Kunst in München, gab eine kleine Einführung in die Ausstellung. „Alle Bilder und Skulpturen erzählen etwas aus Ydessa Hendeles Leben“, betonte er. „Diese Ausstellung gleicht einer persönlichen Geschichte.“ In ihrer Kindheit sei die Künstlerin viel alleine gewesen, erläuterte Dercon weiter, was auch daran gelegen habe, dass beinahe ihre ganze Familie in der Nazizeit ausgelöscht wurde. Nun sei die Kunstszene ihre neue Familie.

Überraschend trat am Freitag auch die Künstlerin selbst ans Rednerpult und bedankte sich für die herzliche Aufnahme in der Stadt. „Meine Mutter und mein Vater haben die Erinnerung an das schöne Marburg immer wach gehalten“, erzählte sie. Außerdem habe ihr früheres Kindermädchen regelmäßig Briefe aus Marburg geschrieben.

Die Ausstellung „Marburg! The Early Bird!“ zeigt Installationen von Ydessa Hendeles, die sich in sehr assoziativer Weise mit dem Thema Kindheit, aber auch mit Staats- und Glaubenssystemen auseinandersetzen. Darüber hinaus sind Fotografien, Collagen und Installationen weiterer zeitgenössischer Künstler zu sehen.

Die Öffnungszeiten sind: Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr, Mittwoch 11 bis 20 Uhr.

von Bettina Preussner