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Marburg Rilkes Panther und tausend E-Mails
Marburg Rilkes Panther und tausend E-Mails
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17:35 04.12.2013
Marburg

Lyrik? Damit kennt sich die Marburger Lyrikkompanie aus. Naja, nicht immer. Hin und wieder müssen selbst Carsten Beckmann, Peter Rollenske und Jürgen Helmut Keuchel auf der Suche nach Reimen Wikipedia, Google und Co zu Rate ziehen. Ergebnis: „www.wellenwollenwallen.de“, 1000 Jahre Lyrik. Wo die pure Schönheit des gesprochenen Worts in der Webwelt unterzugehen droht, wird dann schnell mal aus Rilkes „Panther“ ein von Büro-Geächze durchsetztes Gedichtgerippe, in dem „Tausend E-Mails“ zu checken sind - entsprechend fleißig arbeitet sich Onliner Beckmann während der Show am Bühnen-Notebook und am Smartphone ab.

Es wird rezitiert, gesungen und gerappt. Die „Tolle Libelle von der Anlegestelle“ hat den Flow des frühen Falco, die Zugabe „Lyrische EDV“ erinnert an „MfG“ der Fantastischen Vier. Um diesem Acronym-Wirrwarr zu folgen, muss man wirklich Ahnung von Computern haben - oder wenigstens jemanden kennen, der Ahnung hat.

Die vielleicht meisten Lacher erntet die in Verse gefasste Fabel „Der Hase im Rausch“ von Sergei Michalkow, bei dem Peter Rollenske eine Haarbürste als als Igelkostüm reicht und Jürgen Helmut Keuchel fabulös mit Kochlöffeln am Kopf den betrunkenen Hasen mimt.

Gedicht für Gedicht nimmt die Marburger Lyrikkompanie ihr Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Lyrik, angefangen im 10. Jahrhundert. Da kommt die Suchmaschine wieder zum Einsatz. „In minem troume ich sach“, beginnt Carsten Beckmann, um gleich von Peter Rollenske unterbrochen zu werden, er solle mal nach einer Übersetzung googeln. Gesagt, getan: „In meinem Traum sah ich...“ - so hört sich das Gedicht von Friedrich von Hausen dann doch gleich verständlicher an.

„Liebe da capo“ von Mascha Kaléko ist einer der wenigen Texte im Programm aus der Feder einer Frau inmitten einer bunten und höchst unterhaltsamen Reise durch das Werk von Autoren wie Ringelnatz, Kästner, Hesse oder Krüss. Sind Männer und Frauen vielleicht doch nicht so unterschiedlich? Kalékos Gedicht, ursprünglich aus der Sicht einer Frau geschrieben, funktioniert hier aus Männersicht rezitiert ebenso - und von Carsten Beckmann als Jazzballade gesungen noch ein Stück besser.

Ein zart auf der Querflöte gehauchtes „Greensleeves“ gibt den Rahmen für ein Shakespeare-Sonett, der Klassiker „Somewhere Over the Rainbow“ ist ebenfalls eine Prachtnummer für Rollenskes Bariton-Saxophon. Eine Hommage an die Großen des politischen Kabaretts ist das „Lied vom Sachzwang“, das die Lyrikkompanie in den guten alten „Laurentia, liebe Laurentia“-Walzer zwängt.

Mit viel Wortwitz und eingängiger Musik überzeugt das neue Programm der Marburger Lyrikkompanie. Zu sehen ist „www.wellenwollenwallen.de“ in Marburg erst wieder im neuen Jahr: am Samstag, 25. Januar, wie immer ab 20 Uhr im Szenario/Auflauf am Steinweg.

von Mareike Bader

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