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Musikalische Zeitreise durch Slowenien

„Gala Slovenica“ Musikalische Zeitreise durch Slowenien

Passend zur europäischen Kulturhauptstadt 2012, Maribor, drehte sich bei der „Gala Slovenica“ alles um die slowenische Musik. Das Publikum bekam am Freitagabend viele neue Eindrücke und erlebte tolle Solisten.

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Unter Leitung von Dirigent Jean Kleeb (Zweiter von rechts) boten Musiker und Sänger dem Publikum im Fürstensaal tolle slowenische Musik.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Die dunkle Beleuchtung im Fürstensaal war sehr atmosphärisch. Immer wieder änderte sich die Farbe in der Kuppel über der kleinen Bühne. Die Musiker des Schlossorchesters unter der Leitung von Jean Kleeb blieben weitgehend im Dunkeln, nur die Lampen ihrer Notenständer leuchteten. So entstand mit sehr einfachen Mitteln das Gefühl, das Orchester stünde hinter der Bühne im Orchestergraben, obwohl es nur wenige Zentimeter Abstand waren.

Die „Gala Slovenica“ machte ihrem Motto „Echos der Jahrhunderte“ alle Ehre. Chronologisch ging es von der Renaissance bis in die Moderne. Vorangestellt war ein kleiner musikalischer Gruß des Männerchores Ockershausen, der seit Jahren eine enge Verbindung zu Marburgs slowenischer Partnerstadt Maribor hat.

Mit den Klängen der „Echo Gagliarda“ für Hornbläser von Isaac Posch vergingen dann auch die letzten trüben Wettergedanken. Die Musik war so frisch, schön und herrlich leicht, dass man die Regengüsse von draußen ganz schnell vergessen hatte.

Maribor ist 2012 europäische Kulturhauptstadt. So entstand auch das Thema der Schlossfestspiele, die dieses Jahr zum ersten Mal stattfanden: 3 Tage Maribor, angelehnt an das heimische Stadtfest am Wochenende zuvor.

Beschwingtes Quartett vom slowenischen „Figaro“

Die Nähe zu Österreich durch das Haus Habsburg hörte man besonders in den Opernwerken. Beeindruckend war vor allem die Gegenüberstellung von Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ mit dem slowenischen Pendant von Janez Krstnik Novak. Beide wurden nicht nur im selben Jahr geboren, sondern nahmen sich auch desselben Stoffes an. Nur, dass Mozarts Bearbeitung vier Stunden lang ist und Novaks gerade einmal 35 Minuten.

Musikalisch braucht sich der slowenische „Figaro“ nicht zu verstecken. Das wunderschöne, beschwingte Quartett war ein wahrer Höhepunkt kurz vor der Pause. Besonders die beiden Solisten aus Maribor, der Bariton Klemen Gorenšek und die Sopranistin Nika Gori - beide studieren in Graz - waren beim Publikum beliebt.

Die 1990 geborene Nika Gori überzeugte mit toller Technik und einer Stimme, die kräftig, hell und dennoch warm klang. Der zwei Jahre ältere Klemen Gorenšek beeindruckte nicht nur mit seinem Gesang, sondern auch mit seinen schauspielerischen Qualitäten. Das Duett aus Smetanas „Die verkaufte Braut“ mit Alec Otto war so hinreißend interpretiert, dass man die kleine Bühne fast vergaß.

Nach einem Terzett aus der slowenischen Nationaloper „Die Oberkrainer Nachtigall“ mit Gorenšek, Otto und ihrer Kollegin Sora Korkmaz ging die musikalische Reise weiter in Richtung Moderne.

Ivan Feri spielte auf dem Klavier Werke von Skerjanc und Matii. Leider war er nicht für das gesamte Publikum gut zu sehen,und die modernen Werke mit slavischer Harmonik wären etwas früher im Programm auch besser aufgehoben gewesen. So war es im Dämmerschein des Fürstensaales in Teilen doch anstrengend, zuzuhören.

Man kann die Organisatoren rund um die künstlerischen Leiter Kerstin Weiß und Enke Eisenberg für diesen Abend nur loben, denn er hat gezeigt, wie bunt und vielfältig Europa ist und wie sehr die Musik schon vor Jahrhunderten jenseits aller Sprachbarrieren Verbindungen schaffen konnte.

von Mareike Bader

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