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Querdenker und Geschichtenerzähler

Stoppok Querdenker und Geschichtenerzähler

Er ist schon zum zehnten Mal in Marburg. Der Kulturladen KFZ natürlich ausverkauft. Der musikalische Querulant mit sympathischer Ruhrpott-Schnauze hat eine treue Fangemeinde.

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Der Purist Stefan Stoppok braucht keine Band, keinen technischen Schnickschnack. Nur ein paar Gitarren und seine Geschichten.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Von acht bis achtzig drängen sich die Zuschauer vor der Bühne. Ein Podest, ein paar akustische Gitarren und eine mit den Füßen bedienbare Perkussionbox. Das reicht ihm.

Der Purist Stefan Stoppok braucht keine Band, keinen technischen Schnickschnack. Zweieinhalb Stunden pure Gitarrenpower im Alleingang. Stoppok ist nicht cool durch Zufall, sondern gehört seit über einem Viertel-Jahrhundert zum Besten, was die deutschsprachige Musikszene zu bieten hat. Das Herz des Straßenmusikers hat er sich immer bewahrt. Jenseits aller Trends überzeugt er mit Folk-Rock, Blues und Country. Der Geschichtenerzähler hat ein Herz für die Underdogs dieser Welt und für krude Alltagsgeschichten. Schmerzhafte Beziehungsdramen von Willie und Gerd gehören ebenso zu seinem Repertoire, wie rührende Balladen, die auch mal leise sein können.

Er findet es viel zu schön auf der Erde, als dass alle Menschen stets als Herde dem Mainstream hinterher rennen müssten. Vielfalt ist ihm lieber.

Querdenker Stoppok ist immer seinen eigenen Weg gegangen. Er gibt immer 100 Prozent und dankt seinen Zuschauern, dass sie ihn und seine Kunst jenseits von Massengeschmack und Charts schon so lange unterstützen. „Und wenn ihr mich in der Jury von Supertalent oder in irgendeiner Kochshow seht,“ regt er sich über deutsches Qualitätsfernsehen auf, „dann ist was schiefgelaufen bei mir.“

Lakonisch zupft er auf der abgewetzten Klampfe und erzählt „was von dir, was dich wirklich berührt und dem der dir zuhört, nicht die Kehle zuschnürt“.

Markenzeichen von Stoppok ist sicherlich seine markant nasale Stimme und ausufernde Intro-Geschichten. Stoppok liebt den Kontakt zu seinem Publikum. Zwischenrufe werden stets schlagfertig mit feiner Ironie kommentiert. Oft nah an der Gürtellinie, aber nie darunter.

Kleine Pannen übergeht er selbstironisch grinsend, wenn ihm mal ein „gefrickeltes“ Solo nicht gelingt oder der Text entfällt mit einem „Naja, kann ja nicht immer klappen!“ Vom ersten Ton feiern die Zuschauer jeden Song mit großem Beifall.

Stoppok ist zeitlos. Live noch besser, als auf Vinyl. Spielt gern noch zwei Zugaben und wird sicher auch im kommenden Jahr für ein „Ausverkauft“-Schild auf den Plakaten des KFZ sorgen.

von Jan Bosch

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