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Marburg Freundin mit Schreckschusswaffe bedroht
Marburg Freundin mit Schreckschusswaffe bedroht
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20:01 25.04.2018
Ein 64-Jähriger, der seine Freundin mit einer Schreckschusswaffe bedroht hatte, kam vor Gericht mit einer Bewährungsstrafe davon. Quelle: Archivfoto
Marburg

Im Dezember 2014 wohnte der Mann gemeinsam mit seiner damaligen Lebensgefährtin im selben Haus im Südkreis, hatte eine eigene Wohnung im Keller. Beide ­hielten eine Katze, um die sich das Paar seit Jahren kümmerte.

In der Nacht vor der Tat verstarb das gemeinsame Haustier. Das löste einen Streit aus. Nachdem sie ihm vom Tod der ­Katze berichtete, soll der Mann erst in seiner Wohnung ausgerastet, später aggressiv auf seine Lebensgefährtin losgegangen sein.

Er stürmte in ihre Wohnung, in der sich auch ihr erwachsener Sohn aufhielt, und richtete eine Schreckschusswaffe auf ihren Kopf. Dabei soll er ihr mit den Worten „Ich bringe euch alle um, das kriegst du von mir“, gedroht und sie noch beleidigt haben.

Die schockierte Frau soll seitdem in Angst vor dem Ex-Freund leben, zog nach der Tat zu einer Freundin und zeigte den Angeklagten an. In dessen Kellerwohnung fand die Polizei neben der Tatwaffe außerdem eine Druckluftpistole samt Munition sowie ein illegales Springmesser. Einen Waffenschein besitzt der Mann nicht.

Streit über
 Tierarzt-Behandlung

Auslöser der Tat soll der Verlust des gemeinsamen Haustiers gewesen sein. „Das hat mich sehr mitgenommen“, erklärte der Angeklagte. Anscheinend ging der Sache zudem eine Auseinandersetzung über die richtige tierärztliche Behandlung der alten Katze vorweg.

Er vermutete einen Behandlungsfehler, gab seiner Freundin die Schuld am Tod des Tieres. Eine Obduktion der Katze, welche die Geschädigte in Auftrag gab, widerlegte diese Annahme später.

Vor Gericht gab der Beschuldigte anfangs nur einen Teil der Anklage zu, bestritt, bei dem Streit die Pistole in der Hand gehabt zu haben. „Ich bedaure das sehr, aber ich habe sie weder mit einer Waffe bedroht noch beleidigt – so etwas mache ich nicht“, hob der Mann hervor. Das erwies sich im Verlauf der Verhandlung als Lüge.
Die polizeiliche Aussage der Geschädigten ergab einen ganz anderen Eindruck dieses Tages.

Auch der Sohn der Frau bestätigte, dass sie nach der Tat vollkommen aufgelöst zu ihm kam und ihm dasselbe berichtete. „Sie war kreidebleich und hatte richtig Angst“, sagte der Zeuge. Er kümmerte sich zuvor im Nebenraum um die verstorbene Katze, konnte das Geschehen nebenan nicht genau sehen. Von der Geschichte mit der Waffe sprach außerdem die Freundin der Familie, zu der die Geschädigte zeitweise flüchtete.

Nach dem Erlebnis veranlasste das Opfer ein Gewaltschutzverfahren gegen ihren Ex-Freund. Gegen das Kontaktverbot verstieß der Mann mehrere Male, indem er ihr Kurznachrichten auf dem Handy schrieb. Deren Inhalt war dabei nicht bedrohlicher Natur, neben Grüßen zu Weihnachten und Neujahr bat er die Frau und Hausbesitzerin darum, ihn nicht anzuzeigen und ihm nicht fristlos zu kündigen.

Zudem berichtete er ihr über seinen Gesundheitszustand. Der soll sich den letzten Jahren rapide verschlechtert haben. Der 64-Jährige gab an, an einem Rückenleiden und einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse zu leiden. Er gilt als arbeitsunfähig, schwerbehindert und depressiv.

Mann räumt Gebrauch der Schreckschusswaffe ein

An psychischen Spätfolgen soll auch die bedrohte Frau bis heute leiden. Sie hielt sich während der Verhandlung in einem anderen Raum des Gerichtsgebäudes auf, um dem Angeklagten nicht begegnen zu müssen. Um ihr eine Aussage zu ersparen, appellierten die Prozessbeteiligten an den Angeklagten, sich seinen Standpunkt nochmals zu überlegen.

Auf Nachfrage gab der 64-Jährige die Tat schließlich mehr oder weniger zu, was ihm Pluspunkte vor Gericht einbrachte. „Er kann nicht ausschließen, dass er die Waffe nicht im Einsatz hatte und bereut das sehr“, erklärte Verteidiger Thomas Strecker.

Er regte eine Verwarnung unter Strafvorbehalt an, dem Oberamtsanwalt Peter Heinisch angesichts des Zustandes des Angeklagten zustimmte. Der ist bislang nicht vorbestraft, habe den Kontakt zu der Geschädigten abgebrochen und „von ihm geht keine exorbitante Gefahr aus“, befand der Anklagevertreter.

Strafrichter Thomas Vollmer sprach eine Verwarnung gegen den Angeklagten aus wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz in Tateinheit mit Bedrohung und Beleidigung und sechsfachem Verstoß gegen das Gewaltschutzverfahren.

Die Strafandrohung beläuft sich auf eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen, die Bewährungszeit auf ein Jahr. Zudem hat der Angeklagte der Geschädigten 600 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Sollte er gegen die Bewährung verstoßen, tritt die Strafe in Kraft, andernfalls wird sie aufgehoben. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Ina Tannert