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Marburg Pharmakonzern erwartet Rekordüberschuss
Marburg Pharmakonzern erwartet Rekordüberschuss
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16:53 21.02.2018
Craig Shelanskey (von links), Dr. Johannes Krämer und Frank Liesner stellten die Halbjahreszahlen von CSL vor. Quelle: Andreas Schmidt
Marburg

Demnach stieg der Umsatz im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres, das im Dezember endete, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum währungsbereinigt von gut 3,67 Milliarden auf knapp 4,09 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 11 Prozent.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg von knapp 1,23 Milliarden auf knapp 1,58 Milliarden US-Dollar, was einem Anstieg um 28 Prozent entspricht.

Und den Nettogewinn nach Steuern beziffert CSL auf 1,055 Milliarden US-Dollar – ein Plus zum Vorjahreszeitraum um 31 Prozent, denn damals lag der Gewinn noch bei 806 Millionen Dollar.

„Die Aktie hat an der australischen Börse direkt reagiert – es gab einen positiven Trend um sieben australische Dollar“, sagt Frank Liesner, Leiter Finance & Sourcing bei CSL Behring Marburg, im Gespräch mit der OP. Die Aktie sei bei Bekanntgabe der Zahlen von 142 auf 149 australische Dollar gestiegen.

„Und Marburg trägt zum Gesamtergebnis einen großen Teil bei“, verdeutlicht Liesner. Etwa ein Drittel des Konzernumsatzes entfalle auf Produkte aus Marburg. Allerdings weist der Konzern das Einzelergebnis des Geschäftsteils aus der Universitätsstadt nicht einzeln aus.

Erfolgsträger in Marburg waren demnach das Medikament „Haegarda“, das laut Unternehmensangaben einzige Produkt zur subkutanen Anwendung bei der seltenen Krankheit „hereditäres Angioödem“ (HAE).

„Dort haben wir sehr gute Wachstumsraten“, sagte Liesner, ohne dies zu spezifizieren. Ebenfalls in Marburg wird „Idelvion“ produziert – ein rekombinantes Medikament zur Therapie bei Hämophilie B. „Auch dieses verzeichnet sehr starke Wachstumsraten und wird hervorragend 
am Markt von den Patienten angenommen“, so Liesner.

120 Millionen Euro sollen in Marburg investiert werden

Aufgrund der positiven Entwicklung habe der Konzern seine Gewinnprognose nach oben korrigiert: Ging CSL bis dato von einem Gewinn zwischen 1,48 und 1,55 Milliarden US-Dollar 
aus, so liegt die Prognose nun zwischen 1,55 und 1,6 Milliarden US-Dollar. „Wir gehen also von einem rund 100 Millionen Dollar höheren Überschuss aus“, verdeutlicht Liesner.

Diese positiven Prognosen sollen sich auch positiv auf den Standort Marburg auswirken: Dort sollen in diesem Geschäftsjahr 120 Millionen Euro investiert werden. „Über den Daumen werden davon etwa 33 Prozent auf Firmen in Hessen entfallen – und davon 10 Prozent im Landkreis und 5 Prozent direkt in der Stadt Marburg 
an Aufträgen“, rechnet Liesner vor.

Dr. Johannes Krämer, Leiter Engineering, verdeutlichte, dass der Bau der Basisfraktionierung (die OP berichtete) wie geplant voranschreite. Im März soll der Rohbau abgeschlossen sein, im Herbst könnten bereits erste technische Teile wie Heizung und Lüftung in Betrieb gehen. „Geplant ist, dass 2022 die Anlage produktiv genutzt wird“, so Krämer.

Gerade abgeschlossen habe man die Erweiterung einer Produktionsanlage für das Medikament Berinert, das ebenfalls bei HAE zum Einsatz kommt. „Das ist ein Projekt, das nicht minder bedeutsam ist – auch wenn die Investsumme mit gut 42 Millionen Euro wesentlich geringer ist“, so Krämer.

Die Anlage sei hochautomatisiert „und wird von einem Prozessleitsystem geführt, wo der Mitarbeiter mehr oder weniger genau gesagt bekommt, was er machen muss“, erläutert Krämer. Die Anlage sei in der Zulassungsphase und werde wohl noch dieses Jahr in Betrieb gehen.

Rund 1 000 Mitarbeiter müssen geschult werden

Ein Mammutprojekt steht derzeit zudem softwareseitig bei CSL Behring an: Der Wechsel auf ein neues ERP-System. „Letztendlich ist das nicht nur ein Softwareupdate, sondern wir schauen uns auch ganz sorgfältig alle Prozesse an“, erläutert Liesner. Ziel sei es, konzernweit standardisierte Abläufe zu gewährleisten – „im gesamten Produktionsumfeld, im Finanz- und Rechnungswesen und auf allen Ebenen“.

Das bedeute, dass alleine in Marburg rund 1 000 Mitarbeiter auf neue Systeme und Anwendungen geschult werden müssten, man gehe von einer sechsmonatigen Vorbereitung aus, bevor man am 1. August live gehen werde. Um dieses Ziel zu erreichen, würden projektbezogen rund 120 zusätzliche Mitarbeiter nach Marburg kommen und ein eigenes Containerbürodorf in Görzhausen aufgebaut werden.

Craig Shelanskey, Geschäftsführer von CSL Behring Marburg, verdeutlicht: „Die Investitionen in Marburg bleiben auf hohem Niveau, damit wir das Versprechen an unsere Patienten erfüllen können.“ Der Standort leiste einen „starken Beitrag“ zur gesamten CSL-Gruppe – und das sei vor allem „dem hohen Engagement der Mitarbeiter“ geschuldet, so der Geschäftsführer.

von Andreas Schmidt