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Marburg Nikolaus klettert vom Klinikdach
Marburg Nikolaus klettert vom Klinikdach
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00:17 10.12.2018
Oben vom Dach der Mutter-Kind-Klinik seilte sich am Donnerstag der Nikolaus mit seinen Wichteln ab. Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Als Erstes lugte die Zipfelmütze des Wichtels über den Dachrand der Marburger Mutter-Kind-Klinik. Ein kleines Raunen ging durch die Kinderschar, die an den großen Fenstern nach oben schaute, um keine Bewegung des Wichtels zu verpassen.

Auf einmal war ein zweiter Wichtel mit Zipfelmütze, grünem Anzug und Zipfelschuhen zu sehen. Beide kletterten über die Dachreling, knieten am Rand und warteten. Denn einer fehlte noch – der Nikolaus. Als der weiße Rauschebart im roten Kostüm zwischen seinen beiden Helfern erschien, waren die Kinder nicht mehr zu halten. „Ah!“ und „Oh! Der Nikolaus!“, hallte es durch den Flur. Sie drückten ihre Gesichter ganz fest ans Fenster, damit sie auch alles genau sehen konnten, während sich die drei Besucher hoch oben vom Dach abseilten.

Zwischendurch machten sie immer wieder Pause, winkten den Jungen und Mädchen zu, die für ein paar Minuten ihre Krankheit vergessen konnten. Und sie zauberten auch den Eltern und der Belegschaft ein Lachen ins Gesicht, die sich von der heimeligen Atmosphäre und der Aufregung der Kinder mitreißen ließen.

Heile am Boden angekommen, wurde das Trio schon auf der Treppe in Empfang genommen. Es blieb gerade noch Platz für den großen braunen Sack voller kleiner Überraschungen. Jedes Kind, das an diesem Tag auf den Stationen versorgt wurde, bekam eine rote Tüte mit einem Block, einem Stift, einer Orange und einer kleinen Süßigkeit.

Raphael sagte dem Nikolaus sogar sein Gedicht auf. Er wollte eigentlich zusammen mit seinem Bruder im Märchenhaus in Alsfeld beim Nikolaus sein, musste dann aber kurzfristig nach Marburg in die Klinik. Ganz stolz und unaufgeregt stand er vor dem Mann mit dem weißen Bart. Der klatschte gerührt, als Raphael fertig war.

Mit großen Augen verfolgte die zwölfjährige Anna das Geschehen am Fenster. Seit zwei Wochen in der Klinik, hatte sie sich direkt ganz vorn einen Sitzplatz ergattert. Sprechen kann sie nicht, aber die Vorfreude war ihr anzusehen. „Eine ganz tolle Aktion“, fand ihre Mutter Manuela Find. „Gerade wenn man so einen Tag nicht zu Hause mit der Familie begehen kann, dann ist so etwas eine gelungene Ablenkung für uns.“ „Für die Kinder ist das hier heute etwas ganz Großartiges“, sagte Rita Engenhart-Cabillic, Ärztliche Direktorin der Mutter-Kind-Klinik. „Sie werden noch tagelang von diesem Erlebnis erzählen und sich daran erfreuen“, ist sie sich sicher.

Ein bisschen neidisch auf den Nikolaus

Für Nikolaus Gunter Salomon und seine beiden Wichtel Lisa Fülling sowie Nina Hübner war das Abseilen eine Übung in ihrer Funktion als Höhenretter. „Aber eine ganz besondere“, sagte der Feuerwehrmann. Und auch seine weiblichen Begleiterinnen haben sofort zugesagt, als die Anfrage kam. „Das ist auch für uns eine willkommene Abwechslung. Wenn man seine Arbeit mit so einer Aktion verbinden kann, dann macht Arbeit noch viel mehr Spaß“, so Lisa Fülling, als sie sich gerade ihre Zipfelschuhe anzog.

Für Jan Richter war es der erste größere Einsatz als Höhenretter des Landkreises. Er ist ganz neu in der Einheit, arbeitet als Rettungssanitäter. „Ich freue mich total! Überall strahlende Gesichter. Es ist mal etwas Schönes bei all dem nicht so Schönen, was man als Rettungssanitäter erlebt und sieht“, so der 28-Jährige. „Und ich bin ein bisschen neidisch auf den Nikolaus und die Eltern“, fügte er noch mit einem Augenzwinkern hinzu.

Einheitsführer zufrieden mit der Übung

Beim Abseilen seiner Kollegen hielt er das Sicherungsseil von Gunter Salomon. Insgesamt waren acht Höhenretter des Landkreises und Mitglieder der Werksfeuerwehr des UKGM bei dieser tollen Aktion im Einsatz. Sie fingen eine Stunde vorher mit den Vorbereitungen an, denn es war gar nicht so einfach, feste Anschlagspunkte auf dem Dach der Mutter-Kind-Klinik zu finden. Über die Konstruktion des Foyers warfen sie die Seile, um sie auf der anderen Seite unten am Geländer zu fixieren. Im Innenhof standen die Kollegen mit einem Einsatzfahrzeug und gaben mit Blaulicht und Sirene das Startsignal. Der große Scheinwerfer sorgte für genügend Licht für den Nikolaus und seine Wichtel.

Einheitsführer Harry Schulz war nach einer Stunde zufrieden mit der Übung. Er, wie auch alle seine Kollegen, hatte eine Zipfelmütze auf dem Kopf, die mit blinkenden Sternen besetzt war. „Hat alles gut geklappt. Wie sonst im Normalfall auch, nur haben wir da keine Kostüme an“, sagte er lachend. Und sie sorgten für ganz viele leuchtende Kinderaugen.

von Katja Peters