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Vier Ausnahmegitarristen in einer Show

„Nacht der Gitarren“ Vier Ausnahmegitarristen in einer Show

Hinsetzen, Augen schließen und genießen war ­angesagt im KFZ. Bei der „Nacht der Gitarren“ ­kamen Fans der Akustikgitarre voll auf ihre Kosten.

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Ebenso entspannt wie auf der Bühne präsentierten sich die vier Ausnahmegitarristen Michael Chapdelaine (von links), Marek Pasieczny, Calum Graham und Lulo Reinhardt in der Pause der Show im KFZ-Foyer.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Als packendes Ensemble der Klangvielfalt präsentierten sich die Gipsy-Jazz-Legende Lulo Reinhardt, der Fingerstyle Champion Michael Chapdelaine aus den USA, der junge kanadische Künstler und Youtube-Star Calum Graham und der Klassik-Virtuose Dr. Marek Pasieczny aus Polen, ein stets gut gelaunter Zauberer an der Gitarre.

Vor rund 350 Fans gaben die vier Gitarren-Koryphäen am Samstag im KFZ einen vielseitigen Einblick in die hohe Kunst des akustischen Gitarrenspiels. Vier ganz unterschiedliche Stile mischten sich über zwei Stunden im steten Wechsel. Mal traten die Musiker alleine, mal im Duett oder im Quartett auf.

Wer dachte, dass an diesem Abend zweieinhalb Stunden entspanntes Dösen zur Musik angesagt war, der wurde eines Besseren belehrt. Die vier so unterschiedlichen Typen auf der Bühne brachten nicht nur einen fulminanten musikalischen Wechsel nach dem anderen zustande – sie unterhielten das Publikum auch mit witzigen Anekdoten aus ihrem Leben und kunstvollen Showeinlagen.

Da wurde die Gitarre auch mal zur Trommel oder zum alternativen Waschbrett umfunktioniert, bis zur Perfektion ausgefeilt vom jungen Pasieczny, der sehr verspielt und mit sichtbarer Leidenschaft die Klassik an der Gitarre ganz neu erfand oder kleine musikalische Impressionen seiner polnischen Heimat zum Besten gab – und dies stets mit einem Grinsen.

Lockere Atmosphäre im Saal

„Er ist der lustigste Klassik-Gitarrist, den ich je getroffen habe“, gab Reinhardt zu, der gemeinsam mit dem jungen Komponisten klangvolle Stil-Experimente und ein stark rhythmisches Duett zustande brachte. Reinhardt selber, bekannt als ebenso musikalischer Großneffe der Gipsy-Jazz-Legende Django Reinhardt, sei dagegen „einer, der alles macht“. Mal Bass, mal Solo-Gitarre, mal Latin-Einflüsse, mal Flamenco. Das demonstrierte er mit einer neu komponierten Filmmusik aus Marokko, der „Desert Inspiration“. Und wie ein wilder Ritt durch die Wüste klang auch der Song, frei, rasant und stürmisch.

Neben neuen Kompositionen kamen auch altbekannte Klassiker von Sinatra und anderen Musikgrößen beim Publikum an. Die ließen unter anderem Graham und Chapdelaine mit viel Gefühl in harmonischen Medleys verschmelzen. Wer an diesem Abend nicht einmal zum Seufzen, zum Mitwippen oder Schmunzeln kam, der hatte nicht richtig hingehört.

Anklang fand besonders die lockere Atmosphäre im Saal wie auf der Bühne. Die entspannte und dabei intensive Kommunikation der vier Musiker schien zu stimmen, zwischenmenschlich mit vielen Lachern und ebenso im Spiel. Mit donnerndem Applaus, Pfiffen der Anerkennung und anhaltendem Jubel honorierte das Publikum ein spannungsgeladenes musikalisches Wechselspiel.

Das Quartett wird noch einige Monate weiterziehen, nach ihrer Europatour folgen Auftritte in den USA und Kanada. Im kommenden Jahr werden die Protagonisten der Nacht der Gitarren erneut wechseln und ein neues Team wird auf Tour gehen. Seit Jahren präsentiert das musikalische Event von Organisator Brian Gore die besten Akustikgitarristen.

von Ina Tannert

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