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Rückkehr in ein ländliches Idyll

Ausstellung zu Ubbelohde in Willingshausen Rückkehr in ein ländliches Idyll

Otto Ubbelohde zieht – und wie. Die kleine Kunsthalle des Schwälmer Dörfchens Willingshausen platzte bei der Ausstellungseröffnung aus allen Nähten.

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Es gibt viel zu entdecken in den Zeichnungen und Grafiken Otto Ubbelohdes. Bei der Ausstellungseröffnung in Willingshausen wurden die Arbeiten intensiv diskutiert.

Quelle: Uwe Badouin

Willingshausen. Otto Ubbelohde ist wieder richtig populär, nachdem er in den 60er- und 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon fast völlig vergessen schien, als Popart und Konzeptkunst den Markt beherrschten.

Großen Anteil daran hat die Otto-Ubbelohde-Stiftung, die mit Ausstellungen und Aktionen immer wieder auf die Bedeutung des Grafikers, Zeichners und Malers hinwies. „Ubbelohde ist ein großer Künstler.“ Ludwig Rinn, Vorsitzender der Ubbelohde-Stiftung, betont dies immer wieder. So auch in Willingshausen, dem kleinen Kunst- und Künstlerdorf in der Schwalm.

Willingshausen, sechs Kilometer von Neustadt entfernt, beherbergte im 19. Jahrhundert eine der ältesten Künstlerkolonien Europas. Um 1830 gegründet von dem ehemaligen russischen Offizier Gerhardt Wilhelm von Reutern und Ludwig Emil Grimm etablierte sich dort eine Malerkolonie, die sich der Heimatkunst, der Landschaftsmalerei und ländlichen Szenen widmete. Die Maler machten etwa die Schwälmer Tracht („Rotkäppchen“) populär.

Willingshausen erhält Tradition als Malerdorf

Bedeutende heimische Vertreter waren Carl Bantzer und Otto­ Ubbelohde, der am 5. Januar 1867 in Marburg geboren wurde und am 8. Mai 1922 in Goßfelden starb. Schon als Jugendlicher zeichnete er in Willingshausen. Damals allerdings hatte sein Vater, ein Jura-Professor an der Philipps-Universität, noch ganz andere Pläne mit seinem Sohn. 1902 kehrte Otto Ubbelohde als in München ausgebildeter Maler nach Willingshausen zurück, nachdem er etwa in der Malerkolonie Worpswede nicht Fuß fassen konnte. Die Nordlichter mochten den „biertrinkenden Münchner“ nicht, wie Professor Wulf-Diether Gassel bei der Ausstellungseröffnung am Samstag betonte.

Zu seinem 150. Geburtstag, an den in diesem Jahr erinnert wird, ist der berühmte Märchenillustrator wieder „zu Besuch in Willingshausen“. Willingshausen ist heute der Sitz der gleichnamigen Gemeinde mit knapp 4900 Einwohnern in neun Ortsteilen. Bemerkenswert an Willingshausen ist, dass die kleine Gemeinde seit Jahren zielstrebig an die Tradition als Malerdorf anknüpft. Neben dem Gerhardt von Reutern-Haus ist eine kleine Kunsthalle errichtet worden, in der regelmäßig Ausstellungen präsentiert werden.

Der Verein „Malerstübchen“ pflegt diese Tradition und organisiert ehrenamtlich die Ausstellungen in Willingshausen. Unter anderem von Kunststipendiaten, die vor Ort im denkmalgeschützten „Hirtenhaus“ wohnen und arbeiten. Kürzlich war die 44. Stipendiatenausstellung zu sehen.

Nun kehrt also Ubbelohde ­zurück in dieses ländliche Idyll, das die Maler im 19. Jahrhundert faszinierte. Rund 70 Arbeiten sind bis zum 13. August in der Kunsthalle Willingshausen zu sehen. Ein Großteil der Ausstellungsstücke stammt aus der Sammlung von Professor Dr. Wulf-Diether Gassel. Der langjährige Leiter der Inneren ­Poliklinik in Marburg lebt heute in Passau.

Ausstellung noch bis 13 Aufgust zu sehen

Seit den 70er-Jahren sammelt er Ubbelohde. Er hat in dieser Zeit eine bemerkenswerte Sammlung mit grafischen und zeichnerischen Arbeiten Ubbelohdes aufgebaut, die diese sehr schöne Ausstellung prägen. Weitere Arbeiten, die in Willingshausen zu sehen sind, kommen aus einer Potsdamer Privatsammlung sowie aus der Sammlung der Otto-Ubbelohde-Stiftung, die für die Ausstellung insbesondere malerische Werke des Künstlers bereitstellte.

Ubbelohde ist allerdings vor allem für seine grafischen und zeichnerischen Arbeiten, insbesondere für seine 450 Märhenillustrationen bekannt geworden, von denen einige in der Ausstellung zu sehen sind, die ein „langersehntes Projekt des Malerstübchens“ ist, wie Ludwig Rinn betonte. Und diese, eher stillen Zeichnungen und Druckgrafiken wecken bei Besuchern der Ausstellung Erinnerungen an eine Zeit, die heute­ langsam zu verblassen droht. Dieser Blick des Künstlers auf Menschen, Dörfer, Städte und Gebäude ist daher nicht nur für Kunstliebhaber ein Genuss.

Die am Samstag eröffnete Ausstellung ist nach der Schau im Oberhessischen Museum in Gießen die zweite große Ubbelohde-Schau im Ubbelohde-Jahr. Vom 22. September bis 9. November ist eine weitere große Ausstellung im Marburger Kunstverein geplant, die Ubbelohde als Landschaftsmaler zeigen wird.

  • Die Ausstellung in Willingshausen ist bis zum 13. August zu sehen; geöffnet Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

von Uwe Badouin

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