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Marburg Musik voller Licht und Schatten
Marburg Musik voller Licht und Schatten
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17:46 30.03.2012
Das Archivfoto zeigt die Kurhessische Kantorei bei einem Konzert am 19. Juni 2011 in der Pfarrkirche.Foto: Michael Hoffsteter Quelle: Michael Hoffsteter
Marburg

Alles begann mit Rembrandt. Dessen Radierung „Drei Kreuze“, nur etwa so groß wie zwei Blatt Papier, beeindruckte den Schweizer Komponisten Frank Martin so sehr, dass er zwischen 1945 und 1948 „Golgotha“ komponierte. Die Kurhessische Kantorei unter Leitung von Uwe Maibaum bringt das Werk am Karfreitag in der Lutherischen Pfarrkirche zum Klingen.

Im Jahr 1653 hatte Rembrandt die Radierung angefertigt, die Martin so nachhaltig faszinierte. Das Kunstwerk beeindruckt auch heute mit seinen starken Kontrasten von Licht und Schatten.

Aus dem Himmel brechen Lichtstrahlen, die den Gekreuzigten und Teile der Menschen um das Kreuz in helles Licht tauchen, während der Rest in tiefem Dunkel bleibt.

Licht und Schatten – diese Thematik zieht sich auch durch „Golgotha“. Frank Martin, Pfarrerssohn mit klassisch musikalischer Ausbildung, versiert in der Analyse der Werke von Johann Sebastian Bach und begeistert von der Musik Debussys, liefert mit seinem „Golgotha“ eine Passionsbetrachtung. Er erzählt die biblische Geschichte nicht, er wählt nur einzelne Stationen aus, die er musikalisch gestaltet. Seine Musik ist Neue Musik – aber auf eine ganz besondere, fast konservative Weise.

Für die Sänger der Kurhessischen Kantorei ist das Werk eine Herausforderung an ihr Können: „Das Schwierige und gleichzeitig Faszinierende an Martins Musik ist die für uns ungewohnte Folge an sich völlig ‚normaler‘ und vertrauter Intervalle“, so formuliert es Helmut Hering, der seit vielen Jahren in der Kantorei singt.

Neue Musik zum Karfreitag – passt das? „Ja“, meint Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, „das passt sogar sehr gut.“

Maibaum ist immer wieder auf der Suche nach gegenwärtigen Zugängen zu den Geschehnissen von Karfreitag und Ostern: „Oft meint man, Neue Musik, das ist nur eine Folge schwieriger, schräg klingender Töne. Aber auch Neue Musik hat eine Seele, die es zu entdecken und zu zeigen gilt. Beim Erarbeiten dieses Stückes haben wir gemeinsam das emotionale Moment in der Musik von Frank Martin gesucht – und gefunden.“

Zum Erleben dieser außergewöhnlichen Passion, die Rembrandts kleinem Bild zu verdanken ist, das Licht und Finsternis scheidet, lädt die Kurhessische Kantorei am Karfreitag ein. So viel sei vorab verraten: Der musikalische Schluss von Martins ganz persönlichem Glaubensbekenntnis ist leuchtend und strahlend – am Ende steht das Paradies.

Solisten sind Christine Wolff (Sopran), Ivi Jänike (Alt), Michael Connaire (Tenor), Philipp Meierhöfer (Bass) und Eric Fergusson (Christusworte). Solisten und Chor werden begleitet von den Frankfurter Sinfonikern. Die Leitung hat Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum.

n „Golgota“ ist am Karfreitag, 6. April, ab 19 Uhr in der Lutherische Pfarrkirche. Karten gibt es im Vorverkauf bei der Marburger Tourismus und Marketing GmbH; Pilgrimstein 26, Telefon: 0 64 21 / 99 12-0.

n Schüler, Studierende und Arbeitslose erhalten jeweils 50 Prozent Ermäßigung auf die Karten zu 20 und 16 Euro; ab 18.45 Uhr erhalten Schüler, Studierende und Arbeitslose an der Abendkasse Restkarten aller Preisgruppen zu 50 Prozent.

n Uwe Maibaum hält um 19 Uhr einen Einführungsvortrag im Teehäuschen.