Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Die neue Uni-Bibliothek ist offiziell eingeweiht
Marburg Die neue Uni-Bibliothek ist offiziell eingeweiht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:57 02.05.2018
Bei der feierlichen Eröffnung der neuen Uni-Bibliothek bewunderten die geladenen Gäste vor allem das helle, lichtdurchflutete Atrium, den Verbindungsteil zwischen den beiden Bibliotheksabschnitten.  Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Fröhliche Gesichter und Komplimente für den gelungenen Neubau gab es allenthalben bei der offiziellen Einweihung der neuen Universitätsbibliothek (UB). „Es ist ein Ort, an dem sich beschwingtes Flanieren und konzentrierte Lektüre mischen. Das ist neu und macht uns gute Laune“, freute sich die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause bei der Begrüßung der geladenen Gäste in der neuen Uni-Bibliothek. Entstanden ist ein wahrer Buchtempel am Fuße der Oberstadt.

Bilder der Fotografin Heike Heuser, die vorwiegend Erinnerungsorte der alte Uni-Bibliothek zeigen, stimmten die Gäste ein. Die breite Fensterfront des Veranstaltungssaals der neuen UB lässt großzügig Raum für Blicke in den Alten Botanischen Garten. Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) freute sich, dass die offizielle Einweihung Ende April stattfand und somit zu einem Zeitpunkt, in dem das Grün der alten Bäume besonders ausgeprägt ist.

Rhein zeigte sich äußerst begeistert von dem Ergebnis des Marburger Bibliotheksneubaus, für den der erste Spatenstich im August 2014 und das Richtfest im November 2015 erfolgt war. Es werde ein Hochschul- und Kulturbau gleichermaßen gefeiert, der Herzstück und Hirn der Universität darstelle. Der Neubau sei optimal eingegliedert an der Nahtstelle zwischen Park und Oberstadt.

In die Lobeshymne stimmte Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) nahtlos ein und sprach von einem „Wow“-Effekt, den er beim Betreten des Gebäudes verspürt habe. Thomas Platte, Chef des als Bauherrn fungierenden Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen (LBIH), erklärte den Gästen die Tücken des Bauens an dem besonderen Standort direkt neben dem Botanischen Garten. Nach dem Abriss von insgesamt 17 Gebäuden inklusive der Uni-Frauenklinik sei eine Baugrube von 200 Metern Länge ausgehoben worden. Eine Absenkung des Grundwasserspiegels habe bewirkt, dass die neue UB wie in einem Trockendock errichtet worden sei.

Kein Luftschloss

Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause ließ in ihrer Ansprache den fast ein Jahrzehnt währenden Planungsprozess Revue passieren. Ziel der Uni-Leitung sei es gewesen, in dem neuen Campus-Konzept die geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächer aus dem bisherigen Standort an der Stadtautobahn in das Herz der Stadt zu verlagern und auf dem ehemaligen Areal des Uni-Klinikums um die neue UB zu versammeln.

Zwischenzeitlich habe es auch andere Ideen gegeben wie „zentrales Wohnen für alte Menschen in der Nordstadt“. Luftschlösser seien zwar ganz schön, kommentierte die Präsidentin. Doch lieber sei ihr eine fest gegründete Universitätsbibliothek mit moderner Technik.

Der Neubau sei aber nicht nur ein neues Gebäude, sondern beinhalte mit der Einbeziehung mehreren Institutsbibliotheken auch eine neue Aufstellung der Bestände sowie ein großes Personalentwicklungskonzept.
Es stehe aber noch eine Dächersanierung bei einigen der künftigen Campusbauten rund um die UB an, mahnte Krause an. Und einen ganz konkreten Wunsch hatte die Präsidentin an die Stadt Marburg: die Schaffung eines Zebrastreifens, der zur gefahrlosen Querung der Deutschhausstraße mit beitragen könne. Denn viele Bibliotheksnutzer würden jetzt nach der Eröffnung des Neubaus den Weg von der Bibliothek durch ein Tor auf Höhe der ehemaligen HNO-Klinik Richtung Firmaneiplatz nehmen. „Das ist ein preiswerter Wunsch“, meinte Krause. Sie sei auch geduldig, wenn es etwas länger dauere.

Finanzminister Schäfer nahm die Anregung aus der von ihm so bezeichneten „gehobenen Baubesprechung“ Krauses sofort auf. Er scherzte, dass der auch anwesende Sören Bartol (SPD) als Mitglied des Verkehrsausschusses des Bundestags doch gleich den Zebrastreifen mit Acrylfarbe anlegen könne. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies meinte, dass ein Zebrastreifen noch eine einfache Übung für die Stadtpolitik sei.

Er erinnerte aber auch daran, dass der Firmaneiplatz neu gestaltet werden solle. Man müsse jetzt abwarten, wie sich die Verkehrsströme rund um die neue UB entwickeln. „Mit dem UB-Umzug schaffen wir eine Belebung des Nordviertels nach dem Wegzug der Kliniken“, freute sich Spies. Hier könne im Schatten der Elisabethkirche vielleicht auch der Startpunkt für einen zukünftigen städtischen Boulevard bis zum Hauptbahnhof sein. Dort könne ein „Outdoor“-Bereich zum beschwingten Flanieren entstehen, so Spies.