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Roman-Kleinod aus Italien

:„Montedidio“ Roman-Kleinod aus Italien

Der 1950 in Neapel geborene Erri De Luca ist hierzulande noch ein Geheimtipp, aber in Italien zählt er schon lange zu den populärsten Gegenwartsautoren.

Marburg. Der Erfolg ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden: De Luca arbeitete als LKW-Fahrer, Maurer und Lagerarbeiter, lernte nebenbei autodidaktisch mehrere Sprachen, darunter Althebräisch, um die Bibel übersetzen zu können. Erst im Alter von 40 Jahren begann er, eigene Texte zu verfassen. 2010 erhielt er den renommierten Petrarca-Preis.

Sein 2001 in Italien erschienenes Roman-Kleinod „Montedidio“ liegt wieder auf Deutsch vor - in der nuancenreichen, überarbeiteten Übersetzung von Annette Kopetzki.

Neapel ist bei De Luca eine Stadt der Legenden und Wunder. Die Häuser und Gassen des verwinkelten Stadtteils Montedidio scheinen nachts, wenn die Hitze des Tages endlich nachlässt, von Geistern bevölkert zu sein. Der 13-jährige Ich-Erzähler wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, verliebt sich in die schon viel reifere Nachbarstochter Maria. Sein Vater arbeitet am Hafen, die Mutter ist oft krank. Die Entbehrungen und Verluste des Zweiten Weltkriegs sind im Schatten des Vesuvs noch lange nicht vergessen. Die Schrecken des Holocausts werden in der Figur des vertriebenen Schusters Rafaniello greifbar.

Klar und eindringlich, ohne ein schmückendes Beiwort zuviel, erzählt De Luca seine Geschichte aus einer schon fernen Zeit. Der Plot ist einfach, übersichtlich, fast wie ein Volksmärchen oder eine Parabel aufgebaut.

Erri De Luca: „Montedidio“, Graf Verlag, 217 Seiten, 14,99 Euro.

von Johannes von der Gathen

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