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Neue Welt mit rauchenden Frauen

Theater Neue Welt mit rauchenden Frauen

Das Theaterstück „In die neue Welt III“ von Willi Schmidt hatte im Vorfeld für Aufregung in Schmidts Heimatdorf Wittelsberg gesorgt. Am Donnerstag war Premiere in der Waggonhalle.

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Bauerstochter Leni (Nadine Blanke) raucht mit Hilde (Liese Burket) ihre erste Zigarette. Hilde sagt, in der Stadt würden das die Frauen so machen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ungeduldig warteten die Besucher vor der Waggonhalle, erst um viertel vor acht war Einlass zur neuen Theaterproduktion „In die neue Welt III - Das Sängerfest“. Bereits einen Tag vor der Premiere war die Vorstellung eigentlich ausverkauft, ein paar zusätzliche Stühle schafften weitere Plätze.

Im Parkett war das Publikum eingegliedert in den Bühnenaufbau und saß an Tischen wie in einem Gasthaus – inklusive Bewirtung durch die Kellnerin im Stück. Ein auf einem Podest platzierter Tisch diente als Spielstätte für die Wirtshausszenen. Zwei weitere kleine Podeste waren für Szenen im Haus des Pfarrers und für eine Bank vor dem Gasthaus hergerichtet. In der linken Ecke – schon beim Betreten des Saals gut zu riechen – war ein Heuboden mit echtem Stroh und Heu eingerichtet, auf dem Dienstmagd Dotje (Janika Schemm) die meisten ihrer Szenen spielte.

Gleich zu Beginn hatte der kleine „Projekt-Chor“ einen Auftritt, der kurzfristig für den Wittelsberger Gesangverein eingesprungen war. Das Sängerfest bildet den Rahmen des Stückes, dazu treffen sich die Dorfleute im Gasthaus und tauschen sich bei einem Schoppen über das Neueste aus. Eines der Klatschthemen ist der Selbstmord der Dienstmagd Dotje, die sich ertränkt haben soll. Zudem erzählt man sich, sie sei schwanger gewesen – vom Bauern, an dessen Hof sie angestellt war.

Wenn Leni in ihrer oberhessischen Tracht mit blauen Unschulds-Augen neben Hilde, die als Tochter eines jüdischen Sattlers keine Tracht trägt, auf der Bank sitzt und zum ersten Mal in ihrem Leben an einer Zigarette zieht, scheint plötzlich der Zeitabstand zu heute kaum noch existent. Allerdings sind die Sorgen der Mädchen doch sehr verschieden zu denen heutiger Jugendlicher. Während Leni kurz davor ist, an einen Bauern verheiratet zu werden und damit gegen ihren Willen ein Leben als Bäuerin führen wird, fühlt sich Hilde von der Dorfgemeinschaft nicht wirklich angenommen und möchte am liebsten raus.

Die Aufführungen des Theaterstücks im Gasthaus Nau „Jirje“ in Wittelsberg finden nun doch wie geplant am 16. und 17. September um 20 Uhr statt. Regisseur Willi Schmidt sagte vor der Premiere gegenüber dieser Zeitung, dass er mit der zuvor getätigten Aussage, die in Wittelsberg zu Unmut geführt hatte, nicht beabsichtigt habe, alle Bauern des Missbrauchs zu verdächtigen. Er habe lediglich feststellen wollen, dass Missbrauchsfälle dieser Art in jener Zeit keine Einzelfälle waren.

von Tanja Hamer

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Samstag in der Printausgabe der OP.

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