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Nachfolger zieht auf eine Baustelle

Universitätsmuseum Nachfolger zieht auf eine Baustelle

Nach viereinhalb Jahren verlässt Dr. Agnes Tieze das Universitätsmuseum. Derzeit zieht sie gerade um. Was hat sie erreicht, wie geht es weiter mit dem Museum? Die OP sprach mit der scheidenden Direktorin.

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Dr. Agnes Tieze im Treppenaufgang des Universitätsmuseums für Bildende Kunst in der Biegenstraße. Tieze tritt am 2. April eine neue Direktorenstelle in Regensburg an.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Klein ist das Büro von Dr. Agnes Tieze. Und hellhörig. Irgendwo dröhnen Bohrmaschinen. Noch ist das auszuhalten, zumal die Direktorin des Universitätsmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte ohnehin auf gepackten Koffern sitzt. Am 2. April wird sie ihre neue Stelle als Direktorin des Regensburger Kunstforums Ostdeutsche Galerie antreten.

Das Universitätsmuseum in der Biegenstraße wird für 4,9 Millionen Euro energetisch saniert: In Kürze wird mit der Sanierung des 3260 Quadratmeter großen Schieferdaches begonnen. Im Zuge der Fassadenarbeiten werden auch die Fenster und der Sandsteinsockel saniert. Parallel dazu wird eine Abwasser-Hebeanlage im Untergeschos eingebaut und die Entwässerung erneuert.

Derzeit werden die Kunstwerke in dem seit 14. November geschlossenen Museum verstaut – „im August könnten dann die neuen Fenster eingebaut werden“, hofft Tieze.

Wann die Arbeiten abgeschlossen werden, ist noch nicht klar. Die Universität rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren.

Ob und wie das 1927 errichtete Ernst-von-Hülsen-Haus innen saniert werden kann, ist nach Angaben von Universitäts-Pressesprecherin Dr. Susanne Igler noch völlig offen. „Es gibt noch keinen Plan“, sagt Igler. Sie weiß aber: „Es wird sehr kompliziert.“ Schließlich ist das Ernst-von-Hülsen-Haus das Zentrum der kunst- und kulturgeschichtlichen Fächer und Sammlungen der Philipps-Universität. Neben dem Universitätsmuseum für Bildende Kunst befinden sich dort die Institute der Kunstgeschichte, der Musikwissenschaft mit einem eigenem Konzertsaal, der Vor- und Frühgeschichte, der Klassischen sowie der Christlichen Archäologie und das Bildarchiv Foto Marburg. Eine dringend nötige Sanierung würde die Forschungs- und Lehrtätigkeit massiv beeinträchtigen. Und wenn saniert würde, das ist allen klar, müsste es grundlegend geschehen. „Das Haus müsste barrierefrei erschlossen werden“, meint Tieze.

Ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin wird also für lange Zeit auf einer Baustelle residieren. Rund 90 Frauen und Männer haben sich bei der Philipps-Universität um die Nachfolge von Dr. Agnes Tieze beworben. Es seien viele hochqualifizierte Bewerbungen darunter, das Auswahl-Verfahren laufe, so Tieze und Uni-Sprecherin Igler.

Tieze hat seit Oktober 2007 viel bewegt in Marburg. Sie hat einen Teil der Sammlungen im Schloss moderner präsentiert und das Museum in der Biegenstraße mit Veranstaltungen wie etwa der sehr populären Reihe „Prominente führen ihr Lieblingsbild“ für neue Besucherschichten geöffnet.

Wichtig waren aber vor allem die Arbeiten im Hintergrund: Sie hat dafür gesorgt, dass die fragilen Papierarbeiten konservatorisch richtig behandelt werden und sie hat das Depot des Kunstmuseums, dem rund 1000 Werke gehören, neu organisiert. Dadurch werde Platz im Museum für die Sammlung Eitel, die 58 Werke umfasst, und nach Ansicht Tiezes „problemlos in die bestehende Ausstellung integriert werden kann“.

Dennoch warten auf ihren Nachfolger viele Aufgaben, etwa den ursprünglichen Rundgang im Museum in der Biegenstraße wieder zu öffnen neu zu gestalten oder die Sammlungen im Schloss neu zu konzipieren. In Absprache mit der Stadt sei dort auch ein stadthistorischer Teil denkbar, sagt Tieze.

Sie ist zwar „ein wenig traurig, weil ich nicht alles abschließen konnte“, freut sich aber auf die neue Herausforderung in Regensburg. Dort leitet die 41-Jährige eine deutlich größere Galerie, die sich auf die Kunst der ehemals deutsch geprägten Gebiete in Osteuropa spezialisiert hat. Und Regensburg ist als Stadt ja auch nicht zu verachten.

von Uwe Badouin

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