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„Es gibt kein falsch oder richtig“

Poetry-Slam-Workshop „Es gibt kein falsch oder richtig“

Bei einem Poetry-Slam-Workshop lernten Interessierte am Wochenende in Biedenkopf, die Welt ein wenig anders zu betrachten und sich anders auszudrücken, als sie das normalerweise tun würden.

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irritierend, mysteriös

Profi-Slammer Florian Cieslik animiert die Workshopteilnehmer, sich Gedanken zu verschiedenen Szenarien zu machen und daraus einen Text zu ersinnen.

Quelle: Sascha Valentin

Biedenkopf. Mit dem Marburger Lars Ruppel hätte eigentlich einer der bekanntesten Poetry­ Slammer Deutschlands den Workshop leiten sollen. „Leider ist er kurzfristig erkrankt“, bedauerte Biedenkopfs Kulturreferent Frank Wölfl. Ruppel hatte aber für einen adäquaten Ersatz gesorgt: Florian Cieslik hat bereits mehrere Länderwettbewerbe im Poetry Slam gewonnen und gibt seine Begeisterung für diese Kunstform gerne an andere Menschen weiter. Er will auch anderen dieselbe Lust an der Sprache vermitteln, die er selbst empfindet, wenn er seine Texte schreibt.

Beim Poetry Slam gelte für ihn ein Grundprinzip, sagte Cieslik: „Ich will die Sprache vom Kopf in das Herz und den Bauch führen.“ Bei der normalen Alltagskommunikation bewege sich Sprache innerhalb gesellschaftlich vorgegebener Grenzen, ­folge von allen anerkannten ­Regeln, erklärt Cieslik. Dadurch werde Sprache meist zu etwas Verkopftem, das zwar zielgerichtet, aber gerade deswegen oft wenig facettenreich sei.

„Beim Poetry Slam kann man dagegen mit der Sprache spielen, Grenzen sprengen und einen Sprachrausch erleben“, betont der Frankfurter. Das mache für ihn den großen Reiz der Kunstform aus. Es sei allerdings nicht einfach, dies Workshopteilnehmern zu vermitteln. Immerhin gehe es darum, die normalen Sprachgewohnheiten zu dekonstruieren und das „Erwachsenendenken“ abzubauen. Tatsächlich gingen Kinder noch viel spielerischer mit ­Wörtern und Sprache um.

Um das auch bei seinen Lehrlingen in Biedenkopf zu erreichen, bediente sich Cieslik verschiedener Übungen, die deren Inspirations- und Assoziationskraft anregen sollten. So ließ er sie etwa darüber sinnieren, was hinter Alltagsgegenständen wie Stühlen, Lampen oder Fenstern stecken könnte, wenn man eben nicht nur das Augenscheinliche sieht, sondern auch hinter die Fassade blickt.

Irgendwann sprudeln die Worte einfach

Eine Teilnehmerin etwa machte in Fenstern Fernseher in die Welt aus, die den Film des ­Lebens zeigten. Ein interessanter Ansatz für einen Text, lobte Cieslik. Vor diesem gedanklichen Hintergrund könne man sich etwa fragen, wer bei diesem Film des Lebens Regie führt oder wo die Fernsehstudios sind. ­
Eine andere Übung bestand darin, drei Minuten lang einfach alles aufzuschreiben, was einem in den Sinn kommt, ohne darüber nachzudenken. „Dadurch kommt man irgendwann in einen Fluss, die Worte sprudeln nur so aus einem heraus, ohne gedanklich zensiert zu werden“, erklärte der Profi. Diese Methode eigne sich wunderbar als Ausgangspunkt für einen persönlichen Poetry-Text, denn er komme aus dem Innersten.

Das Schöne am Poetry Slam sei: „Es gibt kein falsch und kein richtig, kein schön oder hässlich. Es ist alles erlaubt. Man könnte sogar ein Rezept oder eine Einkaufsliste nehmen“, betonte Cieslik. Nur sollte der Text nicht länger als zwei DIN-A4-Seiten sein, da er ansonsten leicht ermüdend wirken und die Aufmerksamkeit der Zuhörer schwinden könnte.

Nach den verschiedenen Warmlaufübungen gingen die Teilnehmer daran, eigene Texte­ zu verfassen – anfangs noch zu Schwerpunkten, die Cieslik vorgab: Wie könnte ihr Leben in 1000 Jahren aussehen, was würden sie mit einer Million Euro machen? Wer sich nach dem achtstündigen Workshop bereit für die Bühne fühlte, hatte am Abend die Gelegenheit dazu. In der Aula der Lahntalschule ­luden Florian Cieslik und Frank Wölfl auf eine „Offene Bühne“ ein.

von Sascha Valentin

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