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Marburg Rasante und heitere Musik auf vielen Saiten
Marburg Rasante und heitere Musik auf vielen Saiten
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18:30 12.06.2012
Harriet Earis bezauberte das Publikum mit Witz und ihrem rasant-virtuosem Spiel. Quelle: Manfred Schubert
Marburg

Vier Dozenten des Harfentreffens in Lauterbach, boten drei Stunden lang einen Einblick in das, was man mit diesen Instrumenten, in ganz unterschiedlichen Stilen anstellen kann. Traditionelles bis Experimentelles war darunter.

Nadja Birkenstock eröffnete den Abend mit traditionellen Folk-Songs aus Schottland, England und Irland, die sie mit warmer, weicher Stimme vortrug, unterlegt mit den farbenreichen, mal rhythmusbetonten, dann wieder melodisch-sanften Klängen ihrer Harfe. Ihre Lieder handelten von Liebe, aus Männer- wie aus Frauensicht.

Eher weltmusikalisch ging es bei Raphaël Pinel zu. In ganz eigenen Kompositionen und Improvisationen, die er lässig-entspannt und humorvoll ankündigte - „vielleicht wird es die Marburg-Symphonie, vielleicht nichts“ -, verband er Einflüsse aus Afrika und Brasilien, aus Reggae und Jazz, mit seinen französischen Wurzeln. Auch die Stimme setzte er ein, sang Silben in einer imaginären Sprache oder einzelne Worte, dabei die buschigen Augenbrauen nach oben ziehend und den Wuschelkopf nach links und rechts werfend.

Ralf Kleemann bekannte, sich vor vielen Jahren in Marburg den „keltischen Harfenvirus eingefangen“ zu haben, bei einem Konzert von Rüdiger Oppermann. Da er als experimentell angekündigt worden sei, müsse er sich nun bemühen, dem gerecht zu werden. Mit Hilfe eines Gerätes zur Aufnahme und Wiedergabe von Klangschleifen, vervielfältigte er sich selbst während des Spielens. Zu einem irischen Stück fügte er einige kurze Klangfolgen sowie durch Klopfen auf den Harfenrahmen perkussive Elemente hinzu, die sich immerfort wiederholten und so die Basis für Kleemanns perlende Läufe bildeten.

„Ich spiele auch ohne dieses Gedöns“, sagte er dann und griff bei seinem Arrangement des Adventslieds „Die Nacht ist vorgedrungen“ zu einem Geigenbogen und strich über eine der Saiten. Das letzte Stück, „Der Milan“ von Lore Schätzlein, spielte er gemeinsam mit Harriet Earis, da man zum Fliegen zwei Flügel brauche.

„Harriet wird, obwohl sie den Vergleich nicht mag, oft mit einem kaum zähmbaren Rennpferd verglichen“, sagte Kleemann, als er der Kollegin aus Wales die Bühne überließ. Die zu den besten Harfenisten Großbritanniens zählende Musikerin spielte in teilweise atemberaubendem Tempo irische und schottische Stücke, darunter viele Reels und Slip jigs. Dabei strahlte sie Spaß und Freude pur aus, flirtete mit dem Publikum, auf das sich ihre Heiterkeit rasch übertrug.

Nach zwei Duetten mit Raphaël Pinel spielten zum Abschluss alle vier gemeinsam „All through the night“. Erst nach zwei Zugaben war das Harfenfestival endgültig zu Ende.

von Manfred Schubert