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Marburg Romantische Klänge in der Sommernacht
Marburg Romantische Klänge in der Sommernacht
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06:16 11.07.2012
Die Junge Philharmonie Marburg begeisterte das Publikum zum Auftakt des Stadtfestes „3 Tage Marburg“ am Freitagabend auf der Bühne im Schlosspark. Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Wer hätte das gedacht? Am Nachmittag noch goss es in Strömen, abends aber spannte sich ein makelloser Himmel über die Stadt. Allen düsteren Vorhersagen zum Trotz zeigte sich das Wetter am Freitag von seiner allerbesten Seite, den ganzen Abend über kein Tropfen Regen, kein Gewitter, nur friedliche, laue Sommerluft. Und so strömten nach und nach immer mehr Musikfreunde herbei und füllten die Bänke vor der Volksbank-Bühne im Marburger Schlosspark fast bis auf den letzten Platz. Locker, fröhlich und entspannt war die Atmosphäre, Decken und Kissen wurden ausgebreitet, schnell noch ein paar mitgebrachte Crêpes verzehrt. Der Duft von Bratwurst und gebrannten Mandeln lag in der Luft, Gemurmel, Gelächter, erwartungsvolle Gesichter.

Dann endlich betrat der neue Dirigent der Jungen Marburger Philharmonie, Hyun-Jin Yun, das Podium und das Konzert konnte beginnen. Wie bereits am vergangenen Sonntag in der Lutherischen Pfarrkirche spielte das Orchester zu Beginn ein Stück von Modest Mussorgsky. Voll Energie und Leidenschaft, aber dennoch mit höchster Präzision interpretierte das Ensemble „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“, während sich langsam die Dämmerung über den Schlosspark senkte.

Leider zeigte sich bereits dort ein Problem, das sich fast durch den gesamten Konzertabend zog: Auf der benachbarten Montevideo-Bühne hatte das kleine Quartetto d’Opera seinen Auftritt, ein stimmgewaltiges Sänger-Ensemble, das Opernhighlights und Musicalhits zum Besten gab. Vor allem in den Piano-Stellen des Konzertes störte der Gesang im Hintergrund massiv, immer wieder schmetterten die jungen Opernsänger unfreiwillig in die schönsten und zartesten Stellen hinein. Hier wäre eine bessere Koordination der Veranstaltungen im Park unbedingt nötig gewesen.

Dennoch nahm der Konzertabend seinen geplanten Lauf. Trotz der Störungen musizierten die Mitglieder der Jungen Philharmonie unbeirrt weiter, wofür man sie wirklich bewundern musste.

Es folgte einer der Höhepunkte des Abends, der Gastauftritt der japanischen Geigerin Hiroko Tominaga. Im feuerroten Abendkleid trat die zierliche Musikerin auf die Bühne und eroberte mit ihrem bezaubernden Spiel sogleich die Herzen der Zuhörer.

Felix Mendelssohn-Bartholdys Violinkonzert in E-Moll stand nun auf dem Programm. Wunderbar, mit welcher Leichtigkeit die Geigerin spielte, mit welcher Hingabe sie musizierte und selbst die schwierigsten Passagen souverän meisterte. Mit dem Orchester, das weich und mit viel Feingefühl spielte, trat sie in einen fließenden Dialog. Begeisterter Beifall und Bravo-Rufe waren der Lohn des Publikums für die vielfach preisgekrönte junge Künstlerin.

Zum festlichen Abschluss des Open-Air-Konzertes erklang dann Robert Schumanns herrliche Sinfonie Nr. 4 in D-Moll. Das ausdrucksstarke Werk mit seinen zahlreichen Crescendi und temperamentvoll-spritzigen Elementen war wie geschaffen als Untermalung für das Höhenfeuerwerk.

Während die Musik des großen Romantikers die Sommernacht erfüllte, stiegen im Hintergrund die ersten Raketen in den dunklen Himmel. Am Schluss gab es langen und stürmischen Applaus - für die Musiker und das Feuerwerk gleichermaßen.

von Bettina Preussner