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Marburg OB regt Tram-Streckenerweiterung an
Marburg OB regt Tram-Streckenerweiterung an
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13:42 11.03.2018
Eine Bimmelbahn ist in Marburg Realität geworden, eine Straßenbahn nicht. Noch nicht, denn nach dem Willen des Magistrats soll eine neue Wirtschaftlichkeitsstudie angefertigt werden, die auch eine Innenstadt-Anbindung der Tram untersucht.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Statt eines wie bislang geplanten Start- und Endpunkts der Tram am Südbahnhof beziehungsweise Konrad-Adenauer-Brücke, könnte laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) und Stadtwerken
eine Ausweitung des Streckenverlaufs in Betracht kommen.

Neben einer Wilhelmsplatz-Haltestelle, der eine direkte Innenstadt-Anbindung und ein Tor zur Oberstadt bedeuten würde, solle demnach in einer neuen Kosten-Nutzen-Studie eine Direkt-Führung einer Tram auf die Eisenbahnschienen in Richtung Frankfurt und Kassel – die bislang nur als Langfristziel formulierte Entstehung einer Regio-Tram – in Prüfungen einbezogen werden.

Zitat

„Wir müssen den in der Wirtschaftlichkeitsanalyse errechneten Nutzen größer kriegen.“
Rainer Kühne, Stadtwerke

„Die Variante Wilhelmsplatz wäre eine ultima ratio, aber sie muss alleine schon denkbar sein, um eine Förderfähigkeit des Gesamtprojekts bejahen zu lassen“, sagt Spies im Hinblick auf das Streben nach einer ­direkten Innenstadt-Anbindung von Lahnbergen und Tram.

„Wir müssen den errechneten Nutzen größer kriegen, das wäre durch eine Streckenerweiterung samt höherer zu erwartender Fahrgastzahlen ebenso möglich wie über das Thema Schienenanbindung“, ergänzt Rainer Kühne, Stadtwerke-Geschäftsführer.

Die Gutachter PTV sind in ihrer in dieser Woche veröffentlichten Wirtschaftlichkeitsanalyse zum Schluss gekommen, dass die Straßenbahn unter den aktuellen Voraussetzungen nicht förderfähig sei, ein Bau – dessen Kosten auf mindestens 36,5 Millionen Euro beziffert werden – also von Stadt und Stadtwerken alleine bezahlt werden müsste. Laut OB „nicht möglich“, obwohl der Magistrat auch Zweifel an der Höhe der zugrunde gelegten Investitionskosten hat.

Stadtwerke schauen weiterhin auf das Projekt Oberleitungsbusse

Andere, auch von der Streckenlänge her vergleichbare Projekte wie etwa in Nordhessen seien von den Gesamtkosten her um mehrere Millionen billiger als die 36,5 Millionen Euro, die PTV als reine Baukosten annehme. Auch die Autoren der Machbarkeitsstudie, die vor der aktuellen Wirtschaftlichkeitsanalyse in Auftrag gegeben wurde, geht von 33,5 Millionen Euro aus.

Laut Kühne­ schauen die Stadtwerke – ebenfalls über Studien von PTV – weiterhin intensiv auf das Projekt Oberleitungs-Busse. „Das ist die zweite Karte in der Hinterhand“, sagt er. Die O-Busse, die durch die Universitätsstadt fahren sollen, würden demnach auf eine neue Technik setzen, die ein flächendeckendes Leitungssystem, wie das aus dem vergangenen Jahrhundert bekannt ist, verhindert.

So sollen laut Kühne nur an vereinzelten Stellen in der Stadt Leitungen nötig werden, die dann wiederum Batterien in den Fahrzeugen für deren Weiterfahrt laden. Die gutachterlichen Ergebnisse zu der O-Bus-Variante soll es laut Stadtwerken im Sommer geben. OB Spies: „Wir prüfen das System der Oberleitungsbusse als eine gleichwertige ­Alternative zur Tram.“ Mit den zuständigen Ministerien gibt es laut Stadtwerken auch bereits Gespräche zu möglichen Millionen-Förderungen eines solchen Verkehrsprojekts.

Die Kosten-Nutzen-Analyse wird seitens der Stadtwerke aller Kritik zum Trotz als ein Beweis für die Qualität des von ihnen betreuten Nahverkehrs gesehen: „Eine Straßenbahn kann also offenbar nicht gegen das bestehende Busangebot an­stinken“, sagt Kühne. Allerdings würde sich das aktuelle Nahverkehrsangebot nach dem Bau ­einer Tram verändern – neben den Investitionskosten ein weiterer Aspekt, der von den Gutachtern ebenso falsch eingeschätzt worden sei wie andere Dinge (OP berichtete).

von Björn Wisker