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Marburg Das Gesicht
 des Konzertvereins ist tot
Marburg Das Gesicht
 des Konzertvereins ist tot
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18:08 08.08.2017
Manfred Eckhardt war mehr als drei Jahrzehnte Geschäftsführer des Marburger Konzertvereins. Quelle: Michael Arndt
Marburg

Manfred Eckhardt hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass der Vereinsmotor weiter lief – trotz Sand im Getriebe.

Mehr als drei Jahrzehnte wirkte er als Geschäftsführer des Marburger Konzertvereins – 
ehrenamtlich, versteht sich. Anfangs, von 1986 bis 1995, stand noch Karl-Heinz Henckel an seiner Seite, der ab 1956 als Geschäftsführer maßgeblich mit dazu beigetragen hatte, dass der 1786 gegründete Verein aus Ruinen wiederauferstehen konnte.

Nur selten sah man Manfred Eckhardt während der Konzerte im Publikum. Aber er hörte dennoch zu – hinter der Bühne. Es konnte ja immer möglich sein, dass er dort gebraucht wurde. Oft bereits Stunden vor dem Konzert kümmerte er sich um das Wohlergehen der Künstler.

Um Musik ohne solche Verpflichtungen genießen zu können, dafür fuhr er mit seiner Frau Rosemarie zum Beispiel zum Festival „Kissinger Sommer“ ins fränkische Heilbad.

Glücklich mit der neuen Stadthalle war er nicht

Bevor in Marburg der erste Takt Musik erklang, war sein Platz die Abendkasse. Dort versuchte er, möglichst allen Kartenwünschen gerecht zu werden, genauso wie es bei der Verwaltung der Abonnements sein Prinzip war. Deshalb kannte ihn nahezu jeder Abonnent und Konzertbesucher. Es ist also nicht übertrieben, Manfred Eckhardt das Gesicht des Konzertvereins zu nennen.

Eine der größten Herausforderungen seiner Geschäftsführertätigkeit meisterte Manfred Eckhardt beim Umzug aus der Stadthalle ins Ausweichquartier Audimax. Auch die Rückkehr ins neu gestaltete Erwin-Piscator-Haus gestaltete er wesentlich mit. Nicht auszudenken, wie diese ohne seine Mitwirkung verlaufen wäre.

Glücklich war er allerdings nicht mit der „neuen“ Stadthalle, wie er mir gegenüber, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, berichtete. Ihm gefiel nicht, dass es keine richtige Kasse mehr gibt, er seines Amtes nun, in die äußerste Ecke des Foyers gedrängt, hinter einem Tresen verrichten musste. Und er übte auch Kritik an der Neugestaltung der Räume hinter der Bühne, die seines Erachtens viel zu wenig Platz gerade für große Orchester bieten.

„Ich habe ein
 erfülltes Leben gehabt“

Fast bis zum Schluss der vergangenen Spielzeit war Manfred Eckhardt an der Abendkasse des Konzertvereins anzutreffen. Dann raubte ihm seine Krankheit dafür die Kraft.

Mit seinem Schicksal hat er jedoch nicht gehadert. Als er mir im vergangenen Jahr sagte, dass er todkrank sei, fügte er hinzu: „Aber ich will mich nicht beklagen, ich habe ein erfülltes Leben gehabt.“

Am vergangenen Donnerstag ist Manfred Eckhardt im 77. Lebensjahr verstorben. Seinen letzten Weg tritt er am Freitag ab 12.30 Uhr von der Friedhofskapelle Ockershäuser Allee aus an. Ich werde die Gespräche mit ihm in den Konzertpausen oder, falls dies nicht möglich war, telefonisch am Morgen nach dem Konzert vermissen.

von Michael Arndt