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Musik für Genießer und Klangträumer

Marburger Kammerorchester Musik für Genießer und Klangträumer

Das Marburger Kammerorchester unter der Leitung von Arndt Heyer präsentierte bei seinem Jubiläumskonzert am Sonntag mit feinem Ton, ansteckender Frische und mit dem Solisten Andreas Hering all seine Stärken.

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Mehr als 40 Streicher musizieren im Marburger Kammerorchester, das sich bei seinem Jubiläumskonzert von seiner besten Seite
zeigte. Foto: Tobias Hirsch

Marburg. Vor den rund 200 Besuchern nahmen insgesamt rund 60 Musiker, davon über 40 Streicher, die je nach Werk mit professionellen Bläsern der Region verstärkt wurden, auf der Bühne der Stadthalle Platz. Sie spielten mit Lust, Leidenschaft und Einfühlungsvermögen. Davon lenkten kleinere Unkonzentriertheiten und Ungenauigkeiten nicht ab.

Zum Auftakt erklang Wagners Siegfried-Idyll. Das Kammerorchester Marburg mit seinen professionellen Musikern und engagierten Musikliebhabern schwelgte in romantischer Tonmalerei - weich und mit zartem Schmelz die Streicher, mit warmem Klang die Holzbläser und strahlend das Blech, das Farbe und Kontur verlieh.

Gespannt waren die Zuhörer auf Schumanns viel zu selten aufgeführte Introduktion und Allegro Appassionate op. 92 mit Andreas Hering als Solisten, einem gebürtigen Marburger. Andreas Herings weich fließende Arpeggien auf dem Flügel griff das Kammerorchester Marburg feinfühlig auf. Solist und Orchester erzeugten eine spannungsvolle Atmosphäre, die sich in Dynamik und Harmonik verdichtete. Harte Akkordschläge des Klaviers beantwortete das Orchester mit kraftvollen Harmonien. Es entwickelte sich ein rhythmisch interessantes Wechselspiel des Klaviers und Orchesters voller Geschmeidigkeit und Leichtigkeit. Pianist Andreas Hering löste mit seiner gestalterischen Kraft und Präzision Melodie, Harmonik und Akkordik auf in flirrende Tonläufe in schillernder Farbigkeit. Dabei ließ sich das Marburger Kammerorchester immer bereitwillig auf Herings Klangzauber ein.

Das Publikum feierte minutenlang mit stürmischem Applaus und Fußgetrampel den Pianisten Andreas Hering, das Kammerorchester Marburg und seinen Dirigenten Arndt Heyer. Bei der Scarlatti-Sonate A-Dur K 322 als Zugabe glänzte Hering mit spielerischer Leichtigkeit, Charme und Esprit.

In einem feingliedrigem Spannungsfeld von Melodik und Harmonik gestaltete das Jubiläumsorchester Anton Bruckners Adagio aus dem Streichquartett F-Dur. Mit samtigem Streicherklang, insbesondere der Celli und des Kontrabasses, mit feinen Klangmalereien voller Intensität und Leuchtkraft wurde musiziert.

Krönender Abschluss war Beethovens zweite Sinfonie in D-Dur op. 36. Stimmiger Orchesterklang mit spannungsvollem Auftakt, Akzentuierung der Themen, klare Takt- und Tempowechsel, zauberhaft eingebettete Haupt- und Nebenthemen: Die Proben bis ins kleinste Detail hatten sich gelohnt.

In sanglicher Schönheit leuchteten die weichen Klangströme des zweiten Satzes. Der nachfolgende derb polternde Scherz ließ das Publikum innerlich schmunzeln. Das Schluss-Allegro hatte orchestrale Kraft sowie dynamisches Feuer.

Arndt Heyer gelang es, die feinen Strukturen und Ziselierungen von Motiven in transparentem Klangbild jeweils ins rechte Licht zu rücken. Dadurch wurde seine Interpretation der zweiten Sinfonie Beethovens mit dem Kammerorchester Marburg für Analysten ebenso ein Vergnügen wie für pure Musikgenießer und Klangträumer. Der stürmische Applaus mit Fußgetrampel für Orchester und Dirigent war voll berechtigt.

Heyer dirigiert federnd, dezent schwungvoll, meist eng, aber auch weit umfassend, mit unauffälligen Hinweisen und Korrekturen und klarer Körpersprache. Das Festkonzert zeigte, dass sowohl Pianist Andreas Hering als auch das Kammerorchester Marburg unter seinem Dirigenten Arndt Heyer gut gerüstet sind für größere Aufgaben vor mehr Publikum. Man darf gespannt sein, wer diese Chance zuerst erkennt und nutzt.

von Helmut Rottmann

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