Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Otto-Ubbelohde-Preis: Das sind die Gewinner

Auszeichnung Otto-Ubbelohde-Preis: Das sind die Gewinner

Der bedeutendste heimische Kulturpreis wurde am Montagabend in Biedenkopf vergeben. Die drei Auszeichnungen gingen an einen Maler, ein geschichtsinteressiertes Ehepaar und einen heimischen Trachtenverein.

Voriger Artikel
Kein Marktfrühschoppen auf Marktplatz
Nächster Artikel
Rollerfahrer gerät in Gegenverkehr

Auf dem Innenhof des Biedenkopfer Schlosses haben Aufstellung genommen: Der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Karsten McGovern (von links), sowie die Preisträger Franz und Liesel Konrad, Evelyn Leukel, Wolfgang Korn, Jochen Schröder und Landrat Robert Fischbac

Biedenkopf. Es war keine leichte Aufgabe für die Jury: aus 63 preisverdächtigen Vorschläge mussten die zehn Juroren drei Sieger küren. Die höchste Auszeichnung des Landkreises im Bereich Kultur geht in diesem Jahr an das Ehepaar Liesel und Franz Konrad aus Wallau, Wolfgang Korn aus Cölbe und die Trachten- und Volkstanzgruppe Großseelheim. Der Preis ist mit jeweils 1000 Euro dotiert.

Die Laudatio für die Preisträger übernahm Landrat Robert Fischbach, der im Biedenkopfer Schloss die geladenen Gäste begrüßte, darunter viele Vertreter der heimischen Politik- und Kulturszene.

Enorme Fleißarbeit durch Liesel und Franz Konrad

Zunächst ging Fischbach auf die vielschichtige Arbeit des Ehepaares Liesel und Franz Konrad ein. Beide seien schon lange ehrenamtlich für das Dorfmuseum Wallau tätig und heben sich dabei besonders durch Führungen von Schulklassen hervor, so Fischbach. Außerdem engagierten sich beide bei der umfangreichen und arbeitsintensiven Neuordnung des Archivs der Kirchengemeinde.

Eine herausragende Leistung sei jedoch ihre Fleißaufgabe bei der Erstellung eines Familienbuchs über Wallau und Weifenbach. Das Ehepaar habe dafür über 9000 Personen recherchiert und mit sehr präzisen und detaillierten Informationen versehen. Das Sippenbuch beruht auf den Eintragungen in Kirchenbüchern von 1624 bis 1875 - also für die Zeit vor Einführung der Standesämter. Das Werk umfasst nach Fertigstellung beeindruckende 635 Seiten. „Für viele Menschen ist dieses Familienbuch eine ergiebige und wichtige Quelle zur Erforschung ihrer jeweiligen Familiengeschichte. Es ist eines der wichtigsten genealogischen Nachschlagewerke im Hinterland“, sagte Robert Fischbach.

Der aus Cölbe stammende Maler Wolfgang Korn setzt sich künstlerisch mit Landschaften und Orten im heimischen Landkreis auseinander. Dabei verknüpft der zweite Otto-Ubbelohde-Preisträger 2012 klassische und moderne Kunstformen. Dies gelingt ihm nach Ansicht der Jury besonders durch seine vielseitige Arbeitsmethodik: „Es ist der besondere Blick von Wolfgang Korn auf und in die Landschaft, die überzeugt“, heißt es in der Jury-Begründung. Für seine Kunstwerke verwendet Korn verschiedenste Techniken und Materialien. So male er beispielsweise mit Kohle auf Zeitungspapier, nutze Dreck und Sand, um zusammen mit Acrylfarben die Silhouette Marburgs ungewohnt und doch bekannt darzustellen, so Fischbach.

Für Korn selbst, der sich in seiner künstlerischen Frühphase selbst als „zeichnender Architekt“ verstanden hat, ist die Auszeichnung eine Bestätigung seiner Arbeit. „Der Preis ist eine Motivation mich auch weiterhin mit dem Thema unserer heimischen Landschaft zu beschäftigen“, sagte Korn in seiner Dankesrede.

Verantwortlich für die musikalische Untermalung der Preisverleihung war der Cantamus-Chor aus Breidenbach. Zwischen den einzelnen Programmpunkten sorgten die Sänger und Sängerinnen mit ihren klaren Stimmen für eine festliche Atmospähre.

Laut Fischbach sei die Trachten- und Volkstanzgruppe Großseelheim seit vielen Jahren ein Aushängeschild des Landkreises im Bereich der Tanz- und Trachtenpflege. Die Gruppe nehme an vielen Terminen im In- und Ausland teil. „Hervorragende Arbeit leistet die Gruppe im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit“, heißt es weiter in der Jury-Begründung.

Vorstandsmitglied Evelyn Leukel bedankte sich im Namen des Vereins für die Auszeichnung. Nach über 40-jähriger Tätigkeit begrüße sie mittlerweile Nachwuchs derjenigen Vereinsmitglieder, mit denen sie damals angefangen habe, so Leukel. Dies sei ein Beweis für die generationenübergreifende Arbeit. „Dabei geht es nicht nur um die Trachten oder das Tanzen. Wir pflegen auch die Mundart und das Laienspiel“, so Leukel. Auch die Jury betrachtete diese Arbeit als vorbildlich, weil der Verein zum Erhalt eines positiven Dorflebens durch die gelungene Integration von Jung und Alt beitrage.

Zum Thema Kulturerhalt im ländlichen Raum sprach Rosemarie Wolny. Am Beispiel des Erdhäuser Malers Karl Lenz (1898 bis 1948) verdeutlichte sie wie ein einzelner Künstler die kulturelle Identität einer ganzen Region prägen kann. Dennoch gehe es auch in Zukunft darum, das kulturelle Vermächtnis zu schützen und zu erhalten.

von Dennis Siepmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg