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Frauenpower für das Landestheater

Hessisches Landestheater Marburg Frauenpower für das Landestheater

Am 8. August beginnen die Proben für den Aufschlag des neuen Teams: „Maria Stuart / Ulrike Maria Stuart“, der Doppelabend der Doppelspitze, hat am 21. September ­Premiere. Geplant sind 17 Produktionen.

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Eva Lange (links) und Carola Unser leiten ab Sommer das Hessische Landestheater Marburg. ­Gestern stellten sie ihren ersten Spielplan vor.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Ein Intendantenwechsel an einem Theater bringt erhebliche Veränderungen mit sich. Die Teams auf und hinter der Bühne verändern sich gewaltig. Dies gilt auch für die beiden neuen Intendantinnen Carola Unser (43) und Eva Lange (45), die im Sommer Matthias Faltz ablösen werden.

Absolut neu für Hessens Theaterszene ist die Doppelspitze in der Leitung eines Theaters. Dies machte gestern auch Jan-Sebastian Kittel, Theaterreferent des Landes Hessen, deutlich: „Es ist ein besonderer Tag für das ­hessische Theaterleben. Erstmals vertrauen wir eine große Kultureinrichtung einer Doppel­spitze an.“ Dass es zudem zwei Frauen sind, ist wohl einzig­artig in Deutschland – Frauenpower für das Landestheater.

Theater als "Kristallisationspunkt der Stadtgesellschaft"

Bei der Vorstellung ihres ersten, sehr ambitionierten Spielplans unter dem Motto „Transit Leben“ im Erwin-Piscator-Haus (EPH) wurde deutlich: Die beiden Intendantinnen sprühen vor Energie und freuen sich riesig auf ihre neue Aufgabe. Der Spielzeitauftakt am 21. September gibt auch ein Stück weit den Tenor vor: Gespielt werden gleich zwei Stücke in einem Bühnenbild: In „Maria Stuart / Ulrike Maria Stuart“ trifft Friedrich Schillers Klassiker auf Elfriede Jelineks Schiller-Übertragung auf die RAF-Frauen Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin. Regie führt Eva Lange.

Die künftigen Intendantinnen verstehen Theater als politische Einrichtung, wollen sich mit ihren Produktionen „in einer diskursfreudigen Stadt“ einmischen in öffentliche Debatten. „In Zeiten, in denen ein US-Präsident via Twitter einen Krieg androht, wollen wir Umbrüche und Aufbrüche thematisieren“, sagte Carola Unser. Sie und ihre Kollegin wollen „das Theater zu einem Kristallisationspunkt der Stadtgesellschaft“ machen.

Genau das gefällt Oberbürgermeister und Kulturdeuzernent Dr. Thomas Spiel, der die große  Bedeutung des Theaters für Marburg hervorhob.

„Wollen gutes Theater auf Großstadtniveau bieten“

Eva Lange betonte: „Wir verstehen das Theater als Ort für alle Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen – von klein bis alt, von jung bis wild.“ Dies schlägt sich auch im 200-seitigen Spielzeitheft im Taschenbuchformat nieder, das dreisprachig gehalten ist: Deutsch, englisch und arabisch.

Qualitativ wollen die beiden Intendantinnen „gutes Theater auf Großstadtniveau bieten“, und dies auch auf dem Land, denn beiden ist klar: Ein Landestheater hat die Aufgabe, auch die Fläche zu bespielen. Dabei wird es keine Trennung mehr zwischen Abendspielplan und Kinder- und Jugendtheater geben. Ein Beispiel dafür soll das Weihnachtsstück „Ronja Räubertochter“ nach dem Roman von Astrid Lindgren werden, das am 11. November im EPH Premiere hat. „Mit bestmöglicher Ausstattung“ soll es auf die Bühne gebracht werden.

17 Premieren stehen auf dem Spielplan für die Spielzeit 2018/19. Darunter sind als dritte Produktion für das EPH das Musical „Cabaret“ und das Sommertheater „Leonce und Lena“ von Georg Büchner, das nicht auf dem Marktplatz, sondern auf der Freilichtbühne gespielt werden soll. Ungewöhnlich für ein kleines Landestheater: Gleich fünf Uraufführungen und eine Deutsche Erstaufführung stehen auf dem Spielplan. Uraufgeführt wird in Marburg etwa Hape Kerkelings ­Pilgerreise „Ich bin dann mal weg“ und „Hans im Glück“, das von dem Südafrikaner Xabis Zweni in einem Container inszeniert wird, der danach auf Reisen gehen soll (den kompletten Spielplan stellt die OP morgen vor).

Elf neue Schauspielerinnen und Schauspieler

Die beiden Theatermacherinnen, die von der Landesbühne Niedersachsen Nord kommen, bringen elf neue Schauspielerinnen und Schauspieler mit. Vom bestehenden Ensemble bleiben Victoria Schmidt, Jürgen Helmut Keuchel, Daniel Sempf, Stefan Piskorz, Arthur Molin und Camil Morariu. Zum Ensemble zählt auch die Performerin Romy Lehmann, die als „Botschafterin für ­Kollaboration und Unsinniges“ eine eigene Reihe betreuen wird: „Watch Me Fail“ – Schau mir beim Scheitern zu. Das Ensemble ist damit, auch das ist in der deutschen Theaterlandschaft sehr selten, zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt.

Auch hinter den Kulissen wird es Veränderungen geben: Die Dramaturgie wird neu besetzt, ebenso die Öffentlichkeitsarbeit. Die Theaterpädagogen Jürgen Sachs, Michael Pietsch und Juliane Nowak bleiben Marburg erhalten wie auch Verwaltungsleiter Dieter Dreßen.

von Uwe Badouin

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