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Marburg Paul Breitners Schwung und die Blasmusik bei der WM
Marburg Paul Breitners Schwung und die Blasmusik bei der WM
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19:15 28.08.2009
Harry Rowohlt. Quelle: Krauskopf

Marburg. Harry Rowohlt ist bekannt und auch be- und gerühmt genug, um mit seinem Talent Menschenmassen zu bewegen. Er ist ein mit zahllosen Preisen bedachter Übersetzer, Dichter, Zeit-Kolumnist und mimt den Penner in der „Lindenstraße“. Auf der Bühne ist Rowohlt ein selten kluger Entertainer, der mit und für sein Publikum spielt. So auch am Dienstag im voll besetzten KFZ.

Den Abend widmete er der Firma „Radsport Sattler König“ – kommentarlos. Auf die „Anschleimphase“ (Rowohlt) in Marburg musste nicht mehr über Internet-Recherche vorbereiten, er war oft genug da. Munter plaudert er von den Marburger Komiktagen und den drei Anglistikstudentinnen, die ihm den Wein servierten (das war wohl 1997). Bei einer Lesung in Hammelsbüttel sei die Vorbereitung schwieriger gewesen, verrät Rowohlt. Alles, was der Hamburger Stadtteil zu bieten habe, sei der Promi Jörg Pilawa.

Zwischen allerlei feiner Anekdoten kamen er und sein Dichterkollege und TAZ-Kolumnist Christian Maintz auch zum eigentlichen Thema des Abends, den komischen Gedichten. Rowohlt rezitierte, dass es eine Wonne war – egal, ob Joachim Ringelnatz’ „Ameisen“ oder Ror Wolfs WM-Moritat „Neunzehnhundervierundsiebzig“ dran war, in dem es um Paul Breitners Schwung, Grabowskis Hackentrick und immer wieder um die Blasmusik geht.

Diese Fußball-Oden passen genau in den Rahmen, den Maintz mit seinen Ausführungen über die ausgewählte Lyrik gesteckt hatte – neben Gedichten über Tiere, den Alkohol und den Körper. Rowohlt ließ Wiglaf Drostes toleranten Panther klagen, brillierte bei Ernst Jandls „ottos mops trotz“, F.W. Bernsteins Wasserhähnen und Wasserhühnern und den „Ichtyosaurus“, den Joseph Victor von Scheffel vor mehr als 100 Jahren bedichtete.

von Christine Krauskopf

Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der Printausgabe der OP.