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Marburg Racheengel ist zurück
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11:22 09.12.2013
Carrie (Chloë Grace Moretz) macht sich schick für den Ball, misstrauisch beäugt von ihrer Mutter (Julianne Moore).Foto: Sony
Marburg

Sissy Spacek war 26 Jahre alt, als sie 1976 in der Rolle der gequälten Schülerin Carrie für Kino-Horror sorgte. Von ihrer fanatisch-religiösen Mutter unterdrückt, von ihren Klassenkameraden gemobbt, entdeckt die blasse Außenseiterin in „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ ihre übernatürlichen Kräfte und richtet ein grausames Blutbad an. Die 16-jährige Chloë Grace Moretz macht es ihr in der Neuverfilmung „Carrie“ jetzt noch einmal nach. Die Story hat sich dabei wenig verändert. Das Remake von US-Regisseurin Kimberly Peirce hätte jedoch deutlich mehr „frisches Blut“ gebraucht, um an den Originalhit von Brian De Palma heranzukommen.

„Carrie - Des Satans jüngste Tochter“ schlug 1976 wie ein Blitz in Hollywood ein. Der Gruselschocker war De Palmas erster Kassenhit. Die Vorlage war das erste veröffentlichte Buch von Stephen King, der damit als Bestsellerautor weltberühmt wurde. Der blutjunge John Travolta geriet mit seiner Rolle ins Rampenlicht, Kritiker schwärmten vom besten Film des Jahres. Sissy Spacek und Piper Laurie, in der Nebenrolle als Carries besessene Mutter, wurden für Oscars nominiert. Am Ende gingen sie leer aus - gewöhnlich zeigt die Oscar-Akademie Horror eine kalte Schulter.

Peirce hatte nun eigentlich gute Karten für eine Neuauflage. Sie holte die vielfach prämierte Schauspielerin Julianne Moore für die Rolle der herrschsüchtigen, von religiösen Schuldgefühlen geplagten Mutter an Bord. Schon mit minimaler Gestik verbreitet Moore Grauen. Peirce gibt ihr dazu noch Messer und Scheren in die Hand.

Die junge Moretz sammelte schon in „Amityville Horror“ Erfahrung mit Gruselstoffen. Mit Inbrunst spielt sie die unschuldig-naive Carrie, die nach dem Schulsport in der Dusche ihre erste Periode bekommt und sich in Todesgefahr wägt. Die Mitschülerinnen machen sich grausam über sie lustig und nehmen die Szene per Handy-Video auf. Moretz zieht alle schauspielerischen Register des verspotteten Mauerblümchens, das plötzlich seine gefährliche Begabung entdeckt. Mit der Kraft ihres Willens kann sie Spiegel zerbrechen und Messer fliegen lassen. Doch Spacek konnte es einfach besser. Sie war gruselig, ohne sich anzustrengen. Der Blick ihrer blassen Augen genügte völlig. Am Ende geht der reale Mobbing-Horror unter einer Blutorgie von Spezialeffekten verloren. Wer das Original kennt, kann sich das Remake sparen.

von Barbara Munker