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Marburg „Dritte Wahl“ bringen KFZ zum Beben
Marburg „Dritte Wahl“ bringen KFZ zum Beben
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13:35 28.03.2018
Ein schweißtreibendes Konzert lieferten die Punkrocker von „Dritte Wahl“ im Marburger KFZ. Quelle: Felix Busjaeger
Marburg

Die Einheitsfarbe an diesem Abend ist schwarz, gelegentlich unterbrochen von bunten Haaren oder ausgefallenen Accessoires. Viele Gäste tragen T-Shirts oder Pullover mit politischen Statements, es riecht nach Bier und zu späterer Stunde wird sich der Geruch von Schweiß dazugesellen.

Auf der Bühne des KFZ stehen die Jungs von „Dritte Wahl“ und lassen es gewaltig krachen. Nach knapp drei Jahrzehnten ist das Quartett inzwischen in der deutschsprachigen Punkrockszene zu einer Institution geworden, erreichte im vergangenen Jahr mit dem Album „10“ den zwölften Platz der deutschen Albencharts.

Unter dem Motto „Elfentanz und Tortenschlacht“ spielen „Dritte Wahl“ in den nächsten zweieinhalb Stunden Lieder der neuen Platte und lassen mit etlichen Klassikern die vergangenen Jahrzehnte der Band wieder aufleben. Mit direkten, kämpferischen, linken Texten beziehen sie Stellung zu aktuellen Entwicklungen in der Bundesrepublik und sprechen sich klar gegen den Rechtsruck aus.

Dabei wirken die Musiker routiniert, beeindrucken mit mitreißenden Texten und brachialer Gitarrenakrobatik. Mit viel Power in den Riffs und der Bassline ist eine gewisse Nähe zum Metal unverkennbar.

Das stetige Gesangwechselspiel zwischen Gunnar Schröder und Stefan Ladwig entpuppt sich als treibende Konstante während des Konzerts und lässt das Publikum häufig mit einstimmen.

Insgesamt beweisen die Rostocker eine coole Attitüde, das gelegentliche Entern der Bühne von Fans wird von den Punkrockern genauso toleriert, wie die unterschiedlichen Kleidungsstücke, die vorne bei den Musikern landen.

Mit „Wir haben hier ein leeres Trinkgefäß gefunden, wer möchte es wieder haben?“ befördert Schröder Schuhe, Hüte und T-Shirts zurück in die Menge. Diese ist während des gesamten Konzerts ausgelassen, die massiv aufheizende Musik führt zu gelegentlichen „Moshpits“, die teilweise große Teile des Veranstaltungsraums einnehmen.

Mit „Der Himmel über uns“ haben die Musiker einen Nerv getroffen, der eingängige Text hallt im Publikum wider und wird weitergetragen. Dass die Rostocker auch andere Lieder spielen können, zeigen sie mit „25 Cent“ aus der Feder des Bassisten.

Mit gar melancholischen Gitarrenklängen besingen sie das traurige Schicksal eines Pfandsammlers.

Insgesamt spielen „Dritte Wahl“ ein solides Konzert, das dem Publikum gefällt und durch zwei Zugaben noch einmal ein wenig verlängert wird. Zum Abschluss kommen die Musiker ein drittes Mal zurück auf die Bühne, um mit dem Publikum die Rockballade „Wind of Change“ von den Scorpions zu singen.

von Felix Busjaeger