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So viele Leute nutzen Auto, Bus oder Rad

Nahverkehrsplan Marburg So viele Leute nutzen Auto, Bus oder Rad

Auf dem Weg zur Fahrradstadt? Radwege-Ausbau und Velo-Vorrang auf Sonderstrecken, Ampel-App für Handys: Der Zweiradverkehr rückt immer mehr in den Fokus – und das, obwohl sein Anteil am Gesamtverkehr gering ist.

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Das beliebteste Transportmittel in Marburg? Die Rangliste: Auto, Bus, Rad. Laut aktuellem Nahverkehrsplan werden in der Universitätsstadt jedenfalls mehr Wege zu Fuß als mit dem Rad zurückgelegt.

Quelle: Archivfotos

Marburg. Laut aktuellem Nahverkehrsplan entfallen in der Universitätsstadt auf Autos, Motorräder und Mopeds 64,5 Prozent, auf den Bus- und Schienenverkehr 15,4 Prozent, auf Fußgänger 14,7 Prozent und auf Radverkehr 5,4 Prozent am Gesamtanteil der täglich zurückgelegten Wege. Selbst wenn die bewältigten Strecken, die auf nicht in Marburg wohnende Berufspendler zurückgehen, aus der sogenannten Modal-Split-Ermittlung herausgerechnet werden, macht der Radverkehrsstreckenanteil nur sieben Prozent aus.

Dennoch wird seitens des Magistrats immer mehr zugunsten dieses Transportmittels unternommen – was der Stadt im Jahr 2016 auch einen Preis des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs einbrachte. Und nun verfolgt die SPD, stärkste politische Kraft im Stadtparlament, den Plan, mehr Fahrradstraßen wie etwa in der Uferstraße einzurichten. Vor allem aber solle es eine Kehrtwende bei der Verkehrsplanung geben und künftig auf spezialisierte statt integrierte Verkehrswege gesetzt werden – also getrennte Fahrspuren für Autos, Fahrräder und Busse geben. Eine Forderung, die auch die Deutsche Verkehrswacht erhebt.

Und auch das Kurzkonzept für einen „Green City“-Plan, der der Luftreinheit dienen und im August fertig sein soll, stellt die Radinfrastruktur in den Mittelpunkt. Ein konkreter Schritt könnte die Integration von E-Bikes in das bestehende, vom Asta angestoßene Rad-Verleihsystem sein.

Verkehrsmittel Auto hat „unveränderte Dominanz“

Die grundsätzliche Entwicklung des Mobilitätsverhaltens wird seit 2003 von der TU Dresden in Fünfjahresintervallen untersucht. Ergebnis: Mit Marburg vergleichbar große Städte – etwa Ratingen – liegen in der Regel zwischen sieben und neun Prozent Radverkehrsanteil. Auch die von der Bundesregierung beauftragte Untersuchung „Mobilität in Deutschland“ (MID) kommt im Jahr 2017 zu ähnlichen Ergebnissen, ermittelte einen bundesweiten Durchschnittswert von elf Prozent Radverkehrsanteil, in Hessen sind es demnach zehn, in der Kategorie „Ländliche Region, Mittelstadt, städtischer Raum“ – zu der Marburg gezählt werden könnte – im Schnitt neun Prozent.

Auto- und ihre Mitfahrer machten demnach im vergangenen Jahr 60 Prozent Anteil am Modal-Split aus – ein im Laufe der vergangenen rund 20 Jahre nur leicht abnehmender Wert. Resümee des Bundesverkehrsministeriums: Die Gestalt der Alltagsmobilität sei eine Folge ihrer Rahmenbedingungen. Die Siedlungsstruktur – auch die Topografie – bestimme die Mobilitätsnachfrage „ganz entscheidend“, ebenso prägend sei die Situation auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt.

Leih-Elektrofahrräder könnten kommen

Das Auto habe aber eine „unveränderte Dominanz“, die Nutzungszuwächse sowohl von Rad- als auch Nahverkehr „fallen geringer aus als mitunter erwartet oder erhofft“. Das Auto bleibe „mit weitem Abstand Verkehrsträger Nummer eins.“ Im Gegensatz zu Effekten von Car­sharing-Modellen oder Leihradsystemen, wie es das auch in Marburg gibt, fällt das Urteil über Pedelecs, Elektrofahrräder positiv aus: Sei seien „in kurzer Zeit zu einer signifikanten Größe geworden“. Das ist ein Trend, den die Stadt angesichts der Marburger Hügellandschaft über den Green-City-Plan wohl verstärken will. 500.000 Euro sind für die Anschaffung laut Kurz-Konzept veranschlagt. Von 50 bis 200 möglichen Leih-E-Bikes ist darin die Rede.

Grundsätzlich werde dort, wo ein gutes Radverkehrsangebot bestehe, dieses von Bürgern „auch in Anspruch genommen“, heißt es jedenfalls im MID-Bericht. Vor allem für Kurzstrecken. Entscheidend für eine Reduzierung der Auto-Dominanz seien aber „quantitative und qualitative Verbesserung der Nahverkehrsangebote“.

von Björn Wisker

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