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Nur die Liebe zählt - sonst nichts

Cornelia Funkes "Reckless 2" Nur die Liebe zählt - sonst nichts

Der zweite Teil von Cornelia Funkes mehrteiliger neuer Fantasyreihe „Reckless“ ist jetzt erschienen - mit einer Startauflage von 230.000 Exemplaren

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Marburg. Fast niemand nennt sie mit ihrem richtigen Namen: „Celeste“. Man könnte am Namen der Gefährtin von Jacob Reckless ja erkennen, dass sie ein Mädchen ist. Noch dazu eines, das sich langsam zu einer schönen Frau entwickelt. Ganz geschlechtsneutral „Fuchs“ wird Celeste im zweiten Teil von Cornelia Funkes neuer Fantasy-Reihe „Reckless“ stattdessen fast durchgängig genannt. „Lebendige Schatten“ erschien gestern - mit einer Startauflage von 230000 Büchern.

Die Marburger Buchhandlungen haben sich gewappnet, das Buch in großen Mengen vorrätig - der Andrang sei aber nicht so groß wie etwa einst bei Joanne K. Rowlings „Harry Potter“, meinte etwa Barbara Amend von der Buchandlung Elwert.

Die Gestaltwandlerin Fuchs - mal Mensch, mal Füchsin - verdreht den Männern reihenweise die Köpfe. Der eitle Zwerg Valiant verehrt sie, ein Adliger mit dem wohlklingenden Namen Troisclerq macht ihr den Hof. Selbst ihr Freund Jacob Reckless, ein dem älteren der beiden berühmten Brüder Grimm nachempfundener Schatzjäger, mit dem Fuchs viele Jahre durch eine hinter einem Spiegel verborgene Märchenwelt gestreift war, hegt mehr als freundschaftliche Gefühle für sie.

„Lebendige Schatten“ ist die Fortsetzung von „Reckless. Steinernes Fleisch“, jenem Fantasyroman, mit dem Funke vor zwei Jahren eine neue Jugendbuchreihe gestartet hatte. „Reckless 1“ erschien zeitgleich in zwölf Ländern, die Startauflage betrug insgesamt zwei Millionen. Diesmal ist der Trubel weniger groß. „Lebendige Schatten“ kommt zunächst in Deutschland heraus, andere Länder werden 2013 folgen. Insgesamt sollen es mindestens fünf Teile werden.

Wie im ersten Band handelt es sich um eine Abenteuergeschichte, in der Märchen eine große Rolle spielen. Jacob Reckless hat seinen Bruder Will davor bewahrt, eine steinerne Haut zu bekommen. Aber der Preis ist hoch. Jacob muss womöglich sein Leben für das von Will geben. Eine todbringende Motte frisst sich in seine Brust. Nur die Armbrust des Hexenschlächters Guismund kann jetzt noch helfen. Es ist spannend zu lesen, wie Jacob sie zu finden versucht. Aber „Lebendige Schatten“ ist auch ein Liebesroman - vor allem für junge Mädchen.

Es ist kein Zufall, dass eines der dramatischsten Kapitel die Geschichte von Ritter Blaubart variiert. Jenes Märchen also, das auch in der Erstausgabe der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm von 1812 zu finden ist - und das die Themen Liebe und Tod so unheimlich miteinander kombiniert. Ritter Blaubart, bei Funke ist es jener Troisclerq, entführt die schöne Fuchs in sein Schloss. Er will sich erst an ihrer Angst um den vom Tod bedrohten Jacob weiden und sie dann - wie zuvor schon neun andere junge Frauen - ermorden und in der Roten Kammer aufhängen.

Das Motiv der Liebe spielte auch schon im ersten Reckless-Band eine zentrale Rolle. Jacob liebte dort noch die Rote Fee und zwischendurch auch mal, nachdem er einen Liebestrank getrunken hatte, die Freundin seines Bruders Will. Will liebte Clara, Fuchs liebte Jacob und die Dunkle Fee einen Goyl. Das Problem war, dass die viele Liebelei am Ende ziemlich ermüdend wirkte. Funke, die das Buch zusammen mit dem englischen Filmemacher Lionel Wigram erdacht und geschrieben hatte, verzettelte sich. Auch sprachlich war das Buch streckenweise merkwürdig glatt erzählt.

Im zweiten Teil von „Reckless“ findet die 53-Jährige sprachlich und inhaltlich zu ihrer alten Form zurück. Dazu hat sie jetzt eine überzeugende weibliche Identifikationsfigur, eine würdige Nachfolgerin von Meggie aus der „Tintentrilogie“, gefunden. Bei der 12-jährigen Meggie ging es noch um die Liebe eines Kindes zu seinem Vater und der verschollenen Mutter. Im zweiten Teil von „Reckless“ ist die erste große Liebe das große Thema: mit allen Sehnsüchten, aller Hoffnung und aller Verzweiflung, die dazu gehören.

Cornelia Funke: „Reckless. Lebendige Schatten“, Dressler-Verlag, 416 Seiten, 19,95 Euro.

Das Hörbuch mit einer ungekürzten Lesung ist bei Oetinger-Audio erschienen., 9 CDs, 605 Minuten Laufzeit, 29,95 Euro. Es liest „Zauberzunge“ Rainer Strecker.

von Jutta Rinas

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