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Ein Liebhaber 
der Alten Musik ist tot

Nachruf: Otfried von Steuber Ein Liebhaber 
der Alten Musik ist tot

Vielen Marburgern ist Otfried von Steuber durch sein Engagement für die Alte Musik in Erinnerung. Er war einer der wenigen Musikwissenschaftler, der die Bedeutung seiner Arbeit für die Aufführungspraxis immer im Blick hatte. ­Dabei war Otfried von Steuber eigentlich Gymnasiallehrer für Mathematik und Physik. Er ist am 4. Oktober im Alter von 90 Jahren gestorben.

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Otfried von Steuber starb im ­Alter von 90 Jahren.

Quelle: privat

Marburg. Otfried von Steuber wurde am 6. Oktober 1926 in Aurich geboren. Im Zweiten Weltkrieg kam er im Zuge der Kinderlandverschickung erst nach Dresden, später nach Kassel. Schließlich wurde auch die Kasseler Schule­ nach Steinatal im Knüllgebirge­ ausgelagert. Aus dieser Schule­ ging die Melanchthonschule hervor, an der Otto von Steuber­ nach seinem Studium der ­Mathematik und Physik in Marburg unterrichtete. Zwei Jahre lang – von 1963 bis 1965 – lehrte er auch an einer Schule im ­Libanon.

Bekannt und geschätzt wurde er in Marburg als Liebhaber, Musiker und schließlich auch Erforscher der Alten Musik. 1957 trat er der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft bei, arbeitete in deren Beirat und unterstützte organisatorisch die Heinrich-Schütz-Feste 1972 und 1993 in Marburg.

Bleibenden Verdienst erwarb sich von Steuber vor allem­ mit der Erschließung neuer ­musikalischer Quellen. Erstmals machte er auf sich aufmerksam mit der Editierung von Werken des Barockkomponisten Philipp Heinrich Erlebach (1657 – 1714). Zu seinem Lebenswerk wurde jedoch die Aufbereitung und Verbreitung der Werke des Stettiner Kantors Philipp Dulichius (1562 – 1631).

Inspiriert vom eigenen Musizieren begann von Steuber nach seiner Pensionierung 1990, die noch nicht veröffentlichten Werke herauszugeben. Es gelang ihm, bis 2011 die fehlenden Bände einer Gesamtausgabe aller 223 Motetten des pommerschen Komponisten vorzulegen.

Erstaufführungen der von ihm wieder zugänglich gemachten Werke fanden unter anderem 2001 und 2008 in Marburg durch das „Ensemble für Alte Musik Saltarello” unter Begleitung Otfried von Steubers statt. Außerdem reichte er 2001 – im Alter von 75 Jahren – eine musikwissenschaftliche Dissertation mit dem Titel „Philipp Dulichius, Leben und Werk“ ein.

In der musikalischen und ­musikwissenschaftlichen Landschaft in Marburg, Deutschland und darüber hinaus war er bekannt und stand in vielfältiger Korrespondenz. Otfried von Steuber heiratete 1961 Margot von Steuber. Er hatte fünf Kinder.

von Tobias Irmscher

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