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Marburg Polizei spricht von „sicherem Kreis“
Marburg Polizei spricht von „sicherem Kreis“
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20:27 15.03.2019
Ein fiktiver Einbrecher blickt an einem Haus durch eine eingeschlagene Fensterscheibe (gestellte Szene). Die Polizei freut sich über so wenig Straftaten wie noch nie zuvor und eine historisch hohe Aufklärungsquote.  Quelle: Daniel Maurer
Marburg

Im Jahr 2018 registrierte die Polizei exakt 9980 Straftaten und spricht von einer Aufklärungsquote von 66,1 Prozent – anders ausgedrückt: zwei von drei angezeigten Straftaten wurden aufgeklärt. „Marburg-Biedenkopf bleibt ein sicherer Landkreis“, sagte Kriminaldirektor Bodo Koch nach der Auswertung der polizeilichen Kriminalstatistik für den Landkreis.

Bei mehr als jeder fünften ­angezeigten Straftat handelt es sich um einfachen Diebstahl (21,1 Prozent); insgesamt sind 30 Prozent aller Straftaten Diebstähle. Es folgen Straftaten ­gegen die persönliche Freiheit, wie es im Polizeijargon heißt (18,1 Prozent), gemeint ist damit überwiegend Nötigung oder Bedrohung.

Immerhin jede siebte Straftat ist Körperverletzung, wie aus der Statistik hervorgeht (13,2 Prozent oder 1306 Fälle), danach folgen Sachbeschädigung (10,7 Prozent) und Rauschgift-Delikte (8,9 Prozent oder 876 Fälle).

Am sichersten war es im vergangenen Jahr in Fronhausen. Hier gab es nur 9 (2017: 10) Straftaten. Danach folgt Wohratal (39) vor Münchhausen, hier wurden nur 65 Straftaten angezeigt und damit 14 weniger als im Jahr 2017.

Auch Amöneburg (61) Angelburg (77) und Steffenberg (87) verzeichneten nur eine zweistellige Zahl von Straftaten.

Naturgemäß wurden in Marburg mit Abstand die meisten Straftaten begangen (5013, dies ist ein Rückgang von mehr als 250 Taten). Mit weitem Abstand folgt Stadtallendorf (901; 2017 waren es 922) vor Kirchhain (538 nach 605 im Jahr 2017). Marburg liegt auch an der Spitze, wenn es um die Häufigkeit von Straftaten je Einwohner geht. Die Universitätsstadt verzeichnet 6579 Straftaten hochgerechnet auf 100 000 Einwohner. Am anderen Ende der Skala liegt Amöneburg mit 1184 Straftaten je 100 000 Einwohnern. Das Landkreismittel liegt bei 4120.

16 Straftaten 
gegen das Leben

Die Kriminalpolizei Marburg ermittelte wegen eines vollendeten Mordes, wegen sechs versuchten Morddelikten und fünf Mal wegen versuchten Totschlags. Hinzu kommen drei fahrlässige Tötungen und ein Schwangerschaftsabbruch, wie Polizeisprecher Martin Ahlich mitteilte.

Der vollendete Mord betrifft den Fall einer Bahnleiche in Marburg, bei der die Polizei Fremdeinwirkung nicht ausschließt. Dieses Delikt ist bislang ungeklärt.

Bei den polizeilichen Ermittlungen wegen versuchten Totschlags ist vor allem eine Auseinandersetzung an der Marburger Mensa zu nennen: Drei junge Männer wurden durch einen Jugendlichen und einen 18-Jährigen mit abgebrochenen Flaschen traktiert.

Hoher Anstieg von
 Sexualstraftaten

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung haben deutlich zugenommen: Nach 168 angezeigten Straftaten im Jahr 2017 waren es 2018 fast ein Viertel mehr, nämlich 219. Polizeisprecher Martin Ahlich führt diese Entwicklung auf der Verschärfung des Sexualstrafrechts zurück, wonach mehr Handlungen als strafbare sexuelle Belästigung oder sexuelle Nötigung betrachtet werden.

Außerdem gibt es eine deutlich erhöhte Bereitschaft der Opfer, eine Strafanzeige zu erstatten.
Die Anzahl schwerster Sexualdelikte wie Vergewaltigungen oder sexuelle Nötigungen sank nach der polizeilichen Kriminalstatistik von 34 auf 30 Taten.

92 Prozent der Sexualstraftäter sind Männer. 29,5 Prozent (46 Personen) hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit, die Hälfte­ der zugewanderten Sexualstraftäter (23) hatte Flüchtlingsstatus.

Der Anteil von Flüchtlingen an Sexualstraftaten liegt bei 12,9 Prozent.

Jeder vierte Tatverdächtige
ist nichtdeutscher Herkunft

77,9 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen waren männlich. 77,6 Prozent waren Erwachsene, nicht-deutscher Nationalität waren 28,9 Prozent – also etwa jeder Vierte. Der Anteil der Flüchtlinge an der Gesamtzahl der ermittelten Straftäter beträgt (14,8 Prozent).

Unter den Straftätern, die Asyl suchen, waren Menschen aus Syrien (106) die größte Gruppe. Es folgen Afghanen (87), Albaner (44) und Somalier (42).

von Till Conrad