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Prächtiges Buch der Bücher

OP-Buchtipp: „Die Luther-Bibel von 1534“ Prächtiges Buch der Bücher

11 Wochen Übersetzungsarbeit am Neuen Testament, 12 Jahre am Alten Testament. Dann konnte Martin Luther seine „gantze Heilige Schrifft Deudsch“ veröffentlichen.

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Zum Reformationsjahr hat der Taschenverlag „Die Luther Bibel“ in einem Nachdruck herausgebracht.

Quelle: Taschen Verlag

Den großartigen Erstdruck von 1534 gibt es jetzt – rechtzeitig 
zum Luther-Jahr – als Nachdruck.

Als Bertolt Brecht gefragt wurde, welches Buch er am liebsten lese, sagte er: „Sie werden lachen, die Bibel.“ Das Alte Testament mit seinen historischen Erzählungen, mit seinem bilder­reichen, prallen Leben sowie das Neue Testament mit seiner Heilsgeschichte und seiner nicht minder überzeugenden Bildhaftigkeit ist zunächst einmal großartige Literatur.

Wesentlichen Anteil an dieser Literatur hat Martin Luther. Sicher, es gab schon vor Luther Bibel-Über­setzungen ins Deutsche. Mit der Erfindung des Buchdrucks Mitte des 15. Jahrhunderts nahm ihre Zahl zu. Doch sie orientierten sich an der lateinischen Übersetzung des Kirchenvaters Hieronymus aus dem 4. Jahrhundert, und sie waren sprachlich sehr regional geprägt.

Originale sind Weltdokumenten­erbe

Luther aber wusste, wenn er mehr bieten wollte als das, was die katholische Kirche über 1000 Jahre als allgemein gültige 
lateinische Version (Vulgata) 
und Interpretation vorgab, musste er zurück zu den Quellen: Griechisch und Hebräisch. Luther, der den Lehrstuhl für Bibelauslegung innehatte, eignete sich diese Sprachen selbst an. Und mit dem damals gerade mal 21-jährigen Griechisch-
Experten Philipp Melanchthon sowie dem Hebräisch-Gelehrten Matthäus Aurogallus kamen zusätzliche Fachleute an die junge Universität Wittenberg.

1534 konnte Luther die 
erste „gantze Heilige Schrifft Deudsch“ vorlegen – mit 128 Holzschnitten und Bildinitialen aus der Werkstatt von Lucas Cranach. Ende 2015 erklärte die Unesco 14 Manuskripte, Briefe und Originaldrucke von Martin Luther zum Weltdokumenten­erbe, darunter eben die erste gedruckte Luther-Bibel.

Für diese Auszeichnung wurde nicht irgend ein Druck ausgewählt, sondern das Exemplar aus der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar, das praktisch in letzter Minute aus dem Brand von 2004 gerettet werden konnte. Der Taschen Verlag legte nun zum Lutherjahr 2017 einen Nachdruck der prächtigen Originalausgabe in zwei Bänden vor mit einer Begleitbroschüre des Mainzer Medien- und Buchwissenschaftlers Stephan Füssel – zur Freude von Bücherliebhabern und Buchdruckfans.

Das Neue Testament übersetzte Luther in rund drei Monaten aus dem Griechischen. Luther tat dies damals gegen die Langeweile auf der Wartburg, wohin ihn sein Landesherr Friedrich der Weise nach dem Wormser Reichstag von 1521 in Sicherheit 
bringen ließ. Im März 1522 kam er von dort nach Wittenberg 
zurück, bearbeitete das Manuskript nochmals und ließ im September die für damalige Zeit große Menge von 3000 Exemplaren drucken. Bereits im Dezember gab es die erste Neuauflage. Luther stieß in eine Lücke.

Danach fing er mit der Übersetzung des Alten Testamentes aus dem Hebräischen an. Das ungleich schwerere Unterfangen dauerte bis 1534. Luther, Melanchthon und Aurogallus, die alle drei Sprachen – Latein, Griechisch, Hebräisch – beherrschten, bildeten dabei quasi den Kern der Übersetzer-Mannschaft.

Sprachausgleich zwischen Dialekten

Im Sendbrief vom Dolmetschen gibt Luther 1530 Einblick in die Übersetzerwerkstatt: Häufig sei es geschehen, dass sie 14 Tage, drei, vier Wochen ein einziges Wort gesucht und dennoch nicht immer gefunden hätten. Am Hiob mussten sie demnach besonders hart arbeiten, denn sie bekamen manchmal in vier Tagen kaum drei Zeilen fertig. Nun könne es jeder deutsch lesen, aber niemand sehe, „welche wacken und klötze da gelegen sind“.

Luther übersetzte nicht mehr – wie damals üblich – Wort für Wort, sondern erfasste den Sinn und gab ihn in verständlichem Deutsch wieder: Man muss nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man Deutsch reden soll, „sondern, man mus die mutter jhm hause, die kinder auff der gassen, den gemeinen man auff dem marckt drumb fragen, und den selbigen auff das maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetzschen, so verstehen sie es den und mercken, das man Deutsch mit jn redet“.

Der wohl etwas sächselnde Reformator hat sich in seinen Schriften um einen Sprachausgleich zwischen süd- und norddeutschen Dialekten bemüht. Auch hier konnte er auf eine Tradition zurückgreifen. Die großen Kanzleien der Handelsstädte 
und Herrschaften bemühten sich schon seit dem ausgehenden Mittelalter um einen solchen Ausgleich. Denn Handelsabschlüsse oder Rechtsangelegen­heiten mussten immer öfter für Beteiligte mit unterschied­lichen Dialekten verständlich verschriftlicht werden.

Wie sehr sich Luther um diesen Sprachausgleich verdient gemacht hat, zeigt ein Vergleich mit früheren Bibelübersetzungen. Und wie sehr er selbst an seiner Sprache feilte, belegen die Revisionen seiner Bibelübersetzung, die bis ins Jahr vor seinem Tod 1546 anhielten.

  • „Die Luther-Bibel von 1534“, Taschen Verlag, Köln, 39,99 Euro.

von Ruppert Mayr

 
 
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