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Marburg Pudding in den Beinen, Grütze im Kopf
Marburg Pudding in den Beinen, Grütze im Kopf
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19:25 27.09.2009
Anne Margarete Geis (von links), Florian Federl, Michael Köckritz und Sascha Oliver Bauer in einer Szene von „Richard. Spielverderber“. Quelle: Rainer Waldinger

Marburg. Wer Pudding in den Beinen hat, muss Grütze im Kopf haben. So viel wissen Zehnjährige längst, denn die harte Schule des Lebens beginnt früh: im Kampf mit älteren Geschwistern, stärkeren Spielplatzbekanntschaften und dominanteren Klassenkameraden. Was Zehnjährige sowie die sehr viel jüngeren Jungen und Mädchen, die von kulturell wohlmeinenden Marburger Eltern mit dem Theater bekannt gemacht werden, sicherlich nicht wissen: Wer war Richard? Wer war William Shakespeare? Keine leichte Aufgabe für Norbert Ebel also, einen Stoff zu entwerfen, der die historisch-literarischen Bezüge wahrt und gleichzeitig verständlich ist aus kindlicher Sicht. Junge Theaterbesucher fragen sich da zunächst einmal: Was ist das für einer, der sich da mit einem Rollator, Modell Spätmittelalter, über die Bühne schleppt, die Rechte zur Krüppelpranke krümmt und offensichtlich beim Versteckspiel das ewige Opfer ist? Nun ja, ein von der Natur benachteiligter Junge eben, der im Jahr 2009 wohl in einer integrativen Klasse beschult und ein seinen intellektuellen Fähigkeiten entsprechend gutes Abitur hinlegen würde. Doch Jung-Richard braucht mehr als einen formidablen Intelligenzquotienten, denn er lebt im 15. Jahrhundert und kann nur bestehen, wenn er seinen Grips zur Intrige nutzt.

Sascha Oliver Bauer verschwendet von Anfang an keinen Moment damit, seinen Richard wie einen einigermaßen normal heranwachsenden Jungen wirken zu lassen. Grimmig und verschlagen ist er, mit einer großen Portion Wut im Bauch über sein Schicksal und die kindlich-direkte Härte der anderen ihm gegenüber.

Mit naiv-unbeschwerter Pippi-Langstrumpf-Attitüde steigt Anne Margarete Greis ein ins Spiel, Richards Bruder George (Florian Federl) hält sich wahrscheinlich allein aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit für etwas Besseres. Freund Buck (Michael Köckritz) schließlich macht alles mit – solange das Spiel Spaß macht, und er nicht immer die undankbareren Rollen zugedacht bekommt. Dass Richard, George, Buck und Anne da den Rosenkrieg nachspielen, das historische Drama ihrer Elterngeneration, deutet sich in „Richard. Spielverderber“ für unbedarfte Zuschauer nur vage an.

von Carsten Beckmann

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.