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Paganinis Begegnung mit Gershwin

Konzertverein Paganinis Begegnung mit Gershwin

Als „Feuerwerk atemberaubender Virtuosenstücke“ hatte der Konzertverein den Abend beworben. Doch dieser begann ganz unspektakulär.

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Der Geiger Sergey Dogadin und der Pianist Nikolai Tokarev musizierten im Audimax. Foto: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Der 25 Jahre alte russische Geiger Sergey Doga­din und sein fünf Jahre älterer Landsmann Nikolai Tokarev widmeten sich zu Beginn der einsätzigen Violin-Klavier-Sonate, die Maurice Ravel als 22-Jähriger komponiert hat: ein stilles Stück vorwiegend lyrischen Zuschnitts. Dogadin und Tokarev musizierten es mit einer Fülle feinster Töne, als ginge es ihnen zum Beispiel um Mozart, fanden aber auch im einzigen leidenschaftlichen Ausbruch zu mitreißender Intensität.

Virtuoser wurde es dann im zweiten Werk: Igor Strawinskys Divertimento, eine Suite aus seinem Ballett „Der Kuss der Fee“, hatte Dogadin bereits vor fünf Jahren bei seinem umjubelten Konzertverein-Debüt gespielt - damals mit einem anderen Klavierpartner.

In der Zwischenzeit ist der vielfach ausgezeichnete Geiger zum Star gereift und bewies in den vier Strawinsky-Sätzen, die allesamt auf Klavier- und Vokal­werke Peter Tschaikowskys zurückgehen, warum das so ist. Nicht nur seine geigerische Fingerfertigkeit scheint kaum Grenzen zu kennen, auch seine Ausdruckskraft in den mit betörender Süße gespielten kantablen Passagen überwältigt.

Dogadin und Tokarev werden weltweit auch mit Soloprogrammen gefeiert. Deshalb stellten sie sich nach der Pause abwechselnd alleine dem Publikum - wobei allerdings der Ablauf nicht ganz mit den Angaben im Programmheft übereinstimmte. Es ging den beiden Virtuosen, wie könnte es anders sein, um Niccolò Paganini. Von ihm spielte der Geiger die teuflisch schweren Paisiello-Variationen „Nel cor piu non mi sento“, als sei‘s ein Kinderspiel. Und der Pianist ließ „La campanella“ (das Glöckchen) klingeln, so, wie Franz Liszt es aus dem Finalsatz von Paganinis zweitem Violinkonzert auf die schwarz-weißen Tasten übertragen hat: eines der technisch schwierigsten Klavierstücke überhaupt, das Tokarev mit furiosem Zugriff bravourös meisterte.

Paganinis berühmte und unzählige Male, unter anderem von Schumann, Brahms und Rachmaninow, bearbeitete a-Moll-Caprice ließ Dogadin in Nathan Milsteins Version erklingen, und Tokarev musizierte sie als Begegnung mit Georges Gershwin, so, wie sie der 1956 geborene Komponist und Pianist Alexander Rosenblatt gesehen hat.

Dessen von Dogadin und Tokarev mit überbordender Musizierlust gespielte Fantasie über Bizets „Carmen“ bildete den effektvollen Schlusspunkt. Mit den Zugaben entführte das Duo die hellauf begeisterten 500 Zuhörer ins walzerselige Wien und musizierte zwei Stücke eines anderen großen Geigenvirtuosen: Fritz Kreislers „Liebesleid“ und „Chinesisches Tambourin“.

Der Marburger Konzertverein macht Weihnachtspause. Am Samstag, 25. Januar, geht die Saison weiter: Ab 20 Uhr singt der Bassbariton Hanno Müller-Brachmann im Audimax Lieder von Johannes Brahms sowie Robert Schumanns Heinrich-Heine-Zyklus „Dichterliebe“. Sein Klavierbegleiter ist Hartmut Höll.

von Michael Arndt

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