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Marburg So viele Menschen telefonieren am Steuer
Marburg So viele Menschen telefonieren am Steuer
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11:42 21.09.2018
Bei den Kontrollen im Landkreis zog die Polizei am Donnerstag 87 Fahrzeuge heraus. Die Beamtn registrierten dabie 65 verkehrsrechtliche Verstöße. Quelle: Thorsten Richter
Marburg-Biedenkopf

Im Auto mal eben die Brille suchen und aufsetzen, den Bordcomputer oder  das Navi bedienen oder auch einfache soziale Interaktion: Wer sich im Auto ablenken lässt, riskiert bei 40 Stundenkilometern pro Sekunde einen Blindflug von 11, bei 50 Stundenkilometern bereits von 14 und bei 80 Stundenkilometern sogar von über als 22 Metern. So verdeutlicht die Polizei das Risiko jeder Ablenkung. Die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls werde dadurch verdoppelt.

Immer wieder passieren Verkehrsunfälle, bei denen Fahrzeuge ohne erkennbare Ursache von der Straße abkommen, in den Gegenverkehr geraten oder einfach auffahren. Schätzungen aus der Unfallforschung besagten, dass jeder vierte schwere Unfall auf Unaufmerksamkeit oder Ablenkung zurückzuführen sei, teilt die Polizei mit. Studien zufolge stehe die Ablenkung durchs Handy dabei an erster Stelle, gefolgt von der Bedienung der fahrzeugeigenen Technik. "Ablenkung bedeutet quasi Blindflug", erklärt Polizeisprecher Jürgen Schlick.

Kontrollen in Stadtallendorf, Goßfelden, Biedenkopf und Breidenbach

Bei den Kontrollen im Landkreis zog die Polizei am Donnerstag über den ganzen Tag verteilt insgesamt 87 Fahrzeuge (75 Pkw, 11 Lkw, einen Radfahrer) aus dem Verkehr heraus. Die Beamten registrierten dabie 65 verkehrsrechtliche Zuwiderhandlungen, die mit Verwarnungs- oder Bußgeldern geahndet wurden.18 Autofahrer nutzen das Handy während der Fahrt - sie werden demnächst Post von der Bußgeldstelle bekommen. Mit dem Schreiben wird ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro sowie ein Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg fällig.

Autofahrerin bringt Polizisten zum Schmunzeln

Während der Kontrollen konnten sich selbst die Ordnungshüter ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie am Vormittag in der Niederkleiner Straße in Stadtallendorf eine Autofahrerin anhielten, da sie nicht angeschnallt war.Kaum hatte die 55-Jährige ihren Wagen gestoppt, hielt sie bereits ihre Papiere aus dem Fenster. Bevor die  Beamten überhaupt das Gespräch beginnen konnten, wurde ihnen mit den Worten "Nicht reden, arbeiten!" bereits auf freundliche Art der Wind aus den Segeln genommen. Die Polizisten kassierten das fällige Verwarnungsgeld.

Der Großteil der Verkehrsteilnehmer, so berichtet Polizeisprecher Schlick, hätten sich einsichtig gezeigt und für die Kontrollen Verständnis aufgebracht. Mit Kontrollen müssten Verkehrsteilnehmer schließlich auch immer rechnen, nicht an speziellen Aktionstagen der Polizei. Das gehöre zur Präventionsarbeit.

Zur Ablenkungen am Steuer gibt die Polizei allen Verkehrsteilnehmern noch folgende Informationen: Ablenkung am Steuer verringere die Aufmerksamkeit aufs Verkehrsgeschehen und verlängere die Reaktionszeit. Die Nutzung von Kommunikationsmitteln während der Fahrt erhöhe das Unfallrisiko um mindestens das Vierfache.

Telefonieren am Steuer ist so wie betrunken fahren

Die Erhöhung des Unfallrisikos gelte für Fahranfänger und erfahrene Autofahrer in gleichem Maße. Telefonieren oder Texten während der Fahrt - das sei genauso gefährlich wie das Fahren mit 0,8 bis 1 Promille Blutalkohol.Etwa die Hälfte aller Autofahrer benutze das Mobiltelefon während der Fahrt ohne Freisprecheinrichtung. Durchschnittlich jeder sechste Autofahrer schreibe Textnachrichten während der Fahrt, jüngere Fahrer noch häufiger.

Durchschnittlich jeder vierte Fahrer bedient sein Navigationsgerät während der Fahrt, zählt die Polizei Beispiele für gefährliche Ablenkungen auf. Mehr als die Hälfte der Verkehrsunfälle stehe im Zusammenhang mit Ablenkung. Und die Nutzung eines Smartphones führe 164mal häufiger zu einem Unfall im Vergleich zu Kontrollsituationen ohne deren Nutzung.  Alle Tätigkeiten, die physisch, psychisch oder emotional ablenken, haben laut Polizei das Potenzial, zu Unfällen zu führen - auch bei Radfahrern und Fußgängern.