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Tosender Applaus für Ballett-Klassiker

"Nussknacker" Tosender Applaus für Ballett-Klassiker

Das „Russische Klassische Staatsballett“ stoppte auf seiner Deutschlandtournee in Marburg und zog Zuschauer aller Generationen am Freitag im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus in seinen Bann.

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Balletttänzerinnen und -tänzer müssen immer lächeln, egal wie anstrengend ihre ­Auftritte sind. Mit viel Bühnenpersonal brachte das „Russische Klassische Staatsballett“ den „Nussknacker“ auf die Bühne des Erwin-Piscator-Hauses.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Die von Peter Tschaikowsky im Jahr 1892 komponierte, träumerische Musik für den „Nussknacker“ erweckt die Atmosphäre eines heimeligen Weihnachtsabends zum Leben. Gleichzeitig erzählt das Ballett  die Geschichte vom erbitterten Kampf zwischen einer zum Leben erwachten Spielzeughorde und dem Mäusekönig.

„Der Nussknacker“, basierend auf der literarischen Vorlage von E.T.A. Hoffmann, gilt wohl zu Recht als Tschaikowskys populärstes Werk, das er für die Ballettbühne schrieb. Die Tochter eines reichen Hausherrn, Marie, agil und mit kindlicher Anmut von Kristina Michailova getanzt, bekommt am Weihnachtsabend einen Nussknacker geschenkt. Zusammen mit den Puppen und Spielzeugen erwacht er im Laufe des Balletts zum Leben. Getanzt wird er großartig: Mit steifen Gliedern führt der Tänzer gekonnt mechanische, manchmal auch skurril anmutende Bewegungen aus, sodass man meint, tatsächlich das Knacken der hölzernen Gelenke zu hören.

Der finstere Mäusekönig erwacht

Ganz im Gegensatz dazu schwebt Marie gleich zu Beginn mit geschmeidigen Hebefiguren und Sprüngen lautlos über die Bühne. Überwältigt vom berauschenden Fest schlummert Marie neben ihrem Nussknacker ein. Es beginnt ein wundersamer, in bläuliches Licht getauchter Traum. Die friedliche Stimmung wird bald jedoch jäh gestört: Denn der finstere Mäusekönig erwacht, ruft seine Untertanen zum Kampf und der Nussknacker stellt sich vereint mit seinen Spielzeuggefährten den Mäusen entgegen.

Die Gegensätze sind in der Inszenierung von Konstantin Iwanow sowohl kostümbildnerisch als auch choreographisch ausgedeutet: Während die Spielzeuge in weißen Anzügen anmutig ihre Schwerter in der Luft schwingen und sich mit ihren statischen Bewegungen edel und gekonnt dem Kampfe widmen, tänzeln die düster vermummten Mäuse wild und geduckt um sie herum. Anmut schlägt schließlich Wildheit, der Nussknacker verwandelt sich in einen schönen Prinzen und führt das Mädchen in sein Zauberland.

Die Wandlung soll nur ein Traum bleiben

Vom anfänglichen Kind im Nachthemd ist jetzt nichts mehr zu sehen, im Duett mit ihrem Prinzen trägt Marie nun ein schickes Tutu, tanzt mit größerem Ernst und Eleganz. Im Tanz der Zuckerfee bezaubert Michailova zu den zarten Celesta-Tönen durch federnd leicht ausgeführte Schritte und Gestiken.

Das „Russische Klassische Staatsballett“ stoppte auf seiner Deutschlandtournee in Marburg und zog Zuschauer aller Generationen am Freitag im ausverkauften Erwin-Piscator-Haus in seinen Bann.

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Doch diese Wandlung soll nur ein Traum bleiben. Marie erwacht und das kleine Mädchen findet sich in der häuslichen Stube wieder. Die einst lebendigen Spielzeuge starren starr und bewegungslos. Und gerade als alles in der Traumwelt verloren scheint, erscheint ihr Prinz, lebendig und real. Sie finden sich, schauen sich tief in die Augen und mit dieser schlichten Vereinigung, ganz ohne furiosen Ballettgestus, fällt der Vorhang.

Obwohl das Ballettensemble ohne Orchester unterwegs ist und die Musik aus den Lautsprechern etwas von der ihr innewohnenden Durchschlagskraft vermissen ließ, bescherte die gefühlvolle Inszenierung des „Nussknackers“ eine Einstimmung auf Weihnachten, wie sie schöner kaum sein könnte. Hingerissen von der glitzernden Welt verabschiedeten sich die Zuschauer mit einem langanhaltenden, stürmischen Applaus, bevor sich der Vorhang zum letzten Mal schloss.

von Ines Rudisile

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