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Orchester präsentiert Klassik mit Pfiff

Konzertkritik Orchester präsentiert Klassik mit Pfiff

Auch wenn es zwischen den Jahren in Marburg kulturell etwas leiser zugeht, gehört das traditionelle Neujahrskonzert des Stundenten-Sinfonieorchesters (SSO) fest zum neuen Jahresanfang.

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Das Studenten-Sinfonieorchester sorgte mit seinem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger wie stets für einen fulminanten musikalischen Jahresbeginn. Foto: Tobias Hirsch

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Same procedure as every year“ könnte man fast meinen. Wie jedes Jahr hatte sich das SSO ein buntes Programm für sein ausverkauftes Neujahrskonzert überlegt. Statt wie üblich in der Stadthalle konzertierten die knapp 75 Musiker jedoch im Audimax, das aber sogar an den äußeren Randplätzen noch eine gute Akustik garantierte.

Frisch und mitreißend begann der Abend mit der „Chinesischen Frühlingsouvertüre“ von Li Huanzi. Natürlich fehlte auch bei diesem Neujahrskonzert nicht Johann Strauß (Sohn), der gleich mit drei Werken vertreten war, wie der Walzer „Morgenblätter“, der zu heutzutage zu den Standardwerken der Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker gehört.

Mit der jungen Waliserin Angharad Lyddon hatte das SSO auch dieses Jahr wieder eine fantastische Solistin gefunden. Mit ihrer vollen und kräftigen Stimme begeisterte die Mezzosopranistin das Publikum, das ihre Auftritte mit besonders starkem Einzelapplaus honorierte. Mit ihrem lockeren Auftreten passte sie wunderbar zu den musizierenden Studenten. Besonders unterhaltsam war die Arie „Ah, quel diner je viens de faire“ aus Jacques Offenbachs Operette „La Périchole“. Herrlich agierte Lyddon als beschwipste Périchole und tänzelte bei den Übergängen. Zuvor witzelte sie mit Dirigent Ulrich Manfred Metzger, der am Ende vor lauter Schwung seine Notenblätter vom Pult fegte.

In der Zugabe „Pres de remparts de Sevilla“ aus Bizets Oper „Carmen“ fanden das SSO und Solistin Lyddon ihre Gemeinsamkeit. 2012 trat das SSO mit der Oper in der Berliner Philharmonie auf - Lyddon hat bereits die Hauptrolle gespielt. Unter lautem Jubel der Musiker gab Dirigent Metzger seine Blumen an die erste Vorsitzende des SSO Luise Rost weiter.

Richtig rhythmisch wurde es bei der Samba „Tico Tico no Fubà“ von Zequinha de Abreu, die voll ins Blut ging. Die Spielfreude war dem SSO wirklich anzusehen, und auch im Publikum wippten einige Beine mit. Natürlich durfte der Radetzky-Marsch von Johann Strauß (Vater) auch dieses Jahr nicht fehlen. Und wie jedes Jahr klatschte bei dieser dritten Zugabe das Publikum wieder kräftig mit und belohnte die Musiker beim erneuten Applaus sogar mit stehenden Ovationen.

Zuvor sorgte das SSO mit seiner „Nachtmusik-Serenade“ für großartige Unterhaltung. Dazu wurde „Loriots kleine Nachtmusik“ in eine eigene Geschichte eingebettet, mit einem herrlichen Seitenhieb auf die langwierigen Verhandlungen um eine eventuelle Festanstellung von Dirigent Metzger an der Uni Marburg. So wurde Metzgers Handygespräch grandios vom Orchester untermalt. „Aus Gießen? Ein Angebot? Auf Lebenszeit?“, und es folgte ein lauter Tusch vom Becken. „Beethoven ist überhaupt kein Problem“ - und schon wurde mit Beethovens fünfter Sinfonie eingesetzt. Aber auch eine Jazz-Variation oder der „We Will Rock You“-Rhythmus flossen in das bunte Wirrwarr ein. Mit der beschwingten Samba als vierter Zugabe verabschiedete sich das SSO von seinem Publikum, das seinen Applaus am Ende gar enden lassen wollte.

von Mareike Bader

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