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Marburg Schilder-Chaos wegen Brückensperrung
Marburg Schilder-Chaos wegen Brückensperrung
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11:17 07.03.2018
Archivbild: Stau wie hier in der Nordstadt gehört durch die Sperrung der Weidenhäuser Brücke derzeit zum Alltagsbild im Stadtverkehr. Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die Marburger Geschäftsleute fordern während der Vollsperrung der Weidenhäuser Brücke in einem Papier an die Stadt unter anderem temporäre Parkplätze (die OP berichtete). Doch wer als Auswärtiger in die Stadt will und versucht, ein Parkhaus zu finden, hat durch die teils widersprüchliche Beschilderung und das nicht funktionierende Parkleitsystem schlechte Karten.
Die OP hat gestern Mittag den Test gemacht und versucht, ohne Ortskenntnisse ein Parkhaus zu erreichen – eine wahre Herkulesaufgabe.

Parkhaus-Displays ausgeschaltet

Beispiele gefällig? Bitte schön:
Erst seit Freitag gibt es an der B 3, also der Stadtautobahn, überhaupt eine Beschilderung, die auf die Bauarbeiten in der Stadt hinweist. Auch das Parkleitsystem wurde teilweise von der Benamung angepasst: Dort, wo sonst „Marburg Mitte“ stand, steht nun „Erlenring“ – doch weder aus südlicher noch aus nördlicher Richtung werden – bis auf eine Ausnahme – freie Parkplätze angezeigt. Vielmehr ist das Display ausgeschaltet – der Besucher muss also davon ausgehen, dass in den Parkhäusern Marktdreieck und Erlenring-Center nicht geparkt werden kann.

Verwirrende Beschilderung

Von Norden kommend steht das erste Hinweisschild auf die Bauarbeiten nach der Abfahrt Kaufpark Wehrda. Das nachfolgende reguläre Verkehrsschild weist die Abfahrt Marburg Mitte, Bahnhofstraße, Messeplatz und Hauptbahnhof ganz normal aus – wenige Meter später kommt dann ein weiteres Hinweisschild, das die Beschriftung „MR-Mitte Ri. Stadtmitte gesperrt“ trägt – der auswärtige Besucher ist also zum ersten Mal verwirrt, denn nur wenige Meter vorher war die Abfahrt Mitte noch nicht gestrichen.

Das X auf dem Schild ist zu groß

Nach der Abfahrt Messeplatz kommt das erste Schild des Parkleitsystems: „Erlenring“ ist ausgeschildert – eine Anzeige der Parkplatz-Anzahl gibt es nicht. Wohl aber für Parkplätze in „Marburg-Nord“. Kurz darauf das nächste Baustellenschild: Wer in die Stadtmitte will, soll die Ausfahrt Gisselberger Straße benutzen und der Umleitung U1 folgen. Dann kommt das reguläre Hinweisschild auf die Abfahrt Marburg Mitte – die Ausfahrt ist mit einem roten X durchgestrichen, scheint also komplett gesperrt zu sein. Schlimmer noch: Das X ist zu groß, scheint auch die Zufahrt zum Campingplatz und zum Aquamar zu umfassen, was allerdings nicht stimmt. Denn diese sind zu erreichen – zudem wäre die Abfahrt genau die Richtige, um die Parkhäuser am Erlenring zu erreichen. Das Schild des Parkleitsystems, das nach nur wenigen hundert Metern, noch direkt vor der Ausfahrt Mitte, kommt, zeigt indes – wie auch das vorherige – nichts an.

Wer mutig ist und abfährt wird belohnt

Wer mutig ist und abfährt wird allerdings belohnt: Der nächste Hinweis des Parkleitsystems weist auf die freien Parkplätze im Parkhaus Marktdreieck und im Erlenring-Center hin. Jedoch zu spät, denn erst nach der Abfahrt – Auswärtige wären jetzt weiter auf der B3 unterwegs.  
Und würden die nächste Überraschung erleben. Denn am regulären Verkehrsschild am Parkplatz Höhe Aquamar kommt kein Hinweis auf die Umleitung, die zuvor ausgeschildert war, oder die Parkhäuser im Südviertel. Erst direkt an der Abfahrt Gisselberger Straße ist ein kleines Zusatzschild „MR-Mitte“ angebracht. Und erst nach der Abfahrt kommt der Hinweis auf die Umleitungsstrecke U1. Kurz vor dem „Affenfelsen“ aber die nächste Verwirrung: Das Hinweisschild auf das Parkleitsystem weist nach links, der Pfeil für die U1 weist indes geradeaus. Blöd nur: Die Straße gabelt sich nach links und rechts – wer sich nicht auskennt, kann nur raten, was gemeint ist.

Umleitungs-Schild erst kurz vor der Abfahrt

Und wie ist die Beschilderung aus Richtung Süden? Dort kommt der erste Hinweis auf die Baustelle 800 Meter vor der Abfahrt Marburg-Süd, versehen mit dem Hinweis „Hier ausfahren! U1“. Das wenige Meter später folgende reguläre Hinweisschild wurde bei der Abfahrt Süd um den kleinen Hinweis „MR-Mitte“ ergänzt, gefolgt von einem weiteren Baustellen-Schild kurz vor den Blitzern.
Nach den Blitzern werden Autofahrer, die in Richtung Marburg-Mitte wollen, erneut darauf hingewiesen, die Abfahrt Süd zu nehmen. Es folgt das erste Schild des Parkleitsystems, das um den Zusatz „Bereich Südviertel“ ergänzt wurde. Für Marburg-Nord wird die Anzahl freier Parkplätze angezeigt – für Erlenring jedoch nicht.

Hinweis auf Sperrung fehlt

Dann folgt das reguläre Verkehrsschild zur Abfahrt Marburg-Mitte in Höhe des Parkplatzes. Und dort findet sich erstaunlicherweise kein Hinweis auf die Sperrung, auch gibt es kein großes rotes X wie beim Schilder-Pendant aus Nordrichtung – die Baustelle findet auf dem Schild nicht statt.
Gut für die Besucher, denn wenn sie abfahren, können sie bequem beide Parkhäuser am Erlenring erreichen – obwohl das Parkleitsystem diese als nicht existent ausweist. Wenige Meter weiter folgt ein nächster Hinweis des Parkleitsystems. Und dann geschieht das Wunder: Erlenring ist nicht nur ausgewiesen, sondern es werden auch freie Parkplätze angezeigt – auf der Autobahn, vor der Ausfahrt. Das Abfahrtschild Marburg-Mitte wenige Meter später ist jedoch wieder mit dem roten X versehen – dieses ist zum Glück nicht so groß, dass es Campingplatz und Aquamar verdeckt. Zudem gibt es noch einen kleinen Hinweis, dass es hier auch zum Ortenberg geht.

Beschilderung wird nicht fortgeführt

Wer die Abfahrt nimmt, wird allerdings erneut keine Parkplätze am Erlenring finden. Denn beim Hinweisschild des Parkleitsystems an der Kreuzung Krummbogen gibt es nach links den Hinweis, dass es freie Parkplätze am Hauptbahnhof gibt. Die Beschilderung „Erlenring“ wird jedoch nicht fortgeführt – vielmehr steht dort noch die alte Bezeichnung Marburg Mitte – Parkplätze werden auch nicht angezeigt. Und das erneut, obwohl die Parkhäuser nur wenige hundert Meter entfernt sind.
Wer übrigens stadtauswärts auf der Universitätsstraße und der Schwanallee fährt, der findet zwar Hinweise auf die U2 Richtung Erlenring – jedoch keinerlei Schild, das den Weg zu den Parkhäusern im Südviertel des Kaufhauses Ahrens oder der Sparkasse weist.

Kaufhaus-Chef Ahrens: Beschilderung unzureichend

Das Chaos bei der Beschilderung bemängelt auch Kaufhaus-Chef Peter Ahrens: „Die Feststellungen der Oberhessischen Presse bestätigen unsere sehr großen Befürchtungen hinsichtlich der Erreichbarkeit von konkreten Zielen in der Innenstadt“, sagt er. Dies gelte besonders für auswärtige Besucher, denn: „Die Beschilderung in der jetzigen Form ist unzureichend, häufig zu klein, zu pauschal und ohne klare Definierung der Ziele. Der Autofahrer muss wissen, unter welcher der Umleitungen U1 bis U4 er konkrete Ziele erreichen kann, wie etwa die Oberstadt, die Universitätsstraße, das Haupthörsaalgebäude – und natürlich auch alle verfügbaren Parkhäuser“, so Ahrens. „Ich empfehle den Fachplanern eine wirklich kritische Analyse“.
Über Auswirkungen der Brückensperrung auf sein Haus möchte er noch keine Prognose abgeben, „dafür ist die Zeit noch zu kurz“. Doch würden die Kundenströme ebenso, wie die Parkvorgänge genau erfasst und tagesgenau ausgewertet – für eine valide Datenbasis.
Aber wer trägt Schuld an der sehr späten Beschilderung? Die Stadt teilt mit, dass sie die Firma Eurovia mit den Arbeiten beauftragt habe – diese habe den Auftrag zur Beschilderung indes an das Unternehmen B.A.S. weitergegeben. „B.A.S. musste bei uns die innerstädtischen Umleitungsstrecken beantragen und bei Hessen Mobil die Beschilderung an der B3a“, teilt Patricia Grähling von der städtischen Pressestelle mit.

Antrag erst kurzfristig eingegangen

Sonja Lecher, Sprecherin von Hessen Mobil, erläutert auf Anfrage der OP, dass der erste Antrag zur Beschilderung „erst sehr kurzfristig eine Woche vor Inkrafttreten der Vollsperrung der Weidenhäuser Brücke eingegangen“ sei. Da solche Anträge erst auf verkehrstechnische Machbarkeit – wie etwa die Überlastung von Ampelanlagen aufgrund zusätzlicher Verkehrsbelastung – geprüft werden müssten, „ist hierfür im Normalfall eine Bearbeitungsfrist von drei Wochen vorgesehen“, so Lecher.
Einer zunächst von der Stadt angedachten, sehr detaillierten Ausschilderung aller innerstädtischen Umleitungen auch auf der B3 habe Hessen Mobil nicht zustimmen können. Daher sei am 27. Februar eine „auf das Wesentliche reduzierte und damit übersichtliche Hinweis- und Umleitungsbeschilderung“ angeordnet worden. Diese sei dann bis zum vergangenen Freitag aufgestellt worden.
Und das Parkleitsystem? Dafür sind die Stadtwerke Marburg zuständig – die Pressestelle war jedoch am Montagnachmittag nicht mehr erreichbar.

von Andreas Schmidt