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Musik fürs Herz mit Gefühl und Esprit

Marburger Kammerorchester bei Schlosskonzerten Musik fürs Herz mit Gefühl und Esprit

Es ist nicht nur schöne Tradition, sondern auch glanzvolles Finale der 39. Schlosskonzerte im Fürstensaal: Das Marburger Kammerorchester und Solist Stephan Rieckhoff begeisterten am Sonntag knapp 200 Besucher.

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Im ausverkauften Fürstensaal begeisterten das Marburger Kammerorchester und Cellist Stephan Rieckhoff beim Abschlusskonzert der 39. Schlosskonzerte.Foto: Helmut Rottmann

Marburg. Obwohl noch viele an der Kasse auf Einlass hofften, hätten Stühle bereitgestellt und Sitzgelegenheiten genutzt werden können. Brandschutz ist wichtig - und dieser riegelte im Fürstensaal die Konzertbesucherzahl bei 199 ab. Das ist völlig in Ordnung, wenn es bei anderen Veranstaltungen keine Ausnahmen gibt.

Nach anfänglicher Nervosität der gut 20 Streicher gelang dem Marburger Kammerorchester unter Andreas Weiss bei Antonin Dvoráks Notturno H-Dur op. 40 ein spannungsvoller Beginn. Es entwickelte sich ein schönes tonales Gleiten durch Melodik, Harmonik und Dynamik. Bemerkenswert war der zarte Schmelz der Violinen.

In Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 D-Dur op. 101 war auch bei Solocellist Stephan Rieckhoff nach schlankem Orchesterauftakt mit guten Bläserklang anfangs eine leichte Nervosität erkennbar. Doch der aus Marburg stammende Rieckhoff ließ sie schnell mit seinem beseelten Cellospiel vergessen. Er schien den Orchesterklang einzuatmen, ihn zu verinnerlichen, in sich klingen lassen, um dann aus seinem Empfinden heraus in Demut vor der Musik und im Einklang mit dem Ensemble zu musizieren.

Solist und Orchester musizieren auf Augenhöhe

Rieckhoff spielte mit weichem Ton die zart fließenden Melodien, konturierte herzhaft zupackend die Akkorde, schöpfte bei Variationen, Doppelgriffen und Tonläufen die ganze Bandbreite aus. Seine bezaubernde Solopassage war eine musikalische Einheit aus Glanz im Ton, Intellekt und Emotionen.

Der zweiteilige Schlusssatz war geprägt von beseeltem Wechselspiel von Solocello und Orchester. Es war ein kongeniales Miteinander: atemberaubend, ansteckend, mitreißend.

Dvoráks Rondo für Violoncello und Orchester g-Moll op. 94 begeisterte mit transparentem Orchesterklang und Rieckhoffs emotionalem Cellospiel in lieblichem Ton. Es war ein Zusammenspiel auf Augenhöhe von Orchester und Solocellisten, ein ständiger Gedanken- und Gefühlsaustausch. Erneut feierten die Besucher mit stürmischem Applaus Solocellist Stephan Rieckhoff sowie das Kammerorchester mit seinem Leiter Andreas Weiss, der mit mit dezent-pointierten Hinweisen führte.

Rieckhoff bedankte sich mit dem Prélude aus Bachs Suite VI für Violoncello solo BWV 1012. Dessen Schwierigkeit auf heutigem Cello, das häufige Spiel in hohen Lagen, meisterte Rieckhoff mit bewunderswerter Eleganz und Empfindsamkeit. Er formte das Werk zu einem hinreißendem Musikgenuss.

Bei Mozarts Sinfonie Nr. 33 B-Dur KV 319 setzte sich Rieckhoff bescheiden zu den Celli des Orchesters. Ein Leckerbissen, vom Marburger Kammerorchester mit zusätzlichen Bläsern frisch gespielt, mit samtig glänzenden Streichern, mit weichen Holzbläsern und warmen Hörnern. Dazu feine Klangstaffelungen, pointierte Einwürfe, kecke Triller und tänzerische Leichtigkeit: Herz, was willst Du mehr.

Das Publikum war restlos begeistert. Es applaudierte stürmisch. Als Zugabe spielte das Orchester wie aus einem Guss die Polka aus Dvoráks Böhmischer Suite op. 39.

von Helmut Rottmann

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