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Marburg Punkrock mit politischer Haltung
Marburg Punkrock mit politischer Haltung
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19:14 01.05.2017
Dicht gedrängt stehen die Fans vor der KFZ-Bühne, auf der die Punk-Band Turbostaat eine mitreißende Show bietet.
Marburg

Kurze Verschnaufpause am Donnerstagabend im KFZ. Die Band „Heim“ hat den Zuschauern im vollen Hauptsaal mit derbem Gitarren-Rock die Kälte der letzten Tage schon aus den Knochen gerockt. Das Bierchen aufgefüllt, durchge­atmet und zurück zur Bühne, der Moshpit wartet.

Vom ersten Ton an werden alle Erwartungen erfüllt. Die Jungs von Turbostaat preschen ohne viel Schnörkel nach vorne. Sofort ist die Menge in Bewegung. Mit energischem Punkrock haben sich die fünf Nordlichter eine treue Fangemeinde erspielt.

Seit der Gründung, so ziemlich am Ende des letzten Jahrhunderts, haben sie ihre stetig wachsende Fangemeinde bisher mit sechs Hammeralben beglückt, wie „Vormann Leiss“ oder „Stadt der Angst“ .

Seit Anfang 2016 touren sie mit ihrem Konzept-Album „Abalonia“ durch die Lande. Eine Kritik an der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung in der Bundesrepublik, die dem Turbostaat-Gitarristen und Songschreiber Marten Ebsen 2014 noch ein bisschen mehr Sorgen bereitete als in den Jahren zuvor.

Pegida gab es noch nicht, aber auf dem Mittelmeer kenterten die Boote und auch sonst deutete vieles auf die aktuelle Lage in diesem Land hin. So entstand die Idee für die fiktive Geschichte von der Frau Semona, die ihr gewohntes Umfeld hinter sich lässt und sich auf die Suche nach dem imaginären Schicksalsort „Abalonia“ begibt. Turbostaat entwerfen mit „Abalonia“ also eine Art tief im Husumer Watt verwurzeltes, düster lackiertes Punkrock-Konzept­album. Gekonnt verbinden sie ihre komplexen Kompositionen mit häufigen Tempowechseln, flankiert von intelligenten und kritischen Texten.

Keine leichte Kost, aber großartig. Wenn Marten Ebsen und Rollo Santos mit harten Riffs die Saiten ihrer Gitarren strapazieren, tobt der Mob. Springen und Tanzen ist angesagt. Perfekt dosiert erweitern Turbostaat Punkrock mit Indie-Rock und Pop, ohne dabei ihre Härte zu verlieren. Dafür sorgt maßgeblich Sänger Jan Windmeier, der meist melodiös-schreiend deutsche Texte ins Mikro brüllt und dabei stetig die Fans anfeuert.

Turbostaat haben eine politische Einstellung und dazu stehen sie. Nebenbei bringen sie noch eine tolle Show mit abwechslungsreicher und intelligenter Musik, die den Fans körperlich und geistig wenig Zeit zum Luftholen gönnt. Schnöder Punkrock war gestern.

von Jan Bosch

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