Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Österliche Zuversicht im Mittelpunkt

Konzert Österliche Zuversicht im Mittelpunkt

Siegfried Heinrich begleitete seinen Chor mit den klangschön musizierenden Virtuosi Brunensis und hatte auch bei der Verpflichtung des Solistenquintetts eine außerordentlich glückliche Hand.

Voriger Artikel
Archäologen suchen Reste der früheren Firmanei
Nächster Artikel
Chor geistert im Fürstensaal

Der Marburger Konzertchor gestaltete die Johannespassion unter der Leitung von Siegfried Heinrich.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die großartige Leistung aller Mitwirkenden hätte eigentlich reichen Beifall verdient gehabt. Aber dazu kam es nicht am Ende der knapp zweistündigen Aufführung, weil es die Ausführenden so gewünscht hatten und die „Johannespassion“ für Siegfried Heinrich vor allem eines ist: musikalischer Gottesdienst.

Er hat Johann Sebastian Bachs Meisterwerk so oft aufgeführt wie nur wenige andere Dirigenten, und jedes Mal sind in Heinrichs Wiedergabe neue Aspekte zu entdecken.

Chor agiert dramatisch, aber nicht opernhaft

So betonte er am Mittwoch in der Marburger Kirche St. Peter und Paul die österliche Zuversicht, indem er nicht nur die meditativen Chöre, Choräle und Arien in fast mediterran helles Licht tauchte, sondern auch die hochdramatische, in den Turba-Chören geradezu beschwingt voran getriebene zentrale Gerichtsszene.

Der Marburger Konzertchor, unterstützt von den Kolleginnen und Kollegen aus Bad Hersfeld und Frankfurt, folgte seinem langjährigen Leiter dabei hingebungsvoll. In allen Stimmlagen ausgewogen und homogen besetzt, gestaltete die 100-köpfige Gemeinschaft nicht nur anrührend schlicht ihre Rolle als gläubiger und mitleidender Betrachter, sondern agierte auch mit packender Vehemenz als fanatischer Mob, wobei dank Heinrichs zügelnder Führung die Dramatik nie opernhaft vordergründige Züge annahm. Die Virtuosi Brunensis begleiteten klangschön und musizierten ausdrucksvoll sprechende Instrumentalsoli.

Eine außerordentlich glückliche Hand hatte Heinrich diesmal bei der Verpflichtung des Solistenquintetts. Eigentlich sollte dies ein Sextett sein. Aber einer der beiden Tenöre war erkrankt. Und so übernahm Daniel Jenz, der als Evangelist vorgesehen war, auch die Tenor-Arien - ohne dass diese zu Bachs Zeiten ja ohnehin übliche „Doppelbelastung“ bei ihm zu Intensitätseinbußen führte. Im Gegenteil: Man hatte den Eindruck, dass Jenz es genoss, nicht nur die Rolle des vorbildlich textdeutlichen Erzählers auszufüllen, sondern auch die technisch außerordentlich anspruchsvollen Arien mit seinem in der Höhe „kopfig“ klingenden Tenor in all ihren Facetten mühelos zu meistern.

Herausragender Solist war dennoch der erst 23 Jahre alte Sebastian Wartig. Durch seine enorme, geradezu raumfüllende stimmliche Gestaltungskraft machte er nicht nur die Gewissensqualen des zwischen politischem Überlebenswillen und Gerechtigkeitssinn hin- und her gerissenen römischen Statthalters Pilatus greifbar. Sein edel und warm timbrierter Bariton fand auch in den Arien zu tief empfundenem lyrischen Ausdruck. Den Christus-Worten lieh Petteri Falck seine strömend-dunkle Stimme, an der zeitweise ein zu starkes Vibrato störte.

Die erste der beiden Alt-Arien litt etwas darunter, dass Uta Runne sich nicht immer gegen das Orchester durchsetzen konnte. Das machte sie aber mehr als wett mit dem bewegend deklamierten „Es ist vollbracht!“, wo ihr schlanker Mezzosopran auch im triumphierenden „Der Held aus Juda siegt mit Macht“ überzeugte. Christine Graham glänzte in beiden Sopran-Arien mit leuchtendem Jubelton und geschmeidiger Phrasierung.

von Michael Arndt

Voriger Artikel
Nächster Artikel