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Marburg Party, Pöbelei, Pfefferspray
Marburg Party, Pöbelei, Pfefferspray
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13:03 11.03.2018
Bei der Festnahme musste die Polizei Pfefferspray einsetzen. Quelle: dpa
Marburg

Sein alkoholbedingter Ausraster brachte ihm mehrere Anzeigen ein und anscheinend breite Erinnerungslücken, wie der 31 Jahre alte Angeklagte vor Gericht mitteilte. Er wurde wegen Beleidigung, Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Geldstrafe von 3 150 Euro verurteilt.

Viel zur Sache beizutragen hatte der Produktionsfachmann nicht vor Gericht, erinnerte sich nur verschwommen daran, dass er Mitte März vergangenen Jahres gemeinsam mit einigen Kollegen auf Kneipentour gegangen war. Laut Anklage begann die laute Gruppe im Lokal unangenehm aufzufallen, der Gastwirt rief die Polizei. Die versuchte, die Partygäste hinauszukomplimentieren, was laut Zeugen erst nach einem nachdrücklichen Appell gelang.

Vor der Kneipe im Marburger Norden verschärfte sich die Lage, der Angeklagte begann lautstark zu zetern, beschimpfte so lange zwei Polizisten, bis die sich zu einer Personenkontrolle bemüßigt sahen. Dabei schlug der aufgebrachte Mann einem Polizisten kräftig auf die ausgestreckte Hand, was ihm eine vorläufige Festnahme einbrachte. „Hätte er einfach den Ausweis herausgegeben, hätten wir ihn wohl nicht mitgenommen“, teilte ein Zeuge mit. Der weiterhin pöbelnde Gast widersetzte­ sich stattdessen den Handschellen, flippte anscheinend immer wieder aus und entwickelte eine unerwartete Kraft, „wir sind seiner kaum Herr geworden“, erinnerte sich ein weiterer Zeuge. Der kräftige Mann konnte schlussendlich nur mithilfe einer weiteren Streife und des Einsatzes von Pfefferspray gebändigt werden. Die Nacht verbrachte er in der Ausnüchterungszelle. Wie lange und wie genau die Rangelei zuvor abgelaufen war, darüber waren sich manche Zeugen uneinig. „Gefühlt hat das Stunden gedauert“, meinte­ der Wirt.

„Alles ging ganz schnell“, befand dagegen einer der Begleiter des Angeklagten. Seiner Erinnerung nach habe er nichts von potenziellen Beleidigungen mitbekommen, auch nicht von einem Kampf, habe noch versucht, den Kollegen zurückzuhalten.

31-Jähriger entschuldigt sich bei den Polizisten

An den Ablauf des Abends konnte sich der Angeklagte „nur bruchstückhaft“ erinnern. „Ich weiß nur noch, dass ich rausgeschoben wurde“, teilte er mit. Der Rest der Zeit sei zwischen „einem Haufen Weizen und Schnaps“ und der Zelle, in der er aufwachte, im Nebel verschwunden. Dass er sich entsprechend den Vorwürfen verhalten habe, könne jedoch sein. Dafür entschuldigte sich der Mann während der Verhandlung bei den Polizisten, gab dem Alkohol die Schuld an seinem Ausraster. Im Alkoholtest brachte er es auf zwei Promille, was ihm vor Gericht als verminderte Schuldfähigkeit zu seinen Gunsten ausgelegt wurde. Es war nicht das erste Mal, dass er mit Gesetzeshütern in Konflikt kam: Vor ein paar Jahren wurde er bereits wegen Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt.

von Ina Tannert