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Musikalische Reise in das elisabethanische Zeitalter

Ein Abend rund um John Dowland Musikalische Reise in das elisabethanische Zeitalter

Ein ungewöhnliches und spannendes Programm präsentierten die Sängerin Ulla Keller, der Gitarrist Rüdiger Sänger und der Schauspieler Daniel Sempf im Kaiser-Wilhelm-Turm.

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Ulla Keller (von links), Rüdiger Sänger und Daniel Sempf brachten dem Publikum den großen englischen Lautenisten John Dowland nahe.

Quelle: Fredy Haas

Marburg. Auf der kleinen Bühne in der Ecke steht eine unscheinbare Konzertgitarre, ohne Tonabnehmer, ohne Kabel und ohne Verstärker. Nur eine Gitarre, aber keine Laute. Obwohl es um John Dowland, einen der größten Lautenisten der Renaissance gehen sollte.

Rüdiger Sänger greift sich die Gitarre und schon nach den ersten flink gezupften Läufen ist klar: Das ist nicht Folk oder Pop, das ist andere, ungewohnte, aber nicht unbekannte Musik. Und unter Sängers Händen wird die Gitarre doch zur Laute.

Und dann setzt Ulla Keller mit ihrer Stimme ein. So wie man sie kennt, alles hineinlegend. Sie treibt die Stimme hoch, lässt sie wieder abfallen und während der Zuhörer versucht Dowlands englischer Liebeslyrik zu folgen, hilft sie mit einem spitzbübisch gerollten „Rrr“ oder einem schmachtend gedehnten „Meee“ .

Und dann ist er da: John Dowland, erst mit kräftiger Stimme, dann leise zweifelnd und plötzlich wieder energisch. Der Marburger Schauspieler Daniel Sempf gibt diesen John Dowland. Die Feder kratzt über das Papier und man ist dabei wie er 1594 als angestellter Lautenist am Hof des Landgrafen Moritz von Hessen einen sehnsuchtsvoll-bitteren Song dichtet: „Lady, if you so spite me – Kiss me sweet and kill me“. So lautete auch der Titel des Programms. Es geht um die Liebe, aber immer schwingt auch Melancholie mit.

Das Publikum folgt dem rastlosen John Dowland auf seiner jahrelangen Europa-Tournee über Deutschland nach Italien und weiter nach Dänemark. Überall wird er an den fürstlichen und königlichen Höfen mit Begeisterung aufgenommen, aber am Schluss zieht es ihn doch in die Heimat England. Zurück bei der Familie erreicht er endlich seine ersehnte Anstellung als Hoflautenist bei der englischen Königin Anna – die Melancholie aber bleibt.

von Sebastian Meyer

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