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Marburg Nein zu Mini-Wohnungen für Ausländer
Marburg Nein zu Mini-Wohnungen für Ausländer
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00:17 15.06.2018
Mini-Wohnungen in der Friedrich-Ebert-Straße, mutmaßlich speziell für Asylbewerber? Der Ortsbeirat Richtsberg lehnt die Aufstockung von Flachbauten für so einen Zweck ab. Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die seit 2016 bestehende Umnutzung eines Krankenhausgebäudes auf dem Vitos-Gelände, das mit 15 Zimmern ausgestattete sogenannte „Haus Syrer“, soll für weitere zwei Jahre als Wohnheim genutzt, umgebaut und auf Familienunterbringung ausgerichtet werden. Grundsätzlich sollen nach einem Umbau, für den ein Bauantrag vorliegt, künftig 60 Menschen dort leben können, davon 40 Erwachsene plus Kinder. Der Ortsbeirat hat allerdings Bedenken gegen diese Pläne: Das Gebäude sei zu klein und verfüge nicht über genügend Sanitäranlagen für diese Zahl an Menschen.

Auch die von einem Lebensmittelmarkt-Besitzer unweit des Vitos-Geländes in der Friedrich-Ebert-Straße geplante Erweiterung, die Aufstockung eines Flachbaus erntet Kritik. Nach den Plänen sollen in den neu entstehenden, je 130 Quadratmeter Wohnfläche umfassenden Geschossen viele Klein-Apartments und ein Küchenraum sowie Duschen entstehen. Vermutung der Ortsbeiratsmitglieder: Wohnraum-Ausrichtung auf Asylbewerber, für deren Unterbringung der Staat dem Besitzer Miete zahlen soll. Der Ortsbeirat lehnt das Bauvorhaben ab, will mit dem Lebensmittelmarkt-Besitzer aber noch ein „klärendes Gespräch“ führen.

Hunderte neue Menschen? „Ich habe Bauchschmerzen“

Bernd Hannemann (Linke)­ sprach angesichts der neuen Verdichtungs-Vorhaben unterdessen von einer „drohenden Ghettoisierung“, die am Richtsberg stattfände: „Es gibt bundesweit die Tendenz in sozial schwachen Stadtteilen immer wieder den Wohnraum zu verdichten. Ich habe da große Bauchschmerzen.“ Das sieht die Gremiumsmehrheit so und mahnt, dass der „soziale Frieden im Stadtteil“ gewahrt werden müsse. Allein schon wegen der ständig wachsenden Anwohnerzahl könne es im Wohnquartier Widerstand gegen die Verdichtungen geben.

„Es sind doch schon mehrere­ Baumaßnahmen geplant, die Hunderte neue Menschen hier bedeuten. Wir sollten erst einmal gucken, wie das funktioniert, bevor ständig neue Wohnungen gebaut werden“, sagte­ Runhild Piper (CDU) und erhielt Unterstützung von Bettina Böttcher (SPD): „Gerade die Friedrich-Ebert-Straße ist doch verkehrstechnisch schon eine­ Katastrophe. Auch die Busse sind völlig überfüllt. Man merkt, dass immer mehr Menschen da sind.“

von Benjamin Kaiser