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Marburg Respektlos, frech und ziemlich böse
Marburg Respektlos, frech und ziemlich böse
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15:45 31.01.2013
Gemeinsam lästern sie am besten: Dietmar Wischmeyer (links) und Oliver Welke. Fotos: Karlheinz Schindler/Marcus Brandt Quelle: Karlheinz Schindler
Marburg

Ein Buch über deutsche Helden von Oliver Welke und Dietmar Wischmeyer? Kann das wahr sein? Nein, kann es nicht, ist es auch nicht. Der Untertitel („Deutsche Helden privat“) ist so wenig ernst zu nehmen, wie der eigentliche Titel („Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk“) und der ganze Rest. Das alles ist Satire und hat nicht den Hauch von Heldenverehrung, nicht einmal von Heldenverhöhnung. Welke und Wischmeyer ziehen in dem Tonfall über Politprominenz her und über fast alles, was sonst noch Rang und Namen oder wenigstens Fernsehbekanntheit hat - wie man es von ihnen aus der ZDF-„heute show“ gewohnt ist. Das Buch ist eine Art respektloses Dauerlästern ohne Rücksicht auf Geschmacksfragen. Wer darin erwähnt wird, sollte nicht empfindlich sein.

„Sind die neudeutschen Helden Politiker, dann strahlen sie die intellektuelle Schärfe eines Leibnizkekses und die Redlichkeit eines paschtunischen Drogenhändlers aus, nur nicht deren Stil“, schreiben die Autoren im Vorwort. „Sind sie sonst wie Im-Licht-der-Öffentlichkeit-Steher, dann wetteifern sie um die Erstziehungsrechte bei der Vergabe sämtlicher Peinlichkeiten.“ Und so haben Welke und Wischmeyer 77 satirische Porträts über Menschen geschrieben, die ihrer Überzeugung nach diesem Anforderungsprofil entsprechen: Schauspieler Til Schweiger („Keinohrtatort“) ist genauso darunter wie Ex-Bundesliga-Fußballer Lothar Matthäus („Mein Leben als Kühlschrank“), Bestseller-Autorin Charlotte Roche („Untenrum geht immer“) oder Kanzlerkandidat Peer Steinbrück („Angela Merkel als Mann und mit Sprechen“).

Nicht alle Pointen sind echte Kracher, aber einige der Kurztexte sind satirische Hochkultur voller boshafter Spitzen. Manche davon fallen aus dem Rahmen und schon dadurch angenehm auf. Umweltminister Peter Altmaier („Der schwarze Pirat“) äußert sich in einer Reihe fiktiver Twitter-Nachrichten über seine Kabinettskollegen: „Sitze zwischen Aigner und Schavan. Habe zum Einstand einen ausgegeben. Überraschungseier für alle.“ FDP-Generalsekretär Patrick Döring lassen Welke und Wischmeyer während einer Parteivorstandsklausur von den Zeiten träumen, als er noch Versicherungen für Haustiere verkauft hat.

Über Kristina Schröder („Für eine Handvoll Herdprämie“) berichtet ein Privatdetektiv, den die Familienministerin engagiert hat, weil sie sich von Partei- und Kabinettskollegen gemobbt fühlt. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer („Des Freistaats Zier und Kleinod“) wird als testosterongesteuerter Grantler karikiert, der sich morgens erst auf 180 bringt, bevor er zum Telefonhörer greift und im Kanzleramt anruft. Claudia Roth erscheint als Kalorienjunkie, trinkt Jacobs Krönung und überlässt den politisch korrekten Nicaragua-Kaffee ausschließlich ihren Gästen. Frank-Walter Steinmeier lotet am Telefon seine Chancen aus, Bundespräsident zu werden. Nicht alles, aber vieles davon ist wirklich komisch.

Aber Welke und Wischmeyer sind sich auch nicht zu schade, in die Niederungen des deutschen Humors hinabzusteigen. Der Text über Dieter Bohlen („You‘re my ass, you‘re my hole“) fantasiert über die Zukunft des Sängers im Altenheim. Gleich im ersten Absatz taucht das Wort „Arschloch“ ein halbes Dutzend Mal auf - rekordverdächtig.

„Bsirske macht Urlaub auf Krk“ ist auch in sprachlicher Hinsicht kein Jugendbuch und wird sicher nicht in die Lehrpläne für die Mittelstufe deutscher Gymnasien aufgenommen. Das dürfte den Autoren allerdings auch ganz recht so sein.

Oliver Welke, Dietmar Wischmeyer: „Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk, Deutsche Helden privat“, Rowohlt Verlag, 317 Seiten, 16,95 Euro.

von Andreas Heimann

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