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Marburg Rechtes Netz trifft sich in Marburg
Marburg Rechtes Netz trifft sich in Marburg
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12:00 23.11.2018
Die Burschenschaft Germania, Lutherstraße 3 in Marburg, hat sich wohl als Knotenpunkt eines neuen rechten Netzwerkes etabliert. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Einem internen Flugblatt der Burschenschaft zufolge, das bei Twitter veröffentlicht wurde, tritt bei der Veranstaltung am Samstag unter anderem der französische Vordenker der „Neuen Rechten“ Alain de Benoist auf. Zudem soll Autor Benedikt Kaiser einen Vortrag über Dominique Venner halten, der Mitglied einer rechten Terrororganisation in Frankreich war.

Philip Stein, Mitglied der Burschenschaft Germania und Sprecher des extrem rechten Dachverbands der Deutschen Burschenschaft (DB), soll ebenfalls sprechen. Stein betreibt den Verlag Jungeuropa, der laut Flugblatt auch die E-Mail-Adresse zur Anmeldung für die Veranstaltung zur Verfügung stellte. Stein verlegt die Werke rechtsextremer Autoren, sammelt mit dem Verein „Ein Prozent“ Gelder und betreibt Kampagnen für die rechte Szene in Deutschland. Unter anderem soll der Verein auch die Identitäre Bewegung unterstützen, wie aus einer Drucksache des Bundestags hervorgeht.

„Alain de Benoist ist einer der wichtigsten Vordenker der neuen Rechten“, ordnet Dr. Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums im Beratungsnetzwerk Hessen, ein. Benoist habe unter dem Stichwort „nouvelle droite“ (Neue Rechte) Konzepte reformuliert. Er habe insbesondere an der Entwicklung des Konzepts des sogenannten „Ethnopluralismus“ als eine Weiterentwicklung des „Klassischen Rassismus“ zentral mitgewirkt. „Nicht mehr die Unvereinbarkeit von biologischen Rassen und einhergehende Auf- und Abwertungen stehen im Mittelpunkt, sondern die Unvereinbarkeit von Kulturen. Für die Identitäre Bewegung ist dieses Konzept etwa zentral“, sagt Becker.

Benedikt Kaiser ist ein Autor des Antaios-Verlags, geleitet von Götz Kubitschek, dem Mitbegründer der neurechten Denkfabrik „Institut für Staatspolitik“. Seine Themen sind unter anderem Querfront und Kapitalismuskritik von rechts, zuletzt legte er etwa die Theorie von Karl Marx „von rechts“ aus. Den Rednerkreis deutet Becker als Zeichen dafür, dass sich die Germania anscheinend als wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der Neuen Rechten etabliert hat.

Davon ist auch das Bündnis überzeugt, das für Samstag ab 12 Uhr zu einer Demonstration unter dem Motto „Für die Gesellschaft der Vielen – Keinen Fußbreit den Faschisten“ aufruft. Die Germania biete eine internationale Plattform für den Austausch von faschistischen Burschenschaftern und Vertretern der neuen und alten Rechten, heißt es in einer Pressemitteilung des Asta. Deshalb solidarisiere sich das Studierendenparlament mit den Protesten.

TERMIN

Die Demonstration "Für die Gesellschaft der Vielen - Keinen Fußbreit den Faschisten" beginnt um 12 Uhr an der Stadthalle.

Für DGB-Vorsitzenden Pit Metz ist es an der Zeit für das antifaschistische Bündnis, an die Öffentlichkeit zu gehen, gerade weil das Treffen einen geheimen Charakter hat. Man könne nicht akzeptieren, dass „die Rechten wieder freien Lauf haben“, wie der Holocaust-Überlebende Horst Selbiger kürzlich mahnte. DGB-Sekretär Ulf Immelt beschreibt, der Diskurs in der Gesellschaft habe sich bereits nach rechts verschoben. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass wir uns nicht von den Rechten treiben lassen“, sagt Immelt. Insgesamt haben 16 Gruppen den Demo-Aufruf unterzeichnet. „Es gibt für alle demokratischen Gruppen in der Stadt Anknüpfungspunkte, sich zu beteiligen.“

Die Oberhessische Presse wollte von der Burschenschaft Germania unter anderem erfahren, wie es zu der Auswahl der Referenten und Vortragsthemen kam, an wen sich die Veranstaltung richtet und wie viele Gäste erwartet werden. Auf eine OP-Anfrage gab die Burschenschaft am Donnerstag keine Antwort. Auch zu dem Vorwurf im Demo-Aufruf, die Burschenschaft erfülle eine Knotenpunkt-Funktion im Netzwerk der Neuen Rechten, bezog die Germania nicht Stellung.

von Philipp Lauer