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„Refugees“ verströmen pure Energie

Konzert „Refugees“ verströmen pure Energie

Über ein volles Haus freuten sich am Samstagabend das Team des Café Trauma beim Konzert von „Strom und Wasser feat. The Refugees“.

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Dem Percussionisten Sam Nyassi aus Gambia liegt der Rhythmus im Blut. Mit schneller Taktfolge heizt er der Menge ein.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Organisatorin Ann-Marie Weber hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um eine möglichst breite Öffentlichkeit auf die Aktion aufmerksam zu machen.

Der Liedermacher und Aktionskünstler Heinz Ratz, Kopf der Band „Strom und Wasser“, tourte im vergangenen Jahr mit dem Fahrrad durch Deutschland und besuchte Flüchtlingslager, um auf die dortigen Missstände aufmerksam zu machen. Er traf dort viele Musiker aus dem Kosovo, Somalia, Afghanistan und von der Elfenbeinküste - begabte Menschen, die ihre Heimatländer aus unterschiedlichen Gründen verlassen mussten, deren Talente über Jahre brachlagen, da in den Flüchtlingslagern meist weder Geld für Instrumente da ist, noch die Möglichkeiten bestehen, künstlerisch aktiv zu werden.

Die Musiker verströmen bei ihrem Auftritt pure Energie. Den Percussionisten Sam Nyassi aus Gambia und Jaques von der Elfenbeinküste liegt der Rhythmus im Blut. Voller Leidenschaft bearbeiten sie die Felle ihrer Trommeln, heizen der Menge mit schnellen Taktfolgen ein. Revelino, verfolgt wegen systemkritischer Songs, groovt die Menge mit feinstem Reggae von der Elfenbeinküste ein.

Sechs Jahre hat Hussain für die Flucht von Afghanistan nach Deutschland gebraucht. Der Rapper geht gemeinsam mit Beat-Boxerin Olga (Griechenland) direkt in die Vollen. Druckvoll singt Hussain von den Stationen seiner Flucht oder der Lage in Afghanistan. Die tanzende Menge ist vom ersten Ton an begeistert und feiert mit den Musikern den Abend durch. Die „Refugees“ freuen sich über den tosenden Applaus - wie es weitergeht, wissen die meisten von ihnen allerdings nicht.

Beim Pressegespräch erzählen Organisator Heinz Ratz und Christian Hendrichs, Koordinator des Netzwerkes „Bleib in Hessen“, von den schlechten Lebensumständen der Flüchtlinge in Deutschland und der schwierigen und mühsamen Realisierung eines solchen Hilfsprojektes.

„Strom und Wasser“ haben mit 20 Flüchtlingen im Studio eine CD eingespielt. Auf Tour sind immer fünf bis acht von Ihnen dabei. „Alle gemeinsam auf die Bühne zu bekommen und dann noch umherzureisen“, so Ratz, „wäre von Seiten der Behörden nicht zu organisieren.“

Die „Refugees“ sind konkret von der Abschiebung bedroht. Sie haben kein Aufenthaltsrecht, befinden sich im Status der Duldung oder in einem laufenden Asylverfahren. Die Flüchtlinge reden jenseits der Bühne nicht gerne über ihre Lebensumstände, da immer die Angst besteht, durch falsche Äußerungen Probleme im Asylverfahren zu bekommen.

von Jan Bosch

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