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Marburg Zwischen Dame und Mädchen
Marburg Zwischen Dame und Mädchen
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17:25 05.05.2017
Ronnie Taheny (rechts) wurde bei der Zugabe „Pardon from Paris“ vom Duo „Howdiemania“ mit Guido Pöppler (links) und Carsten Beckmann unterstützt. Quelle: Tonia Poeppler
Marburg

Voller Energie im eleganten kurzen Jumpsuit und wirr gestylten Dreadlocks präsentiert sich Ronnie Taheny noch einmal in Marburg. So wie ihre Erscheinung zwischen Dame und Mädchen schwankt, so lässt sich Taheny auch in der Musik nicht festlegen. Mal an der Gitarre, mal am Piano, mal rockig, mal eine Ballade, lebt sie ihre Lieder aus und erfüllt damit die Waggonhalle. Dass sie allein, ganz ohne Band, auf der Bühne steht, fällt nicht auf.

Erst ganz zum Schluss, bei der letzten Zugabe „Pardon from Paris“, bekommt sie Verstärkung. Da gesellen sich Carsten Beckmann und Guido Pöppler vom Duo „Howdiemania“ zu ihr. Die beiden hatten den Abend in der Waggonhalle mit Rockabilly, Country und Americana eröffnet. Mit Coverversionen von Roger Miller, Merle Haggard oder Johnny Cash werden so manche Glieder munter - allen voran die von Sänger Carsten Beckmann. Sein Hüftschwung hinter der Gitarre steigert sich von Lied zu Lied, und auch Guido Pöppler bleibt nicht einfach nur ruhig an seinem Kontrabass stehen.

Tief über das Piano gebeugt, haut sie in die Tasten

Das Beste heben sich die beiden für das Finale ihres Sets auf: Die „Ballad of Susannah McKee“ erzählt von der Frau des Leuchtturmwärters auf der australischen Lady Elliot Island, wo ihr Geist weiterhin spuken soll. „Howdiemania“-Sänger Beckmann ließ sich zu dem düsteren Song während seines letzten Australien-Trips inspirieren - ein perfekter geografischer Übergang also zum Set der Frau aus Adelaide. Seit mehr als 20 Jahren ist Ronnie Taheny schon im Geschäft. Ihre Lieder erzählen von ihrem ungewöhnlichen Leben. Wie „That’s Jesus“, bei dem sie sich an sechs amerikanische Jungs im Mittleren Osten erinnert, die merkwürdigerweise mit Surfbrettern auf dem Dach ihres VW-Bullys durch die Wüste fahren.

Energisch greift sie bei „Trade“­ aus ihrem aktuellen Album „Start“ in die Tasten, wippt dabei tief ins Piano gebeugt mit dem Kopf, dass die Dreadlocks wild wackeln.

Warme, tiefe und leicht rauchige Stimme

Mit ihrer warmen, tiefen und inzwischen leicht rauchigen Stimme beruhigt sich der zu Beginn bedrohliche Klang. Viel Gefühl bestechen bei den Balladen, mit atemberaubender Energie die rockigeren Nummern. Schnell wippen auch die etwa 70 Zuhörer in der Waggonhalle mit.

Doch wahrscheinlich hat sie zum letzten Mal „Grüße aus Australien“ mit nach Marburg gebracht, denn Taheny befindet sich auf ihrer Abschieds-Europatournee, die noch bis ­Ende Mai geht. Das ist schwer vorzustellen, wenn sie so energievoll die Bühne erfüllt. Doch wenn ihre Augen leuchtend strahlen, während sie „Feel ­alive going nowhere“ singt, glaubt man ihr, dass sie angekommen ist - und tief in ihr immer noch ganz jung ist.

von Mareike Bader

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