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Oper mutiert zur flotten Faschings-Revue

Oper Oper mutiert zur flotten Faschings-Revue

Anlass für die Gießener „Ausgrabung“ ist der 200. Geburtstag des Komponisten, der mit seiner romantisch-komischen Oper „Martha oder Der Markt zu Richmond“ unsterblich geworden ist.

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Das Stadttheater Gießen hat Friedrich von Flotows Oper „Alessandro Stradella“ ausgegraben.

Quelle: Dietmar Janeck

Gießen. In seligen Zeiten, als der Rundfunk noch Wunschkonzerte sendete, erklang dort von Zeit zu Zeit die Romanze „Ach, so fromm, ach, so traut“ aus Friedrich von Flotows romantisch-komischer Oper „Martha“, die sogar zum Repertoire italienischer Tenöre von Caruso bis Pavarotti zählte.

„Martha“ steht bis heute auf den Spielplänen deutscher Opernhäuser. Um „Alessandro Stradella“ allerdings ist es still geworden. Zu Unrecht, wie das Gießener Stadttheater beweisen will – und dabei der idyllisch-schlichten Handlung, die ohne jeden dramatischen Konflikt daher kommt, nicht ganz zu trauen scheint. Erzählt ist sie in drei Sätzen: Der Komponist Stradella entführt Leonore. Deren Vormund Bassi will den Entführer ermorden lassen. Der jedoch rührt sogar das Killer-Duo mit seinem Gesang – Happy End.

Roman Hovenbitzer motzt die simple Story auf zu einer flotten Faschings-Revue, weil ja der erste Akt ohnehin im venezianischen Karneval spielt. Dabei ist alles ständig in Bewegung – nicht nur der famos singende Chor und die Showtanzgruppe „Soul System“ aus Hungen, sondern auch die Drehbühne, auf die Hermann Feuchter Kulissen gebaut hat, die von üppigen Renaissance-Gemälden inspiriert sind und gleichzeitig dezent moderne Elemente integrieren. So werden Transportkisten mit der Aufschrift „Vorsicht Kunst!“ zu Gondeln auf dem Canale Grande. Und in Alessandro Stradellas Haus zieren Goldene Schallplatten die Wände.

Corey Bix gibt den Titelhelden als dauerlächelnden Strahlemann und gebietet mühelos übers hohe C, das die Frauen in Ohnmacht fallen lässt. Lyrischer Schmelz jedoch ist nicht so sehr sein Ding. Anna Gütter als kapriziöse Muse Leonore, die sich nur widerwillig in die Rolle der Gottesmutter pressen lässt, betört mit ihrem samtenen Sopran und lässt die Koloraturen funkeln, als sei‘s ein Kinderspiel. Stephan Bootz als Bassi, vor allem aber Tomi Wendt und Wojtek Halicki-Alicca als Auftragsmörder überzeugen mit komödiantischem Einsatz.

Weitere Aufführungen: 26. Februar (15 Uhr), 9. und 24. März sowie 14. April (jeweils ab 19.30 Uhr). Karten unter Telefon 06 41 / 79 57 - 60 (oder: - 61).

von Michael Arndt

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