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Nach dem Kurzschluss ist alles erlaubt

Marburger betreff:theater Nach dem Kurzschluss ist alles erlaubt

Am Ende ist die Bühne ein Trümmerfeld: Nasser Boden, überall liegen Schuhe, Flaschen, Scherben, Reste von Mobiliar. In etwa 80 Minuten gelingt es den Darstellern des „betreff:theaters“, blind wütend alles auseinander zu nehmen.

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Der Künstler Brindsley (Fabian Lamster) trifft auf seine Ex-Freundin Claire (Catharina Backes).Foto: Ben Wangler

Marburg. Die studentische Laiengruppe erfreute Donnerstagabend in der vollen Waggonhalle mit der Verwechslungskomödie „kurz.schluss.handlung“ ein vorwiegend junges Publikum.

Alles beginnt harmlos. Noch im Halbdunkel dekorieren der junge Bildhauer Brindsley Miller, gespielt von Fabian Lamster, und seine Verlobte Carol Melkett (Levia Murrenhoff), die schäbige Wohnung des Künstlers mit teurem antiken Mobiliar, das sie aus der Wohnung des verreisten Nachbarn ‚geborgt‘ haben, um die Gäste zu beeindrucken. Erwartet werden Carols strenger Vater und ein russischer Milliardär, der Brindsleys Werke kaufen möchte. Das Licht auf der Bühne geht an, für die Figuren jedoch wird es stockfinster: Kurzschluss. Im Dunkeln tapsen, krabbeln, stolpern und wanken die schrill gespielten Charaktere. Sobald im Stück auch nur ein Streichholz gezündet wird, verdunkelt sich die Bühne für den Zuschauer, helle Scheinwerfer bedeuten dagegen völlige Finsternis.

Während das Paar sich noch zurechtzufinden versucht, gesellen sich immer neue Charaktere dazu, so etwa die ängstlichen älteren Damen Furnival, die Eltern Melkett, eine Kunstjournalistin, eine Vertreterin und andere. Als der verreiste Nachbar frühzeitig zurückkehrt, beginnt Brindsley hektisch, die geborgten Möbel Stück für Stück wieder auszutauschen.

In einem steten Wechselspiel von Licht und Finsternis versucht er eine Farce aufrecht zu erhalten, in die fast jede Figur des Stücks verstrickt ist. Die Dunkelheit wird zur Komplizin von Lüge und Verwirrung, zugleich aber auch zu ihrem Verhängnis. Denn niemand weiß, wer da eigentlich gerade neben ihm steht. Mit viel Witz, schneller Dramaturgie und komischen Wendungen gelingt eine lebendige Suche nach der Frage: Wer bist Du und wer bin ich? In der zweiten Hälfte wird diese Suche plastisch. Clea, Carols Konkurrentin, initiiert ein Spiel, in dem jeder den anderen ertasten und erkennen soll, und führt die Versammelten endgültig ins Chaos.

Den jungen Regisseuren Maik Dessauer und Philip Krause ist ein skurriles Figurentheater gelungen, das den Zuschauer, so Krause, „mit einem Lachen auf dem Gesicht“ nach Hause schickt. Bisher hat die Gruppe meist ernste Stücke in Szene gesetzt. Es sei eine Herausforderung gewesen, nun eine Komödie zu gestalten und den wilden Slapstick in „kurz.schluss.handlung“ umzusetzen.

Weitere Aufführungen sind heute sowie Montag, Dienstag und Mittwoch kommender Woche jeweils ab 20 Uhr zu sehen.

von Ben Wangler

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