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Marburg Regierungspräsident muss Wehrpläne prüfen
Marburg Regierungspräsident muss Wehrpläne prüfen
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16:36 26.04.2018
Das „Grüner Wehr“ soll nach dem Willen des Magistrats faktisch neu gebaut werden – vor rund 20 Jahren gab es am Afföller ein ähnliches Projekt. Quelle: Felix Busjaeger
Marburg

Bei den eigentlichen Bauarbeiten ab 1999 sei es zu keinen Schäden gekommen, am 15. Dezember des Jahres, in der Winterpause des ersten Bauabschnitts, habe es allerdings einen Bruch der alten, festen Wehrschwelle gegeben. Grund: Hochwasser. Das teilte die Stadt auf OP-Anfrage mit. Die beschädigte Stelle erstreckte sich demnach über etwa zwölf Meter und befand sich etwa 20 Meter nördlich der Baustelle. Gerade geflickt, habe derselbe Bereich zwei Wochen später abermals repariert werden müssen. Der Schaden, der „nicht unmittelbar auf die Bauarbeiten zurückzuführen“ gewesen sein soll, habe laut Stadtverwaltung eher „den Sanierungsbedarf des Afföller Wehrs eindrucksvoll bekräftigt“.

21.000 Euro für Doppelreparatur

Für die Reparaturen seien von einem Bagger große Basaltsteine in die Lücke des Wehres ­befördert, die Schadstelle mit Sandsäcken vorübergehend abgedichtet worden. Kosten für die Doppelreparatur: 21.000 Euro. Insgesamt kostete das auf zwei Bauabschnitte in 1999 und 2000 aufgeteilte Projekt rund 1,5 Millionen Euro. Der Betrag für das „Grüner Wehr“ samt Fischtreppe und Kanurutsche ist auf mehr als das Doppelte veranschlagt. Grundsätzlich: Auch beim „Afföller Wehr“ habe es sich laut Bauverwaltung „streng genommen um eine Erneuerung“ gehandelt.

An den Begrifflichkeiten habe­ sich laut Verwaltung damals „niemand gestört“ – auch nicht der damalige Bearbeiter bei der Unteren Denkmalschutzbehörde Manfred Ritter – einer der Hauptkritiker der aktuellen Planungen im Gebiet zwischen Weidenhausen und Südviertel.

Ökologische Aufwertung der Lahn

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) begrüßt ausdrücklich die geplante Fischtreppe im Zusammenhang mit der Wehrsanierung. „Der BUND erwartet von der Marburger Stadtpolitik ein zielorientiertes Handeln zur Erfüllung dieser gewässerökologischen Ziele“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Stadt binde sich damit ein in eine Gesamtverantwortung für die Lahn im Kontext des derzeit in Umsetzung befindlichen EU-LIFE-Projektes „Living Lahn“ zur ökologischen Aufwertung der Lahn.

Der BUND erinnert in diesem Zusammenhang an das derzeit laufende Wasserrechtsverfahren an der Steinmühle. Hier führt das Regierungspräsidium Gießen ein Verfahren durch zur erneuten Erteilung des Rechts zur Stromerzeugung aus Wasserkraft. In diesem Verfahren ist durch Umbauten am Wehr in Verantwortung des Betreibers eine optimale Durchgängigkeit für die Fische herzustellen. „Den Anforderungen aus der geänderten Erlasslage ist auch im Fall Grüner Wehr Rechnung zu tragen durch Überarbeitung der Planung“, fordert der BUND.

Noch kein Antrag beim Regierungspräsidium

Dagegen lehnt der BUND Vorstellungen zum Bau einer Kanurutsche und eines Aussichtspodestes strikt ab.
Welche Planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen – wie immer gearteten – Um- oder Neubau des Grüner Wehrs greifen, hängt vom Ausgang einer „Umweltverträglichkeits-Vorprüfung“ ab. Das bestätigte das Regierungspräsidium der OP als vorgesetzte Wasserbehörde. Danach werden in einer Fachprüfung aufgrund des eingereichten Antrags ermittelt, welche Umweltauswirkungen das Vorhaben hätte.

Danach wird entschieden, ob ein Planfeststellungsverfahren und eine Umweltverträglichkeitsprüfung einschließlich öffentlicher Offenlegung und Stellungnahmen von Trägern ­öffentlicher Belange notwendig ist. Bislang gab es nach OP-Informationen aber lediglich ein Vorgespräch zwischen Stadt und Wasserbehörde, ein Antrag auf Bauarbeiten am Wehr liegt aber noch nicht vor, hieß es gestern aus dem RP.

von Björn Wisker und Till Conrad